Neues Wissen über Regenwald und Klimawandel

Deutschland und Brasilien feiern die Fertigstellung eines neuen Messturms im Amazonasgebiet. Er ist höher als der Eiffelturm und soll zeigen, welchen Einfluss der riesige, weitgehend unberührte Regenwald auf das Klima hat.

Der größte Forschungsturm der Welt: ATTO (Amazonian Tall Tower Observatory) steht mitten im brasilianischen Regenwald. © Kesselmeier/MPI Chemie

ATTO - so heißt der 325 Meter hohe Messturm im brasilianischen Regenwald. Ausgestattet ist er mit Geräten, die täglich Daten sammeln über diverse Treibhausgase, Aerosole und Wolkeneigenschaften. ATTO hilft, den Klimawandel besser zu verstehen. Denn der Regenwald im Amazonasgebiet ist eines der sensibelsten Ökosysteme. Als größtes zusammenhängendes Waldareal der Welt ist er ein wichtiger CO2-Speicher. Und durch seine Verdunstung hat er auch einen enormen Einfluss auf den weltweiten Wasserkreislauf.

ATTO steht für "Amazonian Tall Tower Observatory". Gefördert wird der Messturm vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und dem brasilianischen Wissenschaftsministerium. "Der höchste Forschungsturm ist ein sichtbares Zeichen für die gute Kooperation zwischen Brasilien und Deutschland", sagte Bundesforschungsministerin Johanna Wanka. Zudem sei er Ausdruck für das Engagement Deutschlands, den  Klimawandel zu bekämpfen.

Auf deutscher Seite wird das Projekt ATTO vom Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz und auf brasilianischer Seite vom Institut für Amazonasforschung (INPA) geleitet. Es ist Teil eines gemeinsam mit Brasilien finanzierten Forschungsprojekts, das vom Bundesforschungsministerium von 2010 bis 2015 mit 4,5 Millionen Euro gefördert wird.

Die Höhe des Messturms wird es erlauben, den Transport von Luftmassen und deren Veränderung durch den Wald über eine Strecke von vielen hundert Kilometern zu untersuchen. Konkretes Ziel der Wissenschaftler ist es zunächst, die Quellen und Senken von Treibhausgasen wie Kohlendioxid, Methan und Distickstoffoxid besser zu verstehen. Die Daten des Turms werden mit bodengebundenen Forschungserkenntnissen ergänzt. Geplant sind  interdisziplinäre Projekte, etwa zu Vegetation, Böden und Biodiversität.