Mit Innovationen das Leben aller Menschen besser machen

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek hat sich für einen verbesserten Transfer von technischen Entwicklungen in die Wirtschaft stark gemacht. „Wir hier in Deutschland, wir hier in Europa wollen Innovationstreiber sein“, sagte sie.

“Wir brauchen Mut zum Risiko. Die Startups von heute sind der Mittelstand und die global agierenden Unternehmen von morgen', betonte Bundesministerin Anja Karliczek während ihrer Rede.
“Wir brauchen Mut zum Risiko. Die Startups von heute sind der Mittelstand und die global agierenden Unternehmen von morgen", betonte Bundesministerin Anja Karliczek während ihrer Rede. © BMBF/Hans-Joachim Rickel

Rede der Bundesministerin für Bildung und Forschung Anja Karliczek (MdB) „Innovationsförderung für eine kraftvolle Start-up-Kultur in der deutschen Forschungslandschaft“ anlässlich des Spin-off-Events des Fraunhofer Technologie-Transfer Fonds am 30. Oktober 2019 in Berlin.

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrter Herr Professor Neugebauer,

Sehr geehrter Herr Grabenwarter,

meine sehr verehrten Damen und Herren,

In Deutschland wird Zukunft gemacht. Wo könnte man das besser erleben als im Futurium?

  • Den Klimawandel begrenzen,
  • lebenswerte Städte bauen,
  • moderne Energieversorgung sichern,

wie all das mit Innovationen gelingen kann, das sehen wir hier. Und auch, wie wir gleichzeitig unsere offene Gesellschaft weiterentwickeln.

Deutschland ist Spitzenstandort für Innovationen. Wir haben eine starke Wirtschaft. Unsere Volkswirtschaft ist eine der zehn forschungsintensivsten der Welt. Aber leider nicht eine der erfolgreichsten Vermarkter unserer Innovationen.

Warum nicht?

Wir haben zwar eine ausgezeichnete Forschungslandschaft und hervorragend ausgebildete Fachkräfte. Unser Innovationssystem könnte jedoch agiler sein. Wir sind nicht immer die Schnellsten, wenn es darum geht, neue Technologien zu vermarkten und daraus neue Wertschöpfungsketten entstehen zu lassen.

Der Transfer von Ideen in die Anwendung ist heute mehr denn je eine politische, gesellschaftliche und ökonomische Notwendigkeit. Es gilt, aus einer guten technologischen Idee eine Geschäftsidee zu machen. Damit Innovationen das Leben aller Menschen besser machen. Auch das gehört zur Verantwortung freier Forschung.

Der globale Wettbewerb wird schärfer. Wir müssen uns – etwa mit Blick auf Wettbewerber wie China oder die USA – immer wieder neu positionieren. Es geht uns nicht darum, mit den anderen einfach nur mitzuhalten. Es geht darum, unsere gemeinsame Welt zu gestalten. Wir hier in Deutschland, wir hier in Europa wollen selbst Innovationstreiber sein.

Deswegen gründen wir die „Agentur für Sprunginnovationen“ in Leipzig. Sie soll hochinnovative Forschungsideen entdecken, die das Potenzial zur Sprunginnovation haben. Damit aus den Ideen Produkte werden und schnell in den Markt kommen.

Die Agentur wird themenoffen arbeiten. In einer Kultur geprägt von Risikobereitschaft, Flexibilität und Fehlertoleranz. Scheitern ist in unserer Gesellschaft viel zu lange stigmatisiert worden. Wir brauchen Mut zum Risiko.

Auch und gerade in unseren Forschungslaboren und unseren Bildungseinrichtungen. Dort brauchen wir ebenso eine lebendige Gründungskultur und innovative Unternehmensgründungen.

Die Startups von heute sind der Mittelstand und die global agierenden Unternehmen von morgen.

  • Sie entwickeln Forschungsergebnisse kreativ zu neuen Produkten und Geschäftsmodellen.
  • Sie sind Treiber für Innovationen in allen Lebens- und Wirtschaftsbereichen.
  • Sie tragen wesentlich zu wirtschaftlicher Dynamik und Strukturwandel bei.

Doch eine Gründung ist kein Selbstläufer. Hierzulande verzeichnen wir im Gründungsgeschehen im besten Falle eine Stagnation.

Die Ursachen hierfür sind vielfältig:

  • Fachkräftemangel,
  • Angst vor dem Scheitern,
  • und: Viele in Wissenschaft und Forschung kommen gar nicht darauf, selbst eine Firma zu gründen.

Leider.

Denn in vielen wissenschaftlichen Arbeiten stecken hervorragende Ideen, aus denen innovative Startups werden könnten! Wir haben Interesse daran, dass aus Ideen Anwendungen und Geschäftsmodelle werden. Weil Innovationen Fortschritt bedeuten und Schritt für Schritt unser aller Leben verbessern.

Was machen wir konkret? Einige Beispiele:

Wir wenden uns an den wissenschaftlichen Nachwuchs. Damit er die Gründung eines Unternehmens stärker als Option in der Karriereplanung in Betracht zieht.

Wir unterstützen Forscher dabei, das Potenzial ihrer Ideen für eine Unternehmensgründung zu überprüfen.

Wir kümmern uns um die Nutzungsrechte am geistigen Eigentum: Häufig liegen die sogenannten IP-Rechte bei den Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Dort werden sie in vielen Fällen durch Patentverwertungsgesellschaften verwaltet.

Immer wieder können sich allerdings Verwertungsgesellschaften und Gründerteams nicht auf eine angemessene Vergütung für die IP-Rechte einigen.

Eine gute Blaupause könnte Ärger vermeiden und Prozesse beschleunigen helfen.
Deshalb arbeiten wir gemeinsam mit dem Wirtschaftsministerium, Vertretern von Transferagenturen, Gründern und Investoren an entsprechenden Leitlinien.

Wir unterstützen seit vielen Jahren die Fraunhofer-Gesellschaft dabei, ihre Ausgründungsförderung gezielt weiterzuentwickeln. Damit sie anschlussfähig bleibt gegenüber den Hot Spots in der wissenschaftlichen Spin-off-Szene weltweit. Rund 10 Millionen Euro haben wir investiert.

Ich freue mich, dass die Ergebnisse aus diesen Förderprojekten im neuen Fraunhofer-Transferförderprogramm AHEAD zusammengeführt werden.

Fraunhofer vertritt hier einen Anspruch, den wir gerne unterstützen: Nämlich einen Schritt voran zu sein. Und Beispiel zu geben für weitere Wissenschaftseinrichtungen in Deutschland und Europa, um Erkenntnisse aus Forschung und Entwicklung über Spin-offs in die Praxis zu führen.

Sehr geehrte Damen und Herren,

natürlich werden wir weiterhin auch in klassische Forschung und Entwicklung investieren. Sogar noch stärker. Das 3 Prozent-Ziel haben wir erreicht. Das ist eine große Leistung insbesondere der Wirtschaft. Diese Investitionen wollen wir bis 2025 auf 3,5 Prozent steigern.

Die Jahreszahl 2025 steht nicht ohne Grund im Titel der Hightech-Strategie. Dies ist auch ein Versprechen: Das Versprechen, das ambitionierte Ziel auch in Zeiten knapper werdender Kassen konsequent zu verfolgen.

Dazu gehört auch, dass wir Forschung und Entwicklung steuerlich fördern werden. Technologieoffen. Damit die steuerliche FuE-Förderung auch junge Startups erreicht, soll sie als Zulage gewährt werden. Sie wird unabhängig von einem Gewinn ausgezahlt werden. Auch Gründerinnen und Gründer, die selbst forschen, sollen von diesem Instrument profitieren.

Und schließlich: Mit dem gerade neu geschlossenen Pakt für Forschung und Innovationen haben wir einen kräftigen und verlässlichen Aufwuchs über 10 Jahre beschlossen. So lange Planungssicherheit – das gab es noch nie.

Das ist eine außergewöhnliche Leistung. Kein Staat der Welt bietet seiner Wissenschaft so exzellente Konditionen.

  • Damit innovative Schwerpunkte mit langem Atem angegangen werden können.
  • Damit Spitzenwissenschaftler erfolgreich angeworben werden können.
  • Damit Deutschland für talentierte Nachwuchskräfte noch attraktiver wird.
  • Und damit auch der Transfer in Anwendungen in Wirtschaft und Gesellschaft weiter intensiviert wird.

Eine wichtige Investition in die Zukunft unseres Landes. Unser Land steht an einem Scheidepunkt. Technologisch und demokratisch stehen wir alle miteinander unter hohem Druck. Der Wandel kann nur von einer Gesellschaft gemeinsam bewältigt werden. Jeder auf seinem Spielfeld, jeder in eigener Verantwortung.

Und die Fraunhofer-Gesellschaft mit ihrer Idee der Spin-offs.