Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT)

Mit dem NCT bringt das Bundesforschungsministerium Spitzenforschung und modernste Patientenversorgung zusammen. An jedem NCT-Standort arbeiten Forschende sowie Ärztinnen und Ärzte unter einem Dach. Das verkürzt die Wege vom Labor zum Krankenbett.

Krebsforschung
An den NCT-Standorten arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Ärztinnen und Ärzten unter einem Dach zusammen. © Adobe Stock/Catalin

Personalisierte Diagnostik und Therapie, Forschung und Patientenversorgung unter einem Dach, Ausbildung des wissenschaftlich-klinischen Nachwuchses auf Spitzenniveau: Dafür steht das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT), das von Bundesforschungsministerium gefördert wird. Das NCT ist eine langfristig angelegte Kooperation zwischen dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und exzellenter Onkologie in der Universitätsmedizin. An jedem der Standorte arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Ärztinnen und Ärzten unter einem Dach zusammen. Das verkürzt die Wege vom Labor zum Krankenbett. Davon profitieren alle Seiten.

Das NCT mit Standorten in Heidelberg und Dresden gehört zu einer der tragenden Säulen der deutschen Krebsforschung. Im Rahmen der Nationalen Dekade gegen Krebs verstärkt das BMBF diese Säulen weiter: In Berlin, Köln/Essen, Tübingen/Stuttgart-Ulm sowie Würzburg mit Erlangen, Regensburg und Augsburg werden vier neue Standorte aufgebaut. Die entsprechende Förderrichtlinie wurde im Herbst 2019 veröffentlicht. Die neuen Standorte wurden Mitte September 2020 von einer internationalen Jury ausgewählt.

Das sind die bestehenden NCT-Standorte

NCT Heidelberg

Träger: Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), Universitätsklinikum Heidelberg und Deutsche Krebshilfe in Heidelberg 

Ziel: Das Besondere am NCT ist sein umfassender, fachübergreifender Ansatz. Patienten mit Krebserkrankungen erhalten am NCT Heidelberg eine Therapie, die dem neuesten Stand des Wissens entspricht. Mediziner und Wissenschaftler vieler Disziplinen arbeiten hier Seite an Seite, um wissenschaftliche Erkenntnisse schnell in klinische Anwendungen umzusetzen. Sie alle verfolgen den Grundgedanken des NCT: Gemeinsam gegen Krebs – mit dem Menschen im Mittelpunkt.

NCT Dresden

Träger: Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, Medizinische Fakultät der Technischen Universität Dresden und Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf.

Ziel: Das NCT/UCC Dresden hat es sich zur Aufgabe gemacht, Forschung und Krankenversorgung so eng wie möglich zu verknüpfen. Damit können Krebspatienten in Dresden auf dem jeweils neuesten Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse behandelt werden, was europaweit in dieser Form nur an wenigen universitären Standorten möglich ist.

Diese NCT-Standorte sollen aufgebaut werden

NCT Berlin

Träger: Charité – Universitätsmedizin Berlin mit dem Charité Comprehensive Cancer Center (CCCC), Berliner Institut für Gesundheit (BIH), Max-Delbrück-Zentrums (MDC) für Molekulare Medizin mit dem Berliner Institut für Medizinische Systembiologie (BIMSB)

Ziel: Das NCT Berlin wird ein wegweisendes Konzept der Krebsmedizin entwickeln. Dieses soll neben den klinischen Programmen drei wesentliche Themen beinhalten:

  • die systematische Anwendung umfangreicher Präzisionsonkologie sowohl in der klinischen Praxis als auch der Forschung. Diese schließt neben Multi-Omics-Diagnostik und Tumorevolutionsstudien auch ein umfassendes Repertoire patientenabgeleiteter präklinischer Modelle, maschinelles Lernen und Single-cell Anwendungen ein.
  • die Entwicklung adoptiver T-Zell-Therapie auf präklinischer, klinischer sowie Produktionsebene unter Nutzung ausgedehnter GMP-Flächen. Neue Immuntargets können über Single-cell Technologien identifiziert werden. Zusammen mit den anderen NCT Standorten entsteht ein umfassendes nationales Netzwerk der Krebsimmuntherapie.
  • die Integration klinischer Daten mit molekularer Diagnostik und präklinischen Modellen, um individualisierte Therapieansätze zu entwickeln und digitale Gesundheitslösungen voranzubringen.

NCT Köln/Essen

Träger: Cancer Research Center Cologne Essen (CCCE) mit dem Centrum für Integrierte Onkologie (CIO) Köln und dem Westdeutschen Tumorzentrum (WTZ) Essen

Ziel: In das erweiterte NCT wird das CCCE seine international renommierten Behandlungsprogramme für Lungenkrebs, lymphatische Neoplasien, Hautkrebs, Krebs bei Kindern, Brust- und Eierstockkrebs sowie Sarkome einbringen. Diese sind eng verzahnt mit Querschnittsprogrammen zur klinischen Medikamentenentwicklung, zur Molekularpathologie und personalisierten Profilierung von Zelltod und Inflammation, zur computergestützte Krebsbiologie und zu innovativer Strahlentherapie. Das NCT Köln-Essen bietet damit ein großes Portfolio für zukünftige Forschungsprojekte.

NCT SÜDWEST (Tübingen/Stuttgart-Ulm) 

Träger: Comprehensive Cancer Center Tübingen – Stuttgart (CCC-TS) am Universitätsklinikum Tübingen und dem Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart / Comprehensive Cancer Center Ulm (CCC Ulm) am Universitätsklinikum Ulm

Ziel: Die enge Zusammenarbeit mit dem Bosch-Konzern ermöglicht es, die weltweit führende Rolle von Bosch in den Bereichen Künstliche Intelligenz (KI) und Sensorik zu nutzen, um die NCT-weite Entwicklung krebsrelevanter Diagnostika voranzutreiben. Zudem soll das einzigartige OncoCure-Programm von Bosch, welches Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Zugang zu innovativer Krebsdiagnostik und Behandlung bietet, im Rahmen des NCT auf andere Unternehmen ausgeweitet werden. Das baden-württembergische Konzept der Zentren für Personalisierte Medizin (ZPM) soll im Rahmen der NCT-Erweiterung auf ganz Deutschland ausgeweitet werden.

NCT WERA (Würzburg mit den Partnern Erlangen, Regensburg und Augsburg) 

Träger: Julius-Maximilians-Universität und Universitätsklinikum Würzburg, Comprehensive Cancer Center Mainfranken (CCC MF), Friedrich-Alexander-Universität und Universitätsklinikum Erlangen-Nürnberg, Universität und Universitätsklinikum Regensburg, Universität und Universitätsklinikum Augsburg

Ziel: Das NCT WERA beabsichtigt, große und überwiegend ländliche Regionen in Deutschland mit innovativen Therapien zu versorgen.

Historie der NCT

Der erste NCT-Standort wurde 2004 vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ), dem Universitätsklinikum Heidelberg und der Deutschen Krebshilfe in Heidelberg gegründet. Das onkologische Spitzenzentrum integriert Krebsforschung und -versorgung unter einem Dach und hat das Ziel, Krebspatientinnen und -patienten maßgeschneiderte Diagnostik und Therapie auf dem neuesten Stand der Forschung anzubieten. Dafür kooperieren Ärztinnen und Ärzte mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern im Rahmen von innovativen translationalen Studien.

2014 kündigte das Bundesforschungsministerium anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des DKFZ an, dass der Bund und das Land Baden-Württemberg den Ausbau des NCT zu einem Spitzenzentrum der individualisierten Krebsmedizin finanzieren und dafür zusätzliche Mittel bereitstellen werden.

Seit 2015 wird darüber hinaus mit Mitteln von Bund (90%) und dem Freistaat Sachsen (10%) ein zweiter Standort des NCT in Dresden aufgebaut. Träger des NCT Dresden sind das DKFZ, das Universitätsklinikum Dresden, die Medizinische Fakultät der TU Dresden und das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR). Auf dem Gelände des Universitätsklinikums ist ein neues NCT-Gebäude gebaut worden – dieses wurde am 21. September 2020 eröffnet.

In Dresden hat das BMBF im Rahmen seiner 2002 gestarteten Fördermaßnahme „Zentren für Innovationskompetenz in den Neuen Ländern (ZIK): Exzellenz schaffen – Talente sichern“ das „Nationale Zentrum für Strahlenforschung in der Onkologie – OncoRay“ gefördert. Auch dank OncoRay belegt die Dresdner Krebsforschung inzwischen einen Spitzenplatz in der deutschen Universitätslandschaft.

Gemeinsam mit dem Heidelberger Institut für Radioonkologie HIRO bildet OncoRay das Nationale Zentrum für Strahlenforschung in der Onkologie (National Center for Radiation Research in Oncology, NCRO). OncoRay ist Partner des Standorts Dresden im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK) und Partner des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) Dresden.

Gemeinsam können diese Partner große Entwicklungsprojekte und standortübergreifende Studien realisieren. Gerade auch aufgrund der hervorragenden Vernetzung kann OncoRay in der internationalen Spitzengruppe der radioonkologischen Forschung so Akzente setzen.