Nachhaltigkeit in der beruflichen Bildung

Nachhaltig handelt, wer die Lebensqualität der gegenwärtigen Generation sichert und gleichzeitig zukünftigen Generationen die Wahlmöglichkeit zur Gestaltung ihres Lebens erhält. Dabei sind umweltbezogene, wirtschaftliche und soziale Aspekte wichtig.

Regionale Landwirtschaft: Für viele Köche und Konsumenten wird Nachhaltigkeit und das Wissen über die Herkunft der Produkte immer wichtiger. © Digital Vision

Mit der Verabschiedung der Agenda 2030 der Vereinten Nationen wurden weltweit die Ziele formuliert für eine nachhaltige Gesellschaft der Zukunft. Um die zur Erreichung dieser Ziele notwendigen Prozesse voranzubringen, wurde von der Nationalen Plattform Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) am 20. Juni 2017 ein Nationaler Aktionsplan BNE verabschiedet. Er beschreibt zentrale Handlungsfelder, Ziele und Maßnahmen – auch für die Berufliche Bildung. Denn bereits die Aus- und Weiterbildung kann und muss jungen Menschen die Kompetenz für nachhaltiges Handeln vermitteln.

Förderung des Bundesministeriums

Das Bundesbildungsministerium stellt dem Bundesinstitut für Berufsbildung für den Förderschwerpunkt „Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung 2015 – 2019“ bis zu neun Millionen Euro zur Verfügung.

Kompetenzen und Nachhaltige Lernorte

Nicht nur Führungskräfte, sondern auch Mitarbeitende und Auszubildende können Verantwortung für nachhaltiges Handeln an ihrem Arbeitsplatz übernehmen. Ausbilderinnen und Ausbilder, Lehrerinnen und Lehrer, Führungskräfte, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Unternehmen sind Vorbilder für ihre Auszubildenden. Sie vermitteln, was nachhaltiges Handeln konkret im beruflichen Alltag bedeutet. Daher gehen Aus- und Weiterbildung zum nachhaltigen beruflichen Wirken Hand in Hand.

Am besten gelingt das, wenn ihre Aus- und Weiterbildung in einen nachhaltigen Lernort eingebettet ist. Wie dieser Lernort gestaltet sein muss und welche nachhaltigkeitsrelevanten Kompetenzen konkret zu vermitteln sind, untersucht das Bundesministerium für Bildung und Forschung gemeinsam mit dem Bundesinstitut für Berufsbildung und Partnern aus Wissenschaft und Praxis in einem Modellversuchsförderschwerpunkt. Wissenschaftlich begleitet befasst sich dieser mit der organisatorisch-personellen Gestaltung insbesondere betrieblicher und überbetrieblicher Lernorte. Zudem werden Lehr- und Lernkonzepte entwickelt zur integralen Vermittlung von Wissen und Kompetenzen zur Nachhaltigkeit in der betrieblichen Ausbildung. Aktuell werden diese für ausgewählte Berufe im kaufmännischen Bereich sowie im Lebensmittelhandwerk und der -industrie erprobt.

Soziale und ethische Aspekte

Was bedeutet Fair-Trade? Wofür steht ein Energie-, Bio- oder OEKO-Tex-Label? All das sollen beispielsweise Kaufleute im Handel beim Wareneinkauf abwägen und hinterfragen können. Denn Beschaffungsentscheidungen in der vernetzten Welt können Folgen für weit entfernte Erdteile haben. Die Auszubildenden im Einzelhandel lernen, Lebensmittel nachhaltig einzukaufen. Dies schließt Kinderarbeit aus und eine angemessene Bezahlung der Produzenten und Händler ein.

Konsequenzen des Handelns

Das Wissen um die Wechselwirkungen, die eigenen Einflussmöglichkeiten und die Konsequenzen des beruflichen Handelns ist in jedem Beruf wichtig. Maurer und Stuckateure müssen sich nicht nur Gedanken machen, welche Materialen sich am besten für das jeweilige Gebäude und seine Bewohner eignen. Sie müssen ebenso wissen, wo und wie die Materialien produziert, gehandelt und transportiert werden. Einzelhandelskaufleute müssen gleichermaßen lernen, die gesamte Warenkette zu betrachten. Sie sollen Kunden zu nachhaltig produzierten Waren beraten und deren Wünsche dennoch ausreichend berücksichtigen, um wirtschaftlich handeln zu können.

Der berufsspezifischen Qualifizierung des ausbildenden schulischen wie auch betrieblichen Personals kommt daher eine besondere Bedeutung zu. Mit dem Nationalen Aktionsplan BNE sorgt die Bundesregierung dafür, dass bereits in der Beruflichen Bildung die Weichen für nachhaltiges Handeln gestellt werden.