Opioide: Bald schmerzfrei ohne Nebenwirkungen?

Einige Schmerzmittel, die längere Zeit eingenommen werden, haben starke Nebenwirkungen – und das oft über die Einnahme der Medikamente hinaus. Im Validierungsprojekt NAMPAR wurde ein Schmerzmittel überprüft, das ohne diese Nebenwirkungen auskommt.

Im Projekt NAMPAR wurde ein Schmerzmittel überprüft, das keine Nebenwirkungen hervorruft. © Thinkstock/Fuse

Opioide sind das Mittel der Wahl bei starken Schmerzen. Doch werden diese über einen längeren Zeitraum eingenommen, kommt es häufige zu Nebenwirkungen wie Abhängigkeit, Müdigkeit, Übelkeit – und schlimmstenfalls zum Atemstillstand. Besonders Opioid-Abhängigkeiten können bei einer Falsch- oder Überdosierung zum Tod führen. Im Projekt NAMPAR, das vom Bundesforschungsministerium geförderte wurde, haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Berliner Charité und Konrad-Zuse-Zentrums für Informationstechnikneue Wirkstoffe bestätigt, die diese üblichen Nebenwirkungen nicht hervorrufen. Mit den Wirkstoffen, die sie anhand innovativer Computersimulationen identifizierten, lassen sich Schmerzen gezielt behandeln. Denn diese wirken nur im vom Schmerz betroffenen Gewebe und nicht im gesamten Organismus – wodurch die Nebenwirkungen der Opioide ausbleiben.

Neuartiger Wirkstoff könnte klassische Opioide überflüssig machen

Die neuen Wirkstoffe sollen jetzt in klinischen Tests am Menschen erprobt werden. Bei einem Erfolg könnte ein großer Teil der Bevölkerung von akuten und chronischen Schmerzen befreit werden – ohne die negativen Konsequenzen. „In Zukunft können wir Nebenwirkungen, vor allem Abhängigkeiten von Schmerzmitteln und damit verbundene Todesfälle durch Missbrauch, möglicherweise deutlich eindämmen“, sagt Projektleiter Christoph Stein, Direktor der Klinik für Anästhesiologie an der Charité. „Dank der VIP Förderung durch das Bundesforschungsministerium ist es uns gelungenen, einen absolut neuartigen, vielversprechenden Wirkstoff präklinisch zu validieren, der vielleicht schon bald klassische Opioide in der Schmerztherapie und Anästhesie überflüssig macht“, so Stein.

Damit es das Schmerzmittel schnell auf den Markt schafft, unterstützt das Bundesforschungsministerium die Wissenschaftler mit der Fördermaßnahme "Validierung des technologischen und gesellschaftlichen Innovationspotenzials wissenschaftlicher Forschung - VIP+". Die Charité und das Konrad-Zuse-Zentrum für Informationstechnik haben den Wirkmechanismus patentiert und mit der Verwertung der Wirkstoffkandidaten begonnen.

Validierungsförderung

Mit der neuen Hightech-Strategie "Innovationen für Deutschland" hat sich die Bundesregierung das Ziel gesetzt, Ideen aus der Forschung noch schneller in innovative Produkte, Dienstleistungen und Innovationen für die Gesellschaft zu überführen. Die Fördermaßnahme "Validierung des technologischen und gesellschaftlichen Innovationspotenzials wissenschaftlicher Forschung - VIP+" setzt hier an und unterstützt Forscherinnen und Forscher dabei, Forschungsergebnisse systematisch zu validieren und Anwendungsbereiche zu erschließen.