Neutrinos kommen auf die Waage

Startschuss für KATRIN – die genaueste Neutrinowaage der Welt / Karliczek: KATRIN wird die Erkenntnisse über unser Universum entscheidend ergänzen

Heute nimmt KATRIN  – das Karlsruher Tritium Neutrino Experiment –  am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) den Betrieb auf. Dabei handelt es sich um die genaueste Neutrinowaage der Welt. Physikerinnen und Physiker wollen damit eines der größten Geheimnisse der Neutrinos entschlüsseln – ihre Masse. Damit kommen sie den Grundbausteinen des Universums auf die Spur.

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek sagt: „KATRIN ist ein Experiment der Superlative und wird die Erkenntnisse über unser Universum um ein entscheidendes Puzzleteil ergänzen. Ich gratuliere dem KIT und der Forschungskollaboration zum erfolgreichen Aufbau dieses anspruchsvollen Experiments. Gemeinsam mit Ihnen freue ich mich auf den nun anstehenden Start der Messphase und die ersten Forschungsergebnisse. Ein derartig wichtiges Experiment auf deutschem Boden stärkt den Forschungsstandort Deutschland“.

Neutrinos werden als Geisterteilchen des Universums bezeichnet, denn nur mit erheblichem Aufwand sind sie überhaupt zu messen. Während sie sich mit nahezu Lichtgeschwindigkeit durchs Weltall bewegen, hinterlassen sie so gut wie keine Spuren. Auch jegliche Materie durchdringen sie nahezu ungehindert, selbst den menschlichen Körper: 10 Mrd. Neutrinos fliegen pro Sekunde durch jeden Fingernagel. Damit sind Neutrinos das zweithäufigste Elementarteilchen im Universum und spielen zudem eine entscheidende Rolle bei der Energieproduktion der Sonne. Aus neuen Erkenntnissen über diese Teilchen können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einzigartige Informationen über Entstehungsprozesse von Galaxien und Explosionen von Riesensternen gewinnen.

Insgesamt beteiligen sich über 150 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus sechs Ländern an der Neutrinowaage KATRIN. Das Bundesforschungsministerium ist mit etwa 75 Prozent größter Geldgeber und investierte rund 50 Millionen Euro in den Bau von KATRIN. Zusätzlich fördert das Bundesforschungsministerium im Rahmen der Verbundforschung Beiträge deutscher Universitäten zum KATRIN-Experiment. Unter anderem sind auf diese Weise der weltweit größte Ultravakuumtank, ein besonders präzises Durchflussmessgerät für kalte Gase sowie die für das Experiment benötigte Messtechnik entstanden. Von dieser Hochtechnologie profitieren auch die Wirtschaft und Gesellschaft: Beispielsweise lässt sich die Technologie des Durchflussgeräts etwa für künftige Wasserstofftankstellen für Brennstoffzellenfahrzeuge nutzen.