"Nichts bleibt, wie es ist!"

Arbeitsprozesse werden in Zukunft immer komplexer. "Die Anforderungen an uns alle steigen", mahnt Staatssekretär Christian Luft bei der Veranstaltung „Arbeit 4.0 präventiv gestalten“. Weiterbildung sei daher im digitalen Wandel essentiell.

Christian Luft, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, während seiner Rede
Christian Luft, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, während seiner Rede © BMBF / Hans-Joachim Rickel

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrter Herr Professor Sonntag,

sehr geehrter Herr Becker,

sehr geehrter Herr Hoffmann,

sehr geehrte Frau Dr. Reinhart,

sehr geehrte Frau Rothe,

sehr geehrte Damen und Herren,

Nichts bleibt, wie es ist!

Das ist unbequem – weil Veränderungen das Loslassen von Gedanken erfordern. Aber Veränderungen sind der Motor für Fortschritt.

Es geht uns in Deutschland so gut wie nie. Wir sind die viertstärkste Wirtschaftsnation der Welt. Und das, obwohl wir nur wenige Rohstoffe haben. Obwohl in unserem Land gerade mal ein Prozent der Weltbevölkerung lebt. Woran das liegt? An den vielen talentierten, gut ausgebildeten Menschen, die hier leben. Junge genauso wie Alte, auf dem Land genauso wie in der Stadt.

Sie sind die Ressource, auf die wir unsere Zukunft bauen. Sie machen die große Innovationskraft unserer Wirtschaft aus. In wenig anderen Ländern haben junge Menschen so gute Zukunftsaussichten wie bei uns. Europaweit haben wir mit die geringste Jugendarbeitslosigkeit. Und auch insgesamt ist die Arbeitslosenquote historisch niedrig.

Neue Herausforderungen durch Digitalisierung und Globalisierung

Ausruhen können wir uns auf diesem Erfolg nicht. Sonst verpassen wir den Anschluss. Wir alle sehen doch, wie schnell sich die Welt um uns herum verändert. Globalisierung und Digitalisierung führen dazu, dass der weltweite Wettbewerb intensiver und schneller wird.

Kaum etwas scheint noch vorhersehbar, seit Google, Apple, Amazon und Co innerhalb von nur zehn Jahren zu den wertvollsten und mächtigsten Unternehmen der Welt aufgestiegen sind.

Auf der Hannover Messe wurden Themen wie Machine Learning, Smart Grids, Blockchain oder 5G diskutiert. Die Künstliche Intelligenz steht dabei im Mittelpunkt. Die Technologie hat große Fortschritte gemacht:

Roboter können Gesichter und Stimmen erkennen. Sie greifen aus Behältern mit hunderten Schrauben und Muttern genau die Schrauben, die gebraucht werden. KI wartet Maschinen eigenständig und erkennt, wann ein Teil verschlissen ist und ausgetauscht werden muss. Digitalisierung und KI wird unser Leben verändern. Und auch die Arbeitswelt.

Wandel der Arbeitswelt

Arbeit wird in Zukunft noch stärker digital, vernetzt und flexibel sein. Arbeitsprozesse werden komplexer. Das bringt Chancen und Risiken. Die Anforderungen an uns alle steigen. Fachkräfte und Führungskräfte müssen sich immer wieder auf Neues einstellen.

Was bedeutet das genau für unsere tägliche Arbeit? Was bedeutet Digitalisierung für unsere Gesundheit am Arbeitsplatz? Wie bleiben wir gesund, motiviert und leistungsfähig unter veränderten Bedingungen?

Unternehmer, Wissenschaftler und Sozialpartner suchen darauf zusammen Antworten. So wie Sie heute hier in Berlin bei unserer Abschlussveranstaltung zu „Arbeit 4.0 präventiv gestalten“.

Arbeitswelt gestalten

Meine Damen und Herren,

Gesundheit ist ein kostbares Gut. Für jeden einzelnen von uns. Aber auch für unsere Produktivität im Betrieb, im Büro ist sie entscheidend. In diesem Sinne ist Gesundheit auch eine wichtige wirtschaftliche Ressource, die wir erhalten und stärken müssen – gerade in der Arbeitswelt von morgen. Wir brauchen eine gute Prävention und eine gute betriebliche Gesundheitsförderung, um arbeitsfähig zu bleiben.

Wachsender Termindruck, eine Flut von E-Mails, ständige Erreichbarkeit am Smartphone, Transparenz der Arbeitsabläufe – Viele Arbeitnehmer fühlen sich heute einfach nur müde und gestresst. Die Krankenkassen melden eine Zunahme psychischer Krankheiten.

Dabei bringt der Wandel viele Chancen:

Digitale Hilfsmittel entlasten viele Menschen, oft auch körperlich. In einer Studie der BKK sagten fast die Hälfte der Befragten, dass sie nun Aufgaben schneller erledigen und leichter an mehreren Aufträgen gleichzeitig arbeiten könnten. Vor allem hilft die Digitalisierung, dass wir flexibler sind, wann und wo wir arbeiten. Eltern können früher nach Hause gehen und ihren Kindern noch eine Gutenachtgeschichte vorlesen – und danach ihren Laptop wieder aufklappen und weiterarbeiten. Gerade in einer älter und vielfältiger werdenden Gesellschaft ist das wichtig. Denken wir nur an die Inklusion und an die vielen Chancen, die die neuen Technologien für Menschen mit einer Lernbehinderung oder körperlichen Behinderung bieten.

Diese Chancen zu entdecken, darum ging es uns, als wir 2014 unseren Förderschwerpunkt „Arbeit 4.0 präventiv gestalten“ gestartet haben. Wir wollen Unternehmen und Beschäftige begleiten und zeigen, welches Potenzial für sichere und gesunde Arbeit in den neuen Technologien steckt, für:

  • Personalentwicklung,
  • Arbeitsgestaltung,
  • neue Arbeitsformen
  • und Assistenzsysteme.

Sie alle hier sind Experten auf diesem Gebiet, sowohl in der Forschung, als auch in der Praxis. Sie alle wissen, dass wir erfolgreich waren, gerade weil die 30 beteiligten Projekte so vielfältig sind.

Ich denke etwa an „Stress-Rekord“, ein Spiel, serious Game, bei dem es darum geht, Führungskräften in der ambulanten Pflege ein Verständnis für die Belastungen ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu vermitteln.

Oder an „Digi-Exist“, einem onlinebasierten Gesundheitsprogramm, dass die Beschäftigen junger Unternehmen dafür sensibilisiert, wie wichtig ihre Gesundheit für den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens ist. Die Erkenntnisse sind von großem Nutzen. Sie fließen in Vorträge und in die Lehre ein. Checklisten, Apps und Leitfäden für Unternehmen und ihre Mitarbeiter werden entwickelt.

Es ist dieser Transfer, der mir besonders wichtig ist – gerade wenn es darum geht, kleine und mittlere Unternehmen zu unterstützen und mit dem nötigen Know-How auszustatten. Die KMUs sind das Rückgrat unserer Wirtschaft. Sie brauchen unsere besondere Aufmerksamkeit. Häufig fehlen ihnen die Möglichkeiten für ein modernes HumanResource- und Gesundheitsmanagement. Doch gerade für sie ist es wichtig, die Arbeit so zu gestalten, dass sie ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern.

Weiterbildung

Sehr geehrte Damen und Herren,

Arbeitsmarktforscher schätzen, dass bis 2025 1,3 Millionen Arbeitsplätze wegfallen. Im gleichen Zeitraum sollen aber 2,1 Millionen neue Arbeitsplätze entstehen.

Die Arbeit geht uns also nicht aus. Es entstehen neue Arbeitsplätze mit anderen, höheren Anforderungen. Alle Arbeitsplätze und Berufe werden sich verändern.

Sich neuen Anforderungen stellen zu können – dafür möchten wir die Menschen fit machen. Ich weiß: Neues zu lernen, kann anstrengend sein, aber es lohnt sich. Im digitalen Wandel ist Weiterbildung essentiell. Gerade angesichts des Fachkräftemangels.

Mittlerweile ist der Fachkräftemangel zu einer Gefahr für den Wohlstand in unserm Land geworden. Der Mangel an qualifizierten Menschen wächst aktuell zur Wachstumsbremse für unser Land an. Auch darum entwickeln wir gemeinsam mit den zuständigen Partnern eine Nationale Weiterbildungsstrategie. Wir wollen, dass sich Hochschulen, Unternehmen und Kammern zusammentun und gemeinsam Weiterbildungskonzepte entwickeln.

Und nur, wer zumindest ein Grundverständnis hat von den neuen Technologien, nur wer digital mündig ist, kann sich einbringen, mitmachen, ist für den Arbeitsmarkt gerüstet.

Darum investieren wir in Bildung und Forschung. Und darum dürfen wir daran nicht sparen! Gerade in Zeiten knapper werdenden Kassen ist es entscheidend, Prioritäten zu setzen - Prioritäten in Innovation, Forschung und Bildung. Prioritäten in Zukunftsinvestitionen. So können wir Wissen für die Zukunft schaffen. So können wir den Transfer in vielfältige Anwendungen steigern. So können wir die besten Talente aus dem In- und Ausland gewinnen. So können wir unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fit machen für die anspruchsvollen Aufgaben der digitalen Revolution.

Wir setzen auf die Menschen.

Auf die Talente in unserem Land. Dabei brauchen wir jeden. Keiner darf zurückbleiben. Lernen, die Chancen der Digitalisierung zu nutzen – darum geht es. Dabei möchten wir die Menschen unterstützen. Jeden Einzelnen auf unterschiedliche Art und Weise: Schüler, Auszubildende, Studierende, Arbeitnehmer, Unternehmer, Rentner.

Denn das Leben eines jeden Einzelnen ändert sich durch die Digitalisierung.

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin überzeugt, auch bei der Arbeit von morgen gilt: Die Technik muss dem Menschen dienen. Wir sind es, die die Arbeit gestalten, nicht umgekehrt.
Der Mensch steht im Mittelpunkt. Denn Arbeit ist mehr als bloßes Geldverdienen, sie schafft Wertschätzung, bringt soziale Kontakte, Erfüllung.

Lassen Sie uns gemeinsam die Menschen befähigen, fit für die Anforderungen der Zukunft zu sein.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen heute spannende Diskussionen.

Herzlichen Dank.