Multiresistente Keime am Lebensende

Eine neue Handlungsempfehlung bietet einen wissenschaftlich fundierten Ansatz zum Umgang mit Patientinnen und Patienten am Lebensende, die einen multiresistenten Erreger (MRE) tragen oder an ihm erkrankt sind.

Zuwendung und Fürsorge sind für viele Patientinnen und Patienten in einer geriatrischen oder palliativmedizinischen Einrichtung sehr wichtig. Das Auftreten von multiresistenten Keimen stellt daher eine schwierige Situation dar.
Zuwendung und Fürsorge sind für viele Patientinnen und Patienten in einer geriatrischen oder palliativmedizinischen Einrichtung sehr wichtig. Das Auftreten von multiresistenten Keimen stellt daher eine schwierige Situation dar. © Thinkstock

MRE treten immer wieder auch in palliativmedizinischen und geriatrischen Einrichtungen auf. In diesem Umfeld gilt es, den Patientinnen und Patienten die großmöglichste Fürsorge zukommen zu lassen. Verschärfte Hygienebedingungen stehen häufig in einem starken Gegensatz zu diesen Therapiezielen. „Für die Betreuenden ist es oft schwierig zu entscheiden, wie sie mit dieser speziellen Situation umgehen sollen“, erläutert Maria Heckel. „Denn gerade schwer kranke und sterbende Menschen wünschen sich häufig einen engeren Kontakt zu ihren Angehörigen und zum Pflegepersonal.“ Maria Heckel ist als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Forschungsabteilung der palliativmedizinischen Abteilung des Universitätsklinikums Erlangen beschäftigt.

Der Begriff „multiresistente Erreger“ (MRE) umfasst methicillin-resistente Staphylococcus aureus Stämme (MRSA), multiresistente gramnegative Erreger, vancomycin-resistente Enterokokken (VRE) und andere multiresistente Stämme.

Eine aktuell veröffentlichte Handlungsempfehlung hilft in dieser Situation. Sie zeigt Wege auf, die es ermöglichen, dem Wunsch der Patientinnen und Patienten zu entsprechen ohne dabei eine Ausbreitung der Keime zu riskieren. Die Handlungsempfehlung ist das Ergebnis des Forschungsprojektes „MRSA in der Versorgung am Lebensende (M-EndoL)“, das durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wurde. Die Projektgruppe veröffentlicht die Publikation gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin e.V. und finanziell unterstützt von der Paula Kubitscheck-Vogel-Stiftung.

Persönliche Interviews als Basis für die Empfehlungen

Die Forschenden führten während der einzelnen Projektphasen zahlreiche persönliche Interviews durch. Diese dienten dazu, die Erfahrungen, Vorschläge und die Bedürfnisse der unterschiedlichen Personengruppen zu erfassen, die mit dieser besonderen Situation konfrontiert werden. Die Handlungsempfehlungen berücksichtigen daher die zum Teil sehr unterschiedlichen Sichtweisen der folgenden vier Personengruppen:

  • der Betroffenen
  • ihrer Angehörigen
  • der behandelnden Teammitglieder, beispielweise der Pflegekräfte
  • und der institutionellen Vertreterinnen und Vertreter, zum Beispiel der Hygieneverantwortlichen oder der Mitglieder des Klinikmanagements.

Die Erkenntnisse, die sich aus diesen Interviews ableiten ließen, wurden anschließend in Gruppen diskutiert und dienten als Grundlage für die Handlungsempfehlung. In der nun veröffentlichten Version werden sie zusammenfassend wiedergegeben.

Der erste Entwurf der Handlungsempfehlung wurde von Expertinnen und Experten aus der Palliativ- und Hospizversorgung und der Geriatrie schriftlich geprüft und eingeschätzt. Denn den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern war es sehr wichtig, dass die Empfehlungen in der Versorgung auch umsetzbar sind. In einem Treffen der Arbeitsgruppe wurden die Handlungsempfehlungen entsprechend angepasst.

Die Ausbreitung des Erregers verhindern

Antibiotika-Resistenzen nehmen weltweit immer mehr zu. Immer häufiger sind Keime gegen mehrere Antibiotika gleichzeitig resistent. Insbesondere für immungeschwächte Menschen können diese multiresistente Erreger (MRE) gefährlich sein, wenn sie zu einer Infektion führen, deren Behandlung aufgrund der Resistenzen der Erreger dann schwierig ist. Ein positiver Befund geht daher zumeist mit verschärften Hygienemaßnahmen einher, um eine Ausbreitung des Erregers zu verhindern. Im Krankenhaus werden Betroffene beispielsweise häufig in Einzelzimmer verlegt und von Gruppen-Therapieprogrammen ausgeschlossen. Ihre Kontaktpersonen tragen zudem Schutzkleidung, wie Mundschutz, Handschuhe und Kittel.

Kein Ersatz für geltende Hygienerichtlinien

Die Empfehlungen beziehen sich auf spezialisierte stationäre Einrichtungen für Menschen am Lebensende. Sie ersetzten dabei nicht die geltenden Hygienerichtlinien, sondern ergänzen vielmehr in dieser besonderen Situation die Richtlinien. Sie sind auch keine Leitlinie.

Zukünftig sollen noch Checklisten, Flussdiagramme und andere Arbeitshilfen ergänzend erstellt werden. Diese sollen – wie die Handlungsempfehlungen auch – über die Internetseite der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin und der Palliativmedizinischen Abteilung am Universitätsklinikum Erlangen abrufbar sein.