Mögliches Zielprotein für Medikamente identifiziert

Das Protein TMPRSS2 ermöglicht es Coronaviren, ihre Wirtszellen zu infizieren. Ein Wirkstoff, der das Protein blockiert, existiert bereits. Inwieweit er Menschen zukünftig vor einer Infektion schützen kann, muss allerdings noch untersucht werden.

Wissenschaftlerin im Labor
. © Projekttraeger DLR Gesundheitsforschung im Auftrag des BMBF

Bevor sich ein Virus vermehren kann, muss es zunächst in eine Wirtszelle eindringen, denn dafür benötigt es die zellulären Mechanismen des Wirtes. Deshalb suchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit nach Wirkstoffen, die diesen Prozess blockieren und damit die Ausbreitung der Viren verhindern.

Das Protein TMPRSS2 ist ein Bestandteil dieser Mechanismen. Coronaviren nutzen es wie einen Schlüssel, um etwa in menschliche Lungenzellen einzudringen. Auch das neuartige SARS-Coronavirus-2 (SARS-CoV-2), das zurzeit die weltweite Pandemie verursacht, könnte ohne dieses Protein wahrscheinlich nicht in die Wirtszellen eindringen. Das zeigen aktuelle Ergebnisse, die unter anderem auf den Forschungsverbund „RAPID – Risikobewertung bei präpandemischen respiratorischen Infektionserkrankungen“ zurückgehen.

Bereits vor einiger Zeit konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Verbundes nachweisen, dass TMPRSS2 bei einer Infektion mit Coronaviren eine wichtige Rolle spielt. Es spaltet ein virales Oberflächenprotein, das sogenannte Spike-Protein, und ermöglicht dem Virus damit das Eindringen in die Wirtszelle. Auch die Stelle, an der TMPRSS2 das Spike-Protein spaltet, haben die Forschenden um Professor Stefan Pöhlmann vom Leibniz-Institut für Primatenforschung in Göttingen (DPZ) zusammen mit Wissenschaftlern des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) bereits identifiziert. Ihre Erkenntnisse nutzen sie unter anderem dafür, ein Testsystem zu entwickeln mit dem sich Virusvarianten mit einer hohen Übertragbarkeit früher identifizieren lassen (lesen Sie hierzu einen Newsletter-Beitrag aus dem Jahr 2019).

Mögliches Medikament identifiziert – weitere Überprüfung steht noch aus

Ein Medikament, das TMPRSS2 blockiert und damit die Ausbreitung des Virus verhindern könnte, existiert möglicherweise bereits. Die Forschenden testen aktuell einen Wirkstoff, der in Japan zur Behandlung von Entzündungen der Bauchspeicheldrüse zugelassen ist. Bislang ist allerdings noch nicht erwiesen, ob der Wirkstoff Menschen auch vor Covid-19 und den schweren Lungenentzündungen schützt, die als Folge einer Infektion mit dem SARS-CoV-2 entstehen können. Dieser Zusammenhang muss zunächst in klinischen Studien überprüft werden. Erste entsprechende Studien sollen schon bald starten.

Der Forschungsverbund „RAPID – Risikobewertung bei präpandemischen respiratorischen Infektionserkrankungen“ ist Teil des Nationalen Forschungsnetzes zoonotische Infektionskrankheiten, das durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird. Das Ziel: Forschungsverbünde, Nachwuchsgruppen und Einzelprojekte vernetzen, die Krankheiten erforschen, welche von Tieren auf den Menschen übertragen werden können. Die Vernetzung der Forschenden trägt auch dazu bei, plötzliche Krankheitsausbrüche durch Notfallmaßnahmen künftig schneller beherrschen zu können.

Ein wichtiges Ziel der Bundesregierung ist es zurzeit, die rasante Ausbreitung des SARS-Coronavirus-2 einzudämmen. Dazu können alle Bürgerinnen und Bürger ihren Teil beitragen, indem sie Sozialkontakte auf ein Minimum reduzieren und entsprechende Hygienemaßnahmen streng einhalten.
Informationen darüber, wie Sie Ihre Hände richtig waschen und was Sie beim Niesen und Husten beachten müssen, finden Sie unter anderem auf den Seiten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (www.infektionsschutz.de).