Neue Diagnostik offenbart Fettleber schon bei Kindern

Immer mehr Kinder sind stark übergewichtig. Mit teils dramatischen Folgen: Schon 12-Jährige leiden unter Leberschäden. Eine neue Ultraschallmethode soll schnell Klarheit bringen. Denn eine frühe Diagnose ist essentiell für eine erfolgreiche Therapie.

Ultraschall Leber
Schnelle und präzise Diagnose: Im normalen Ultraschall (links) ist nichts zu sehen. Bei der neuen Methode ist dagegen an den eingefärbten Bereichen deutlich zu erkennen, dass eine Leberfibrose vorliegt. © THED research

Die Zahlen sind alarmierend: In Deutschland haben fast zwei Millionen Kinder und Jugendliche Übergewicht. Fast die Hälfte leidet unter Adipositas – mit steigender Tendenz. Für die Gesundheit der Betroffenen ist das eine schwere Hypothek. Denn mit höherem Gewicht steigt auch das Risiko für schwerwiegende Erkrankungen. So können schon übergewichtige Kinder eine nicht-alkoholische Fettleber entwickeln. Dies kann zu Leberentzündungen und später sogar Leberkrebs führen. Umso wichtiger sind die frühzeitige Diagnose und engmaschige Beobachtung der Patientinnen und Patienten. Hier setzt ein Forschungsprojekt der Charité Berlin an. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben eine neue Ultraschallmethode entwickelt, mit deren Hilfe die Diagnostik krankhafter Veränderungen der Leber deutlich verbessert wird. Das Bundesforschungsministerium unterstützt sie dabei.

In der Klinik haben Ärztinnen und Ärzte teils mit Kindern zu tun, die unter massivem Übergewicht leiden. Um festzustellen ob die Lebern dieser Kinder bereits krankhafte Veränderungen zeigen, muss man bislang eine Probe des Lebergewebes entnehmen. „Diese invasive Methode ist schmerzhaft und mit Risiken für Blutungen verbunden“, erklärt Ingolf Sack von der Charité. „Außerdem kann sie immer nur den Zustand in einem ganz kleinen Teil der Leber abbilden.“ Auch die üblichen Ultraschallmethoden versagen bei den Betroffenen. Ein konventioneller Ultraschall liefert zwar ein komplettes Bild der Leber, sagt aber nichts über deren Struktur aus. Und das ist essentiell, denn erste krankhafte Veränderungen äußern sich zunächst durch versteiftes Gewebe.

Mit Schallwellen die Leber „berühren“

„Um die Steifigkeit der Leber zu messen, braucht man eine mechanische Berührung“, erklärt Sack. „Das ist wie bei Gemüse oder Obst. Das muss man auch erst mit den Fingern abtasten, um festzustellen, ob es weich oder hart ist.“ So wollen auch die Forscherinnen und Forscher der Charité die Leber „berühren“. Dafür schicken sie Schallwellen durch den Körper. Sie haben in die Patientenliege eine Art Lautsprechersystem integriert und mit dem Ultraschallgerät verbunden. „Der Patient spürt ein leichtes Vibrieren, so als würde man die Hand auf eine Waschmaschine im Schleudergang legen“, sagt Sack. Diese akustischen Wellen versetzen das Gewebe in Schwingungen. Je fester es ist, desto schneller laufen die Wellen hindurch. Die Wellengeschwindigkeiten lassen sich per Ultraschall messen und in so genannte Elastizitätskarten umrechnen. Sie zeigen an, ob und wo sich das Lebergewebe versteift hat.

Ein weiterer Vorteil der neuen Methode: „Wir können selbst bei stark übergewichtigen Patientinnen und Patienten die hinteren Winkel der Leber erfassen“, betont Sack. Das Verfahren könnte bald auch flächendeckend zum Einsatz kommen. Zunächst sind jedoch noch klinische Studien notwendig. Die Forscherinnen und Forscher haben ein Partner-Unternehmen ins Boot geholt, dass die Rüttel-Liege serienmäßig herstellen wird.

Aktuelle Studien an der Charité machen deutlich, wie dringend die neue Diagnose-Methode gebraucht wird: Manche der untersuchten Kinder hatten bereits eine fortgeschrittene Fibrose entwickelt. Das heißt, die Leber hat bereits begonnen sich zu vernarben. „Unsere Resultate waren teilweise erschreckend“, sagt Sack. „In einigen Fällen konnten wir bei den Kindern Verhärtungen der Leber messen, wie man sie eher bei erwachsenen Alkoholikern erwarten würde.“ Die gute Nachricht: Die Leber ist eine Überlebenskünstlerin. Wenn die Schädigungen frühzeitig erkannt werden, kann man mit der richtigen Ernährung und Bewegung gegensteuern. Im besten Fall kann sich die Leber wieder komplett regenerieren.