Nadelfreies Impfen ausgezeichnet

Impfungen werden heute meist mit einer Spritze verabreicht. Künftig könnte sich das ändern: Ein vom Bundesforschungsministerium gefördertes Projekt ist für eine nadelfreie Impftechnik mit dem „Nanomedicine Award 2015“ ausgezeichnet worden.

Verabreichung des Impfstoffs mittels Nasenspray
Verabreichung des Impfstoffs mittels Nasenspray © Thinkstock/Koldunov

Regelmäßige Schutzimpfungen trainieren das Immunsystem. Trainiert wird hierbei mit abgetöteten und abgeschwächten Krankheitserregern. Je nach zugeführten Erreger produziert das Immunsystem gezielt Abwehrstoffe – sogenannte Antikörper –, ohne dabei die Krankheit zu durchleiden. Am Ende dieser „Trainingseinheit“ hat das Immunsystem gelernt, den Körper gegen unerwünschte Eindringlinge zu verteidigen – der Körper ist immun. Je nach Art des Impfstoffes besteht dieser Schutz über Jahre, bei manchen Impfstoffen vielleicht sogar das ganze Leben lang.

Nanomedicine Award

Der Nanomedicine Award wird alle zwei Jahre von der European Technology Platform on Nanomedicine und der EU-geförderten Initiative „Enabling Nanomedicine Translation“ vergeben. Er würdigt herausragende Entwicklungen der Nanotechnologie für die medizinische Anwendung zum Wohl von Patienten.
 

Unangenehme Injektion

Impfungen werden meist per Injektion verabreicht, was viele Menschen als unangenehm empfinden. Die Immunisierung per Spritze erfordert zudem einen gewissen logistischen Aufwand, da sie hohe Anforderungen an die Sterilität stellt und nur von medizinisch geschultem Personal vorgenommen werden kann. Forscher suchen deshalb seit längerem nach Möglichkeiten, „nadelfrei“ zu impfen.

Nanopartikel in die Lunge

Einen viel versprechenden neuen Weg zu diesem Ziel könnten die Ergebnisse des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Konsortiums „PeTrA“ aufzeigen. Dem Forscherteam gelang es, impfstoffbeladene Nanopartikel zu entwickeln, die mittels einer fein vernebelten Flüssigkeit in die Lunge transportiert und dort über die Schleimhaut aufgenommen werden. Ein wesentlicher Vorteil des neuen Verfahrens ist, dass der Impfstoff auf demselben Weg in den Körper gelangt wie viele Krankheitserreger – anders als bei der Verabreichung mittels einer Spritze. Das erleichtert es dem Körper, eine wirksame Immunantwort aufzubauen.

Sowohl bei Mäusen als auch in Testsystemen mit menschlichen Zellkulturen zeigte sich: Die Partikel rufen die gewünschte Immunreaktion hervor. Somit konnten erste wichtige Schritte für nadelfreie Impfsysteme innerhalb der Projektförderung erzielt werden.

Mit dem Förderprogramm „Vom Material zur Innovation“ als Teil der neuen Hightech-Strategie unterstützt das Bundesministerium für Bildung und Forschung auch weiterhin nachhaltige Materialinnovationen im Bereich „Gesundheit und Lebensqualität“.