Neues Merian Centre wird in Tunis aufgebaut

Deutsche Universitäten und Forschungseinrichtungen bauen in Kooperation mit der Universität Tunis ein Merian Centre for Advanced Studies auf. Das BMBF fördert das internationale geistes- und sozialwissenschaftliche Forschungszentrum MECAM.

Blick über Tunis
Blick über Tunis: Dort wird das neue Forschungszentrum MECAM aufgebaut. © Adobe Stock / erichon

Die Umbrüche im Kontext des Arabischen Frühlings stellen die Gesellschaften Nordafrikas bis heute vor große Herausforderungen, die auch für Europa von Bedeutung sind. Tunesien hat sich auf den mühsamen Weg in die Demokratie gemacht und dabei erfolgreich die Weichen für einen demokratischen Rechtsstaat gestellt. Wie sehen die Modelle einer besseren Zukunft aus, um die in den Ländern des Maghreb gerungen wird? Soziale Ungleichheit, die Erfahrung von Unsicherheit und historische Vermächtnisse prägen die gegenwärtigen gesellschaftlichen Debatten in Tunesien und der Region. Auch die gravierenden ökonomischen und ökologischen Probleme und deren Einfluss auf Europa, mit denen nordafrikanische Länder kämpfen, schlagen sich in ihren Zukunftsmodellen nieder. Wie spiegeln sich Disparitäten und gesellschaftlicher Wandel im kulturellen Bereich?

Mit diesen gesellschaftspolitischen Fragen befasst sich das neue „Merian Centre for Advanced Studies in the Maghreb“ (MECAM), das an der Universität Tunis angesiedelt sein wird. Im April 2020 werden Sozial- und Geisteswissenschaftler/innen aus Deutschland gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen der Universität Tunis mit dem Aufbau des internationalen Forschungszentrums beginnen. Von deutscher Seite sind die Philipps-Universität Marburg als Koordinator, die Universität Leipzig, das German Institute of Global and Area Studies (GIGA) in Hamburg und das Forum Transregionale Studien in Berlin beteiligt. Zum regionalen Netzwerk gehören auch Casablanca und Beirut.

BMBF fördert das Kooperationsprojekt mit 1,3 Millionen Euro

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das deutsch-tunesische Kooperationsprojekt mit insgesamt 1,3 Millionen Euro zunächst in einer dreijährigen Phase zum Aufbau von Strukturen vor Ort und zur weiteren Entwicklung eines gemeinsamen Forschungsprogramms. Wird diese Planungsphase von einem externen Fachgremium gegen Ende der Förderphase positiv evaluiert, fördert das BMBF das Merian Centre bis zu neun weitere Jahre. Damit ist der Grundstein gelegt für den Aufbau eines Maghreb-Forschungszentrum von internationalem Spitzenrang.

Am Merian Centre werden Experten aus der ganzen Welt gemeinsam forschen. Das Kooperationsprojekt widmet sich mit besonderen Programmen auch der Nachwuchsförderung. Die Debatten und Ergebnisse sollen in die breite Öffentlichkeit und politischen Entscheidungsträgern vermittelt werden. Auch in Deutschland wächst damit das Wissen über den Aufbruch der Gesellschaften Nordafrikas.

Das „Merian Centre for Advanced Studies in the Maghreb“ (MECAM) ist das fünfte vom BMBF geförderte „Merian Centre for Advanced Studies in the Humanities and Social Sciences“. Merian Centren wurden bereits in Neu-Delhi/Indien, Guadalajara/Mexiko, SãoPaulo/Brasilien und Accra/Ghana eingerichtet. Indem das BMBF an den Merian Centres eine enge Zusammenarbeit ermöglicht, treibt es die Internationalisierung und Weiterentwicklung der Geistes- und Sozialwissenschaften in Deutschland voran.