Nicht jedes Fieber geht auf Malaria zurück

Eine Studie des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) hat seit 2014 in vier Regionen Afrikas die unterschiedlichen Ursachen von hohem Fieber untersucht. Die Studie zeigt, dass die Malaria eher selten allein kommt.

Zwei Frauen umsorgen ein Kleinkind in einer Klinik.
Nicht jedes Fieber geht auf Malaria zurück. Untersuchung vor Ort in einer Klinik in Matema, wo die „Fieberstudie“ unter anderem durchgeführt wurde. © DZIF

Malaria ist nach wie vor eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten weltweit. Besonders betroffen sind die Menschen in Afrika, wo allein 2015 fast eine halbe Million Menschen an dieser Krankheit gestorben sind. Fast 90 Prozent von ihnen sind Kinder unter fünf Jahren. Doch nicht jedes Kind, das mit Fieber in eine Klinik gebracht wird, leidet unter Malaria. Eine genauere Diagnostik ist dringend vonnöten, um auch anderen Infektionen auf die Spur zu kommen.

Malaria: Zahlen und Fakten

Malaria wird durch einzellige Parasiten der Gattung Plasmodium ausgelöst. Überträger sind die weiblichen Anophelesmücken, die den Parasiten durch einen Stich weitergeben. Die Krankheit ist durch anfallartige Schübe mit hohem Fieber gekennzeichnet. Einen wirksamen Malaria-Impfstoff gibt es derzeit noch nicht, eine Behandlung erfolgt in der Regel mit einem Antimalariamittel und einem Antibiotikum. Doch Resistenzen sind auf dem Vormarsch. Eine Prophylaxe ist möglich, wenn man sich für kürzere Zeit in Malariagebieten aufhält.

„In Afrika ist es ein großes Problem, dass die Diagnostik oft nicht ausreicht, um zielgenau zu behandeln“, erklärt Professor Jürgen May vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) in Hamburg. Seit 2012 koordiniert er die Afrikanischen Partner-Institutionen im DZIF, eine Infrastruktur, die der Zusammenarbeit mit afrikanischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern dient.

Ein erstes großes Projekt, das gemeinsam auf den Weg gebracht wurde, sollte genau hier Abhilfe schaffen: „Wir wollten die Diagnostik vor Ort verbessern und mehr über das Vorkommen der Malaria erfahren“, erklärt May das ehrgeizige Vorhaben, das an allen vier Standorten in Afrika durchgeführt wurde. „Oftmals ist es so, dass Kinder, die mit hohem Fieber in die Klinik kommen, zunächst einmal gegen Malaria behandelt werden“, berichtet er. Doch das erweist sich häufig als Irrtum, wie die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in ihrer Studie „Fieber unbekannter Ursache“ feststellen konnten. Denn mitunter stecken auch bakterielle oder virale Infektionen hinter dem Fieber; häufig erschweren sie den Kindern als Co-Infektionen das Leben.

Auf der Suche nach dem entscheidenden Auslöser

„In Ghana haben wir über 1.200 Kinder unter fünf Jahren in die Studie eingeschlossen; sie kamen im Zeitraum von einem Jahr mit hohem Fieber in ein Krankenhaus in der Ashanti-Region“, berichtet Benedikt Hogan vom BNITM. Der Wissenschaftler arbeitet seit einigen Jahren in der Tropenmedizin und pendelt mehrmals im Jahr zwischen Hamburg und Kumasi. Neben der Malaria-Mikroskopie, die in Afrika auch heute noch der Standard ist, werden die Proben der Kinder einer breiten Diagnostik unterzogen – einiges geschieht direkt vor Ort, andere Analysen werden später in Hamburg oder von Kooperationspartnern im DZIF ergänzt.

Noch sind die Auswertungen nicht ganz abgeschlossen, doch schon jetzt wird deutlich: Malaria ist hier in Ghana immer noch eine entscheidende Ursache des hohen Fiebers. Aber es zeigt sich auch, dass bakterielle Erreger wie Salmonellen, in unseren Breiten meist nur Auslöser von Magen-Darm-Infektionen, oder virale Erreger hinzukommen können. Das hatte man vorher nicht gewusst und es verdeutlicht, wie wichtig eine genauere Diagnostik für eine gezielte Behandlung ist.

„Nicht jedes Fieber geht auf Malaria zurück. Was können wir also tun? Sollen wir auf Verdacht Antibiotika geben? Wir brauchen eine bessere Diagnostik, um gezielter zu behandeln.“ Dr. Nyanda Elias Ntinginya, Director of the National Institute of Medical Research - Mbeya Medical Research Centre © DZIF

Gefährliche Viren als Auslöser nachgewiesen

Auch in Mbeya in Tansania zeigten die Analysen von Fiebererkrankungen, dass Malaria mit 40 Prozent ein Hauptauslöser bleibt. Die breite Diagnostik machte außerdem Viren sichtbar, die in dieser Region nicht vermutet wurden. „Wir haben erstmals in dieser Region das Virus nachgewiesen, das Rift-Valley-Fieber auslöst. Außerdem wurde das gefürchtete Chikungunya-Virus gefunden“, erzählt Dr. Norbert Heinrich von der Ludwig-Maximilians-Universität München. Der Wissenschaftler arbeitet seit neun Jahren in München und Mbeya. Neben Malaria sind Tuberkulose und HIV die Arbeitsschwerpunkte dieser Kooperation.

„Unser Ziel in dieser Studie ist es auch, die Behandlung mit Antibiotika eingrenzen zu können“, erklärt Heinrich. Denn in den meisten Fällen wird die Malaria heute mit einer Kombination von Antimalariamittel und Antibiotikum behandelt. Und das auch, wenn keine Bakterien vorhanden sind. Das Problem der Antibiotikaresistenzen bei falscher Anwendung wird auch in Afrika ein Problem werden, ist sich der Wissenschaftler sicher. Schon jetzt schmieden die Forscherinnen und Forscher neue Projekte, um auch dieses Problem intensiver zu bearbeiten.

Neben Diagnose und Therapie bleibt jedoch auch die Suche nach einem Impfstoff das große Ziel der Malaria-Forschung. Im DZIF wurde 2014 eine Studie mit einem neuen Impfansatz gestartet: Er basiert auf vollständig lebensfähigen, nicht abgeschwächten Malaria-Erregern, die gleichzeitig mit einem Malaria-Medikament verabreicht werden. Die Ergebnisse dieser Studie, die jüngst in Nature veröffentlicht wurden, geben Anlass zur Hoffnung: Studienteilnehmer, die den Impfstoff in hoher Dosierung erhielten, zeigten einen 100-prozentigen Impfschutz. Mehr zu diesem Thema lesen Sie hier.

Der Kampf gegen die Malaria geht weiter

In Burkina Faso ist die Fieber-Studie noch in vollem Gang, in Lambaréné in Gabun laufen die letzten Auswertungen. Neben den Studienergebnissen und den Verbesserungen vor Ort hat das Projekt dazu geführt, dass die vier Partner-Institutionen des DZIF zusammengewachsen sind, über alle Grenzen hinweg. „Der nächste Schritt wird sein, dass wir jetzt, wo wir das Erregerspektrum bei Fiebererkrankungen kennen, Schnelltests entwickeln, um die Kinder gezielter zu behandeln und zu erkennen, ob resistente Erreger beteiligt sind“, so May.

Die enorme Sammlung an klinischen Proben, die die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in den vergangenen Jahren generieren konnten, öffnet diverse Möglichkeiten für die zukünftige Forschung. Ein wichtiges Projekt ist bereits am Start: Mit Hilfe der Proben und der epidemiologischen Daten wollen sie eine einfache und schnelle Diagnostik entwickeln, die schnell zwischen Malaria und Bakterämie, das heißt Bakterien im Blut, differenzieren kann. Eine solche Methodik kann in vielen Fällen lebensrettend sein.

Im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) entwickeln bundesweit rund 500 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 35 Institutionen gemeinsam neue Ansätze zur Vorbeugung, Diagnose und Behandlung von Infektionskrankheiten. Ziel ist die sogenannte Translation: die schnelle, effektive Umsetzung von Forschungsergebnissen in die klinische Praxis. Damit bereitet das DZIF den Weg für die Entwicklung neuer Impfstoffe, Diagnostika und Medikamente gegen Infektionen.

Das DZIF wird vom BMBF und den Sitzländern der beteiligten Partnereinrichtungen gefördert. Mehr Informationen finden Sie unter www.dzif.de.