Nach Knochenbrüchen: Weniger Todesfälle durch fächerübergreifende Zusammenarbeit

Eine vom Bundesforschungsministerium geförderte Studie belegt: Werden ältere Patientinnen und Patienten nach einem Hüftbruch gemeinsam von Unfallchirurgen, Altersmedizinern, Physiotherapeuten und Pflegekräften behandelt, leben sie länger.

Teamwork hilft: Kümmern sich Unfallchirurgen, Altersmediziner, Physiotherapeuten und Pflegekräfte gemeinsam um ältere Patientinnen und Patienten mit Knochenbrüchen, leben diese länger.

© DLR-PT/BMBF

Gerade im Alter sind Knochenbrüche eine der häufigsten Ursachen für Behinderung und den Verlust von Selbständigkeit. Besonders nach Hüftbrüchen werden ältere Patientinnen und Patienten oft bettlägerig und pflegebedürftig. Jeder zehnte Patient mit einer Hüftfraktur stirbt innerhalb der ersten 30 Tage nach dem Sturz. Bis zu 20 Prozent verlieren ihre Selbstständigkeit und müssen im Folgejahr in eine Pflegeeinrichtung einziehen.

Einer aktuellen Studie zufolge werden ältere Menschen mit einer Fraktur am besten durch das sogenannte geriatrisch-unfallchirurgische-Co-Management versorgt. Hier arbeiten Unfallchirurgen und Altersmediziner eng mit Physiotherapeuten sowie dem Sozial- und Pflegedienst zusammen. Denn ältere verunglückte Personen müssen anders behandelt werden als junge. Sehr oft haben ältere Menschen viele Begleiterkrankungen (Multimorbidität) – und brauchen deshalb viele unterschiedliche Medikamente (Polypharmazie). Auch die weitere Behandlung erfordert nicht nur die operativ-unfallchirurgische, sondern die allgemeinmedizinische-geriatrische Expertise. Die schnelle Mobilisierung der Betroffenen steht dabei im Vordergrund.

Zusammenarbeit über Fachgrenzen hinweg

Die Ergebnisse der Forschungsgruppe um Professor Kilian Rapp und Professor Clemens Becker zeigen: Mit zunehmender Spezialisierung einzelner medizinischer Fachgebiete wird es immer wichtiger über Fachgrenzen hinweg zusammenzuarbeiten. Diese neue Form der sogenannten Interprofessionalität zahlt sich aus: Denn in Zentren, in denen Unfallchirurgie und Altersmedizin im engen Austausch miteinander stehen, ist die 30-Tage Sterblichkeit nach einer Hüftfraktur um mehr als 20 Prozent geringer als in Krankenhäusern, die Brüche bei älteren Unfallpatientinnen und -patienten nach herkömmlicher Art und Weise behandeln.

In der Studie wurden bundesweit Abrechnungsdaten von 55.000 über 80-jährigen Patientinnen analysiert, die bei der AOK versichert waren und zwischen dem 01.Januar 2014 und dem 31.März 2016 eine Hüftfraktur erlitten haben.

Die Studie ist Teil des Verbundes „Prävention, Therapie und Rehabilitation osteoporotischer Frakturen in benachteiligten Populationen“ (PROFinD 2), der vom Bundesforschungsministerium gefördert wird. Dieser Forschungsverbund beschäftigt sich mit der Frage, wie Knochenbrüche bei älteren Patientinnen und Patienten vermieden oder besser behandelt werden können. Dazu arbeiten Expertinnen und Experten interdisziplinär zusammen: Unter anderem haben sie ein Konzept entwickelt, mit dem Bewegungsförderung, Sturzprävention und Knochengesundheit wirkungsvoll angeboten werden. Dieses Programm wird im ländlichen Raum in vielen Regionen Deutschlands unter dem Namen „Trittsicher durchs Leben“ durchgeführt.