Neue Therapieansätze für Jugendliche mit Essanfällen

„Binge“, die englische Bezeichnung für ein Gelage, verlieh der Binge-Eating-Störung ihren Namen: Betroffene leiden unter Essanfällen. Forscherinnen und Forscher fanden Ansatzpunkte für eine neue Therapieoption, das Neurofeedback-Training.

Ähnliche Bildanordnungen wurden eingesetzt, um die Aufmerksamkeit von Jugendlichen mit BED zu untersuchen.
Ähnliche Bildanordnungen wurden eingesetzt, um die Aufmerksamkeit von Jugendlichen mit BED zu untersuchen. © LuckyBusiness_Thinkstock

Jugendliche mit BED (Binge-Eating Disorder) nehmen visuelle Lebensmittelreize aufmerksamer wahr als gesunde Personen. Dieses neue Ergebnis liefert Ansatzpunkte für ein neuropsychologisches Training, das die Selbstkontrolle der Betroffenen stärken und Essanfälle reduzieren könnte.

Depressionen und Angststörungen

Die Krankheit tritt häufig im jungen Erwachsenenalter auf, trifft aber auch Kinder und Jugendliche. Wird die Krankheit chronisch, steigt das Risiko, an Adipositas oder Diabetes mellitus Typ 2 zu erkranken. Auch die Seele leidet. Depressionen und Angststörungen sind mögliche Folgen.

Visuelle Suchaufgaben

Die der BED zugrunde liegenden Mechanismen sind weitgehend unbekannt. Forschende am "Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrum AdipositasErkrankungen" untersuchten nun, mit welcher Aufmerksamkeit Jugendliche und junge Erwachsene mit BED visuelle Lebensmittelreize wahrnehmen und ob sie sich dabei von gesunden Personen unterscheiden.

Die Jugendlichen sahen auf einem Monitor Bilder von Lebensmitteln und ähnlichen Objekten. Dabei wurden ihre Blickbewegungen mit der Eyetracking-Methode aufgezeichnet. So sahen die Forschenden, welche Punkte des Bildschirms sie wie lange fixierten. Die Ergebnisse zeigen, dass Jugendliche mit BED den Nahrungsreizen mehr Aufmerksamkeit widmeten als „ungenießbaren“ Objekten. In visuellen Suchaufgaben entdeckten sie Abbildungen von Lebensmitteln, die unter ähnlich aussehenden Objekten versteckt waren, viel schneller als Jugendliche aus der Kontrollgruppe.

Diese erhöhte Aufmerksamkeit könnte wichtige Mechanismen der Verhaltenskontrolle beeinträchtigen. Das würde ein enthemmtes Verhalten, wie es sich in den Essanfällen äußert, fördern.

Neuropsychologisches Training gegen Essanfälle

Nun soll erforscht werden, ob ein Neurofeedback-Training Essanfälle verhindern kann: Patienten verfolgen ihre Hirnaktivitäten live auf einem Monitor. Gleichzeitig sehen sie Bilder von Lebensmitteln, die bestimmte Hirnaktivitäten verändern und Essanfälle auslösen können. So sollen sie lernen, ihre Hirnaktivität gezielt zu beeinflussen, um mögliche Anfälle zu verhindern.