Nachhaltiges Wirtschaften bringt Gewinn

Städte und Gemeinden können Gewinn aus ihren natürlichen Ressourcen und Abfällen schöpfen, sagt Umweltwirtschaftler Peter Heck. Wie daraus vor allem auf dem Land mehr Lebensqualität entsteht, zeigt die „Roadshow Nachhaltige Entwicklung“.

Der grüne Ökonom Peter Heck von der Hochschule Trier rät Kommunen, auf nachhaltiges
Ressourcenmanagement umzustellen. Beispiele dafür gibt es in der "Roadshow Nachhaltige
Entwicklung" – unter anderem am 16. Januar in Stuttgart. © IfaS

bmbf.de: Herr Heck, warum sollten Städte und Gemeinden mit ihren Ressourcen und Resten nachhaltig wirtschaften?

Weil es finanziellen, wirtschaftlichen und sozialen Gewinn bringt. Nachhaltige Entwicklung ist ja viel mehr als Umweltschutz. Sie schafft Arbeitsplätze und bringt Geld, denn die Wertschöpfung findet vor Ort, in der Region, statt.

Wie sieht das konkret aus?

Wir verstehen ein Dorf oder eine Stadt als ein System, in dem Stoffströme fließen – Wasser, Lebensmittel, Energieressourcen zum Beispiel. Es gibt einen unglaublichen Input dieser Stoffströme und mit Abwasser und Abfall einen hohen Output. Mit nachhaltigem Stoffstrommanagement wird der Input reduziert und der Output, der Abfall, wiederum als Ressource genutzt: Mehrwert.

Management im Sinne von Kreisläufen. Haben Sie dafür ein Beispiel?

Abwasser lässt sich mit natürlichen Filtern so reinigen, dass der Klärschlamm als Düngemittel für die Landwirtschaft genutzt werden kann. Entsprechend aufbereitet, kann er auch die Energie für einen autarken Betrieb der Anlage liefern. Der Stoffstrom fossiler Energieträger wird durch diese Biomasse ersetzt. Die Energie wird klimaneutral. Es fallen weniger Kosten an, weil Kommunen sie nicht kaufen, sondern selbst erzeugen. Das Abwassersystem hat weniger Input und einen Output, der gewinnbringend verwertet wird. Es wird nachhaltig und kostengünstiger. Damit sinken auch die Abwassergebühren für die Einwohner.

Und das funktioniert mit allen Stoffströmen und Ressourcen?

Zur Person

Peter Heck ist Direktor des Instituts für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS) am Umwelt-Campus Birkenfeld der Hochschule Trier, das er 2001 gründete. Die Forschungsschwerpunkte des Umweltwirtschaftlers sind regionale Wertschöpfung, Klimaschutz und erneuerbare Energien. Heck leitet auch die dreijährige „Roadshow Nachhaltige Entwicklung“, die vom Bundesforschungsministerium gefördert wird.

Ja. In der Roadshow zeigen wir verschiedene Beispiele für Energie- und Wasserversorgung und nachhaltige Landnutzung.

Wie lassen sich dadurch Arbeitsplätze schaffen?

Beispiel Energieversorgung: Stellen Einwohner und Verwaltung einer Gemeinde ihre Ölheizungen auf Holz- oder Solarheizungen um, dann entsteht neue Arbeit. Es braucht jemanden, der den Prozess steuert, dazu Produzenten und Handwerker. Stück für Stück wächst ein Green Business heran, mit vielfältigen neuen Kooperationen. Das kann auch Landwirten zu neuen Einnahmequellen verhelfen.

Auf welche Weise?

Schnellwachsende Strauch- oder Baumplantagen und klassische Hecken auf Feldern liefern Holz für saubere Energie. Das Holz bringt den Landwirten zusätzlichen Erlös, schützt die Felder vor Hochwasser und Erosion und bewahrt das Grundwasser vor zu hohem schädlichen Nitrat.

Ist nachhaltiges Wirtschaften eine Chance für ländliche Regionen, die sich von der derzeitigen Entwicklung oft abgehängt fühlen?

Unbedingt. Der ländliche Raum erhält so nicht nur neue Wertschöpfungsmöglichkeiten – sondern auch mehr Wertschätzung. Entscheidet sich beispielsweise ein ganzes Dorf, auf Solar- oder Bioenergie als gemeinsame Einnahmequelle umzustellen, entsteht ein Wir-Gefühl; ein Klima, in dem ganz unterschiedliche Menschen gern leben. Bioenergie schafft abwechslungsreiche Landschaften mit Artenvielfalt. Regionale Energie schafft Arbeitsplätze vor Ort. Und mit den Einnahmen können Kommunen auch soziale Aufgaben finanzieren. Die Lebensqualität steigt.

Diese und weitere Beispiele aus der Forschung stellen Sie mit der Roadshow Nachhaltige Entwicklung vor. Warum gehen Sie auf Tour?

An guten Ergebnissen der Nachhaltigkeitsforschung besteht kein Mangel. Eher mangelt es am Wissen, dass es sie gibt. Deswegen touren wir mit der Roadshow durch sechs Städte in Deutschland und präsentieren diese Ergebnisse vor Ort. Unsere Referenten sind Forschende und Bürgermeister, die bereits nachhaltig wirtschaften.

Ein Umstellen auf nachhaltiges Wirtschaften erfordert zunächst Investitionen. Woher kommt das Geld?

Wir stellen auch Finanzierungsmöglichkeiten vor, darunter verschiedene Fördertöpfe auf Landes- und Bundesebene oder auch genossenschaftliche Formen. Zudem gibt es für insgesamt 25 Städte die Möglichkeit, eigene Nachhaltigkeitsprojekte zu starten, die das Bundesforschungsministerium fördert und wir betreuen. So können sie erste Bausteine eines nachhaltigen Managements schaffen.

Die "Roadshow Nachhaltige Entwicklung"

Die „Roadshow“ vermittelt erprobtes Wissen aus der BMBF-„Forschung für Nachhaltige Entwicklung“ (FONA) - Lösungen für ein nachhaltiges Wirtschaften mit Energie, Wasser und Land. Teilnehmende Gemeinden können sich zudem für eigene Nachhaltigkeitsprojekte bewerben.
Die bundesweite Veranstaltungsreihe macht am 16. Januar in Stuttgart Station. Die nächsten Termine, u.a.: Hannover am 6. März; Emsdetten am 7./8. März; Leipzig am 20./21. März.