Palestinian-German Science Bridge PGSB

Rede des Parlamentarischen Staatssekretärs bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Thomas Rachel, MdB anlässlich der Eröffnungsveranstaltung des Pilotprojektes Palestinian-German Science Bridge PGSB.

Es gilt das gesprochene Wort!

Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung
Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung © Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich freue mich sehr, heute hier bei Ihnen im Forschungszentrum Jülich zu sprechen. Denn der heutige Anlass ist mir ein ganz besonderes persönliches Anliegen.

Gemeinsam mit Ihnen möchte ich den Start eines zukunftsweisenden bilateralen Kooperationsprogrammes feiern ► die Palestinian-German Science Bridge“:

Wofür steht „Palestinian-German Science Bridge”?

Mit dem symbolischen Namen („Science Bridge“) wollen wir palästinensischen Studierenden und Doktoranden und Doktorandinnen die einzigartige Möglichkeit bieten, Forschungsprojekte im Rahmen von Gastaufenthalten am Forschungszentrum Jülich durchzuführen.

Das Forschungszentrum bietet ihnen hierzu ein Arbeitsumfeld

  • mit modernster Ausstattung,
  • exzellenten Wissenschaftlern
  • aus vielen Disziplinen an einem Ort,
  • weltweiten Kontakten
  • sowie die Möglichkeit, Grundlagen- oder angewandte Forschung an vorderster Front hautnah mitzuerleben und selbst zur deren Weiterentwicklung beizutragen.

Dabei sind die Maßnahmen des Programms so angelegt, dass sie den Aufbau langfristiger Kooperationen mit Forscherinnen und Forschern aus Jülich und darüber hinaus mit deren weltweitem Kooperationsnetzwerk fördern.

Die deutsche Seite gewinnt durch die „Palestinian-German Science Bridge“ hervorragend ausgebildete Masterstudierende und Doktorandinnen und Doktoranden, die uns auf Zeit ihr Know-how und ihre Kreativität schenken.

Für die palästinensischen Absolventinnen und Absolventen eröffnen sich die Möglichkeiten eines Forschungsaufenthalts an einer wissenschaftlichen Einrichtung mit dem weltweit exzellenten Ruf dieses Forschungszentrums – insbesondere mit einem deutschen Promotionsabschluss. Damit eröffnen sich vielfältige und attraktive Karrierechancen.

Schließlich schafft das Programm wichtige Voraussetzungen für die Entwicklung von Forschungsinfrastruktur in Palästina durch die Ausbildung qualifizierter Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler, die beispielsweise für den Aufbau eigener Promotionsstudiengänge oder eines nationalen Forschungs- und Technologieservicezentrums gebraucht werden.

Neues Programm baut auf bisheriger Kooperation mit PSE auf

Das neue Programm ist Ergebnis eines längeren Kooperationsprozesses:

Voraus ging zum einen die jahrelange unermüdliche Initiative und Aufbauarbeit der Jülicher Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler -  stellvertretend nenne ich hier Prof. Dr. Ghaleb Natour, (in Palästina geborener und in Deutschland ausgebildeter und promovierter Physiker, heute Institutsdirektor am FZJ).

Lieber Herr Prof. Natour, ich möchte diese Gelegenheit nutzen, um Ihnen und Ihren engagierten Kolleginnen und Kollegen meinen größten Respekt und meinen herzlichsten Dank für Ihre großartige Aufbauarbeit für die deutsch-palästinensische Kooperation auszusprechen.

Seit 2011 sind kontinuierlich Kontakte zwischen deutschen und palästinensischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aufgebaut worden, haben zahlreiche gegenseitige Besuche und Workshops in Palästina und Deutschland stattgefunden. So wurde systematisch ein nationales und internationales Netzwerk geschaffen.

Und es hat auch bereits erfolgreiche Ansätze für den Austausch von wissenschaftlichen Nachwuchs gegeben: Im Rahmen von Forschungsaufenthalten sind bereits 5 Master- und 3 Doktorarbeiten am Forschungszentrum Jülich abgeschlossen worden.

Neben diesen Aktivitäten, die durch die Wissenschaftsgemeinschaft selbst getragen wurden, haben wir auch auf Regierungsebene erfolgreiche Arbeit geleistet:

Mit der Unterzeichnung eines Memorandums of Understanding durch Bundesministerin Wanka und ihrem Amtskollegen im März 2014 haben wir einen verlässlichen Rahmen für Forschungs- und Wissenschaftskooperationen zwischen Deutschland und Palästina geschaffen.

Stärkung der Forschungs- und Innovationssysteme in Entwicklungs- und Schwellenländern

Grundlage für unsere Zusammenarbeit mit unseren palästinensischen Partnern ist die Internationalisierungsstrategie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Ein zentrales Ziel der internationalen Kooperation ist es, in Entwicklungs- und Schwellenländern zur Kapazitätsentwicklung beizutragen und somit die dortigen Forschungs- und Innovationssysteme zu stärken.

Mit unseren Aktivitäten sollen dauerhaft Kapazitäten auch in Palästina aufgebaut werden – dafür bedarf es vieler gut ausgebildeter und hoch qualifizierter Forscherinnen und Forscher und eines systematischen Programms, das dort hin führt.

Am Forschungszentrum Jülich werden die Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler mit einer State- of- the- Art- Ausstattung (equipment) forschen. Das ermöglicht ihnen neben der persönlichen wissenschaftlichen Weiterentwicklung, ihre gewonnenen Kompetenzen in die Heimat zu übertragen und damit z.B. auch, später eigene Forschungsgruppen zu etablieren,  Promotionsstudiengänge aufzubauen und damit dazu beitragen, Forschungsinfrastrukturen in Palästina aufzubauen.

Das Förderprogramm „Palestinian-German Science Bridge“ führt also, wenn alles optimal läuft, langfristig zum Aufbau von Forschergruppen vor Ort. Damit  besteht die große Chance, die Forschungsinfrastruktur an palästinensischen Universitäten langfristig und nachhaltig aufzubauen und zu entwickeln.

Wissenschaft, Forschung und Innovation müssen dazu beitragen, jungen Menschen Karriereperspektiven zu eröffnen – in Bildung und Forschung oder in der Wirtschaft. Unsere Kooperation eröffnet klugen jungen Menschen Chancen auf Einkommen, erfüllende Tätigkeiten und langfristige Perspektiven. Sie macht es attraktiv, im eigenen Land zur Gestaltung der Zukunft beizutragen.

Science Diplomacy und kulturelle Brücken

Wissenschaftliche Kooperation und das gemeinsame Forschen dienen der Lösung drängender gesellschaftlicher und technischer Herausforderungen. Darüber hinaus schaffen sie auf der Basis gemeinsamen Interesses Austausch, Dialog und Vertrauen und tragen so dazu bei, Brücken zwischen unseren Gesellschaften zu bauen.

Internationale Wissenschaftszusammenarbeit ist Diplomatie; und Wissenschaftsdiplomatie wird in angespannten Zeiten immer bedeutender, um die Verständigung zwischen den Völkern zu sichern.

Mit der Zusammenarbeit in einem bilateralen Programm wie der „Science Bridge“ werden auf beiden Seiten Grundlagen geschaffen und Kapazitäten entwickelt für künftige Kooperationspartner - nicht nur in den Palästinensischen Gebieten, sondern auch im weiteren arabischen Raum. Das führt zu einer Erweiterung der wissenschaftlichen und kulturellen Vielfalt auf beiden Seiten.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung leistet mit seinen Aktivitäten zudem einen Beitrag zur Verfolgung der 2 - Staaten Lösung.

Erst kürzlich, Ende Oktober diesen Jahres, haben sich die palästinensische und deutsche Seite zu Regierungskonsultationen in Berlin getroffen und ihre Absicht bekräftigt, diesen politischen Lösungsweg weiter zu verfolgen. In diesem Rahmen hatte ich die Freude, mit dem palästinensischen. Bildungsminister Dr. Sabri Saidam weitere gemeinsame Aktivitäten zu vereinbaren, so auch eine neue bilaterale Bekanntmachung, die wir 2017 veröffentlichen wollen.

Konzentration auf junge Nachwuchswissenschaftler/innen als Hoffnungsträger der Region

Nicht von ungefähr soll das gemeinsame Programm „Science Bridge“ insbesondere den wissenschaftlichen Nachwuchs in Palästina fördern: Junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Studierende, Doktoranden und Auszubildende sind für innovative Ideen sowie das Weitertragen des Wissens in die Zukunft von besonderer Bedeutung. Sie sind die Hoffnungsträger der Region.

Palästinensische Studierende zeichnen sich, wie bereits erwähnt – im Vergleich zu den Nachbarländern - durch einen hohen Bildungsstandard aus. Dies ist eine exzellente Voraussetzung für die bilaterale und internationale Zusammenarbeit in Bildung und Forschung.

Das neue Programm zielt darauf, die Bildungswege von Master- und Doktoranden zu vollenden und exzellenten wissenschaftlichen Nachwuchs hervorzubringen. Damit legt es den Schwerpunkt auf eines der dringendsten Bedürfnisse für die zukunftsfähige Entwicklung der palästinensischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen.

Ausblick

Ich bin zuversichtlich, dass das gemeinsame Forschungs- und Doktorandenprogramm des Forschungszentrums Jülich mit der Palestine Academy for Science and Technology (PALAST) und den palästinensischen Universitäten ein erfolgreiches Leuchtturmprojekt sein wird und Modellcharakter für zukünftige Kooperationen mit den Ländern der Region Nordafrika-Nahost hat.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das Programm für fünf Jahre mit 2,5 Millionen Euro.

Ich wünsche Ihnen, den deutschen und palästinensischen Partnern, viel Erfolg und eine fruchtbare und erfreuliche Zusammenarbeit!