Nachhaltigkeit in der beruflichen Bildung

Nachhaltig handelt, wer die Lebensqualität der gegenwärtigen Generation sichert und gleichzeitig zukünftigen Generationen die Wahlmöglichkeit zur Gestaltung ihres Lebens erhält. Dabei sind umweltbezogene, wirtschaftliche und soziale Aspekte wichtig.

Regionale Landwirtschaft: Für viele Köche und Konsumenten wird Nachhaltigkeit und das Wissen über die Herkunft der Produkte immer wichtiger. © Digital Vision

Nachhaltiges Handeln setzt voraus, dass man die Konsequenzen des eigenen Handelns gegenwärtig und für die Zukunft im Blick hat. Darüber hinaus bedarf es der Fähigkeit, sich bei mehreren Handlungsoptionen für die tatsächlich nachhaltigere zu entscheiden. Berufliche Bildung für nachhaltige Entwicklung hat dementsprechend die Aufgabe, das Wissen und die Kompetenzen zu vermitteln, die erforderlich sind, um das konkrete berufliche Handeln nachhaltig zu gestalten. Nachhaltigkeit in der beruflichen Bildung heißt also nicht nur, diese durch geeignete Formulierungen in den Ausbildungsordnungen, Rahmenlehrplänen und Fortbildungsordnungen zu verankern. Nachhaltigkeit muss gelebt werden und im Alltag der Bürgerinnen und Bürger ankommen.

Was das in der Ausbildung bedeuten kann, lässt sich am Beispiel eines Kantinenbetriebs anschaulich darstellen. In der Ausbildung zur Fachfrau oder zum Fachmann für Systemgastronomie oder zur Köchin oder zum Koch reicht es nicht, zu wissen, dass der Einkauf saisonaler und regionaler Zutaten durch kurze Transportwege und der Anbau unter natürlichen Bedingungen ökologisch sinnvoll sind. Systemgastronomen und Köche sollten auch wissen, dass sie auf die Arbeitsbedingungen der in der Lieferkette Beschäftigten Einfluss nehmen können. So können soziale und ethische Aspekte in die wirtschaftlichen Entscheidungen einfließen,  indem Lebensmittel eingekauft werden, die unter fairen Bedingungen produziert und gehandelt werden. Das schließt Kinderarbeit aus und eine angemessene Bezahlung der Produzenten und Händler ein.

Auch auf die Tierhaltung können Systemgastronomen und Köche als Abnehmer tierischer Produkte Einfluss nehmen. Ebenso auf die Abfallwirtschaft, indem sie die Abfallmengen durch den Einkauf unverpackter Lebensmittel und eine hohe Lebensmittelverwertung senken. Daneben tragen Systemgastronomen und Köche Verantwortung für ein ausgewogenes und gesundes Speisenangebot. Sie nehmen damit indirekt auch Einfluss auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Unternehmens, da gesundes Essen zum Beispiel zur Reduzierung des Krankenstandes beitragen kann.

Das Wissen um die Wechselwirkungen, die eigenen Einflussmöglichkeiten und die Konsequenzen des beruflichen Handelns ist in jedem Beruf wichtig. Maurer und Stuckateure müssen sich nicht nur Gedanken machen, welche Materialen sich am besten für das jeweilige Gebäude eignen. Sie müssen auch wissen, wo und wie die Materialien produziert, gehandelt und transportiert werden. Einzelhandelskaufleute müssen gleichermaßen lernen, die gesamte Lieferkette zu betrachten, Kunden zu nachhaltig produzierten Waren zu beraten und dennoch die Kundenwünsche ausreichend zu berücksichtigen, um wirtschaftlich handeln zu können.

Dabei leben Ausbilder/innen, Lehrer/innen, Führungskräfte und Mitarbeiter/innen in den Unternehmen vor, was Nachhaltigkeit im Beruf und im Unternehmen bedeutet. Sie sind als Vorbilder für ihre Auszubildenden und Beschäftigten die Übersetzer des abstrakten Leitgedankens in das konkrete Handeln im beruflichen Alltag. Daher gehen Aus- und Weiterbildung zum nachhaltigen beruflichen Wirken Hand in Hand. Der berufsspezifischen Qualifizierung des ausbildenden schulischen wie auch betrieblichen Personals kommt eine besondere Bedeutung zu.

Die Roadmap der UNESCO formuliert als eines von fünf Handlungsfeldern die Kompetenzentwicklung bei Lehrenden und Multiplikatoren. Nachhaltige Aus- und Weiterbildung sollten eingebettet sein in nachhaltige Lernorte. Auch die ganzheitliche Transformation von Lern- und Lehrumgebungen gehört zu den von der UNESCO definierten Handlungsfeldern für das Weltaktionsprogramm „Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)“.

Wann ein Lernort nachhaltig ist und wie er mit welchen Instrumenten gestaltet werden kann, soll durch einen Modellversuchsförderschwerpunkt ermittelt werden, den das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Weltaktionsprogramm BNE finanziert. Der Modellversuchsförderschwerpunkt befasst sich zudem mit der Entwicklung von Lehr-/Lernkonzepten zur Vermittlung von Wissen und Kompetenzen zur Nachhaltigkeit in der betrieblichen Ausbildung. Nachdem hier im Rahmen der UN-Dekade BNE insbesondere Berufe im gewerblich-technischen Bereich und im Handwerk im Mittelpunkt standen, werden im Weltaktionsprogramm nunmehr ausgewählte kaufmännische Berufe in den Blick genommen. Das BMBF stellt dem Bundesinstitut für Berufsbildung für den Förderschwerpunkt „Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung 2015 – 2019“ bis zu 6 Millionen Euro zur Verfügung.