Nachhaltigkeitspreis: „Uns ist eine breite Mobilisierung gelungen“

42 Teams haben sich um den Nachhaltigkeitspreis für Projekte zum Thema Wasser beworben. Der Preis mache darauf aufmerksam, was innovative Forschung für sauberes Wasser leiste, sagt Bundesforschungsministerin Wanka im Interview mit „Die Welt“.

"Mich begeeistert die Bandbreite der Projekte", so Bundesministerin Johanna Wanka. © BMBF/ Hans-Joachim Rickel

Die Welt: Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat den sechsten Deutschen Nachhaltigkeitspreis Forschung für Projekte zum Thema Wasser ausgelobt. Was war der Grund dafür?

Johanna Wanka: Von allen Stoffen, die wir in unserem täglichen Leben verwenden, ist Wasser der wichtigste und wertvollste – unersetzlich für uns und für eine intakte Umwelt. Wir alle brauchen Wasser in hoher Qualität. Um das sicherzustellen, brauchen wir Ideen aus der Forschung. Der Preis macht darauf aufmerksam und zeigt, was innovative Forschung aus Deutschland für sauberes Wasser leistet.

Wo sehen Sie die dringlichsten Herausforderungen für den Schutz und die nachhaltige Nutzung der Ressource Wasser?

Wasser muss in ausreichender Menge und in guter Qualität für alle zur Verfügung stehen. Das ist weltweit immer noch keine Selbstverständlichkeit. Aber auch in Deutschland gibt es genug zu tun. Beispielsweise die Aufbereitung von Abwasser, das teilweise mit antibiotikaresistenten Keimen oder Mikroplastik belastet ist.  Wie diese Stoffe von den Kläranlagen am besten herausgefiltert werden können, damit sie nicht weiter in die Umwelt gelangen, ist eine Aufgabe, der sich die Forschung derzeit stellt.

Und was tut die Politik?

Wasser hat in der Agenda 2030 der Vereinten Nationen für die nachhaltige Entwicklung einen hohen Stellenwert. Auch die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie nimmt sich dem Thema „Sauberes Wasser“ an. Wir wollen bis 2030 jährlich 10 Millionen Menschen weltweit dabei unterstützen, einen Zugang zu Trinkwasser- und Sanitärversorgung zu erhalten. In Deutschland haben wir es beispielsweise mit der teilweise viel zu hohen Nitratbelastung des Grundwassers zu tun. Die EU-Grundwasserrichtlinie und die deutsche Grundwasserverordnung legen eine Qualitätsnorm vom 50 mg Nitrat je Liter Grundwasser fest, dieser Wert wird in Teilen Deutschlands überschritten. Das BMBF finanziert dazu verschiedene Programme unter dem Stichwort „nachhaltiges Landmanagement“, um den Eintrag von Nitrat durch die Böden ins Grundwasser zu verringern. 

Sind Sie mit der Resonanz auf den Preis zufrieden?

Insgesamt haben sich 42 Teams um den Preis beworben, das sind ungefähr so viele wie letztes Jahr zum Thema Wärmewende.  Das Spektrum der Projekte ist vielversprechend mit einer großen thematischen Bandbreite: Von der Landwirtschaft über Kommunen bis hin zu industriellen Projekten. Es sind auch einige internationale Vorhaben dabei. Neben BMBF-geförderten Projekten haben sich auch Projekte beworben, die durch das  Wirtschafts- und dem Umweltministerium gefördert werden, ebenso auch EU-geförderte Vorhaben und sogar einige selbst finanzierte „Exoten“. Es ist uns eine breite Mobilisierung gelungen, damit bin ich sehr zufrieden.

Haben Sie ein Lieblingsprojekt?

Mich begeistert die Bandbreite: Viele Projekte adressieren technische Neuerungen, die mit sozialen Innovationen einhergehen. Beim Projekt Wasserschutzbrot gelingt beispielsweise die Reduktion des Nitrateintrags ins Grundwasser durch eine kluge Kombination von innovativen Backtechnologien, Anreizen für Landwirte und einer sehr cleveren Vermarktungsstrategie. Beim Symbiofilter wird mithilfe einer winzigen Wasserpflanze Abwasser von schwer abbaubaren Stoffen befreit. Und die BioBrennstoffzelle ermöglicht es, Abwasser in einem einzigen Schritt zu reinigen und dabei gleichzeitig Energie zu gewinnen.

Welches Ziel wird mit dem deutschen Nachhaltigkeitspreis verfolgt?

Aus der Wissenschaft kommen viele wichtige Impulse und Ideen, die Lösungen für gesellschaftliche Aufgaben ermöglichen, wie etwa die, sauberes Wasser für alle dauerhaft und sicher bereit zu stellen. Entscheidend ist, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in einem intensiven Dialog mit der Wirtschaft und der Zivilgesellschaft stehen. Genau das tun wir im Forschungsrahmenprogramm für Nachhaltigkeit FONA und  dazu gehört auch der Nachhaltigkeitspreis Forschung. Er bringt die richtigen Leute zusammen, damit aus den guten Ideen der Wissenschaft auch Ergebnisse für die Praxis werden.