Photonik-Akademie 2019: Innovationen im Fokus

Die Studentin Julia Geiser hat eine Woche lang mit anderen Studierenden eine neue Produktidee im Bereich Photonik entwickelt. Was sie durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit gelernt hat, berichtet sie im Interview auf bmbf.de.

Das Team mit Julia Geiser. © Lichtwerkstatt Jena

Frau Geiser, war Ihnen Open Innovation schon vor der Photonik-Akademie 2019 ein Begriff?

An der Universität habe ich mich im Modul Produktionstechnik und Fertigungstechnik bereits mit Innovationsprozessen beschäftigt. Wir haben praxisorientierte Aufgabenstellungen erhalten und auf dieser Basis eigene Ideen entwickelt und in der Fertigung umgesetzt. Den Begriff Open Innovation habe ich aber erst während der Photonik-Akademie kennengelernt.

Mit welchen Erwartungen sind Sie in die Praxiswoche gestartet?
Ich wollte meinen Horizont erweitern, mein Wissen und vor allem mein Verständnis durch praktische Tätigkeiten, durch Unternehmensbesichtigungen, durch Vorträge, durch den Austausch mit Studenten erweitern. Jena ist ein herausgehobener Standort in Bezug auf Photonik und Optik, deshalb war ich sehr interessiert daran, was uns die Spezialisten aus den dort ansässigen Unternehmen und Instituten zum aktuellen Stand der Wissenschaft am Standort Jena vermitteln würden. Das Netzwerken war mir auch wichtig: neue Leute kennenlernen, erfahren, wie es an anderen Universitäten, an anderen Instituten läuft, wie andere Studenten äquivalente oder ähnliche Fächer lernen.

Was war im Innovation Camp für Sie die größte Herausforderung?

Kognitiv dabeizubleiben, denn ich war die einzige Nicht-Physikerin im Team. Für die Physiker waren die Sachverhalte im Bereich Optik sehr viel klarer. Ich wollte das natürlich genauso verstehen, obwohl ich weniger Vorwissen habe, deswegen habe ich immer nachgefragt. Meine Teamkollegen haben mir alles ausgiebig erklärt. Dies ermöglichte es mir, mich aktiv an der Entwicklung zu beteiligen und zu verstehen, was geht, was passiert, um wichtige Tipps oder Ideen beizutragen. Und das war super in der Gruppe, jeder hat seinen Teil beigetragen. Dadurch öffnen sich so viele verschiedene Blickrichtungen, die man nicht hat, wenn man alleine ein Paper liest.

Studentin Julia Geiser hat eine Woche lang mit anderen Studierenden eine neue Produktidee im Bereich Photonik entwickelt. © Tanita Renn

Wie war es, an aktuellen, anwendungsbezogenen Fragestellungen aus der Industrie zu arbeiten?

Meine Gruppe hat die Fragestellung des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Optik und Feinmechanik bearbeitet, wir sollten einen Aufbau für eine 3D-Sensorik, also eine Kamera, die ein 3D-Bild aufnimmt, verbessern. Die Fragestellung war super, weil sie offen war und wir experimentieren konnten. Wir hatten den Versuchsaufbau, den wir modifizieren konnten, wir haben mit der Software und der Hardware gespielt und auch noch selbst entwickelt.

Es war physikalisch anspruchsvoll, da konnten die Physiker sich austoben. Aber es gab auch essenzielle produktionsorientierte Aufgaben, wie Bauteile mittels einer Software zu entwickeln und mit dem 3D-Drucker herzustellen. So habe ich mich an der Herstellung des Prototyps eingebracht. Die Kombination war in unserem Team und in unserer Fragestellung super.

Stichwort Nicht-Physikerin: Wie konnten Sie Ihre Expertise einbringen?

Ich denke, dass ich neben den produktionstechnischen Aufgaben viel zum Kommunikationsmanagement beigetragen habe. Dabei habe ich mir zum Ziel gesetzt, unsere Gruppe zusammenzubringen, zu organisieren. So habe ich zu Beginn die einzelnen Schritte für die Bedienung unserer Software dokumentiert. Es war ja so, dass wir uns die Arbeit aufgeteilt haben und der eine an diesem und der andere an jenem Aspekt gearbeitet hat. Ich mich immer bei meinen Gruppenmitgliedern erkundigt, ob ich Aufgaben übernehmen kann.

Zudem war ich darauf bedacht, Informationen zwischen den Mitgliedern zu übermitteln, zum Beispiel zwischen denen, die im Labor an den Ergebnissen feilen und dem, der am Vortrag bastelt. Oder wenn es darum ging, bei Fragen unseren Betreuer am Fraunhofer IOF zu kontaktieren. Im Lehramtsstudium lernt man, eine Gruppe zusammenzuhalten und als Einheit voranzubringen. Das hat bei uns super funktioniert.

Hat Sie das Innovation Camp beruflich inspiriert?

Was mich sehr begeistert hat, ist, dass es die Workshop- und Innovation-Camp-Formate der Lichtwerkstatt Jena auch für die Schule gibt. Ich könnte mir vorstellen, das mit Schülern zu machen. Bei einem Start-up einzusteigen, um meine Expertise in Technikpädagogik einzubringen, das könnte ich mir auf jeden Fall vorstellen.

Was nehmen Sie aus dieser Praxiswoche noch mit für Ihr Studium und Ihren künftigen Beruf?

Auf jeden Fall die Freude an der Physik. Auch dass man immer offen auf Menschen zugehen sollte, um Antworten auf seine Fragen zu bekommen. Dieses lösungsorientierte Denken habe ich verfeinert – und dass man sich schwierigen Fragestellungen nähern kann. Was das angeht, hat mich diese positive Erfahrung, der wertschätzende und respektvolle Umgang in der Gruppe, in meiner Herangehensweise bestärkt und zusätzlich motiviert. Ich habe mit Leuten zusammengearbeitet, die im Bereich Physik mehr wissen als ich. Das hat mich sehr bereichert und mir gezeigt, dass sie Menschen sind, die an Lösungen arbeiten – und das kann ich auch.

Die Photonik-Akademie

Die Photonik-Akademie ist Teil des Photonik Campus Deutschland – der gemeinsamen Nachwuchsinitiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, der deutschen Photonik-Branche sowie den Branchenverbänden VDMA, ZVEI und SPECTARIS.
Ziel der Photonik-Akademie ist es, gut ausgebildeten Nachwuchs auf die Schlüsseltechnologien zur Nutzung von Licht aufmerksam zu machen und ihn nachhaltig für die Photonik zu gewinnen. Denn die Hightech-Branche mit einer jährlichen Inlandsproduktion von 37 Milliarden Euro und einem überdurchschnittlichem Wachstum von rund sechs Prozent pro Jahr braucht gut ausgebildeten Nachwuchs, damit sie auch weiterhin internationale Spitzenplätze belegen kann.
Bei der Photonik Akademie 2019 vom 21. bis 26. Juli 2019 an der Lichtwerkstatt in Jena hatten Studierende der Natur- und Ingenieurwissenschaften die Möglichkeit, einen exklusiven Einblick in den Themenbereich Open Innovation zu gewinnen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer besuchten namhafte Unternehmen und Institute der Branche, sprachen mit führenden Forschenden und erhielten einen Überblick über den Open-Innovation-Ansatz am Beispiel der Schlüsseltechnologie Photonik. Im Innovation Camp entwickelten sie Ideen, setzten sie prototypisch um und präsentierten sie abschließend vor einer Fachjury aus Vertretern der Partnerunternehmen.