Plastikmüll treibt sogar schon in der Arktis

Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Institutes haben herausgefunden, dass Plastikmüll inzwischen auch in der Arktis treibt. „Diese Entwicklung muss gestoppt werden“, sagte Bundesforschungsministerin Johanna Wanka zu den Ergebnissen der neuen Studie.

Der Forschungseisbrecher "Polarstern" © Stefanie Arndt

Der Plastikmüll im Meer breitet sich immer weiter aus. Auch in der Arktis haben Forscherinnen und Forscher vom Alfred-Wegener-Institut nun Müll auf der Meeresoberfläche und am Grund gefunden. Die während einer Expedition mit dem Forschungseisbrecher „Polarstern“ in der Framstraße zwischen Grönland und Spitzbergen gesammelten Daten haben die Wissenschaftler jetzt in einem Artikel in der Fachzeitschrift Polar Biology veröffentlicht.

Die AWI-Biologin Melanie Bergmann und ihr Team vermuten, dass der Plastikmüll in der Framstraße aus einem neuen Müllstrudel stammen könnte, der sich Computermodellen zufolge seit einigen Jahren in der Barentssee nördlich Norwegens und Russlands bildet – das wäre der sechste Müllstrudel, der auf unseren Ozeanen treibt. Derzeit gibt es fünf sogenannte "Garbage Patches", Müllteppiche. Der größte von ihnen befindet sich im Pazifik.

"Die Reise des deutschen Forschungseisbrechers „Polarstern“ in der Arktis hat gezeigt, dass sich der Plastikmüll bis dorthin ausgebreitet hat. Diese Entwicklung muss gestoppt werden. Deshalb haben wir mit den G7-Forschungsministern ein Aktionsprogramm gegen die Vermüllung der Meere beschlossen. Wir brauchen endlich eine gesicherte und vergleichbare Datenlage, verlässliche Aussagen zu den Auswirkungen auf die marinen Ökosysteme und die Gesundheit des Menschen und wie Plastikmüll vermieden sowie am besten aus der Umwelt beseitigt werden kann. Plastik gehört nicht in unsere Umwelt."

Johanna Wanka, Bundesforschungsministerin

Vermessung von Plastikmüll in der Arktis im Forschungsgebiet 'Hausgarten'
Vermessung von Plastikmüll in der Arktis im Forschungsgebiet "Hausgarten" © Melanie Bergmann, Alfred-Wegener-Institut

In einer früheren Studie hatte Melanie Bergmann Fotoaufnahmen vom arktischen Meeresboden nach Plastik-, Glas- und anderen Abfallresten durchsucht. Dabei stellte sie fest, dass in der Tiefsee die Müllmenge in den vergangen Jahren zugenommen hat. Sie hat durch eine Langzeitbeobachtung herausgefunden, dass sich die Menge an Plastikmüll auf dem Meeresgrund ihres Forschungsgebiets „Hausgarten“ zwischen 2002 und 2011 verdoppelt hat. Sie hat jährlich 800 Aufnahmen der arktischen Tiefsee gemacht und miteinander verglichen. Die Folgen dieser Vermüllung sind bedenklich: „Mikroplastik ist so klein, dass die Teilchen sehr gut von Fischen und anderen Meeresbewohnern aufgenommen werden können. Bisher konnte in 172 Tierarten Mikroplastik nachgewiesen werden“, sagt Bergmann.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt die Forschung zum Plastikmüll im Meer mit der europaweiten Forschungsinitiative JPI Oceans. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus zehn europäischen Ländern wollen gemeinsam die Dimension des Plastikproblems erforschen. Unter anderem wollen die Wissenschaftler erreichen, dass Messmethoden für die Menge des Plastiks im Meer standardisiert werden.

Derzeit hat jedes Land ein eigenes Verfahren, die Menge des im Meer treibenden Plastiks zu beziffern. „Die Förderung des Bundesforschungsministeriums hilft uns dabei, über Ländergrenzen hinweg mit anderen Forschern zusammenzuarbeiten. Gerade bei der dringend erforderlichen Standardisierung der Messmethoden und Validation bereits gesammelter Ergebnisse ist es immens wichtig, dass sich viele Institute beteiligen, um sowohl auf nationaler als auch internationaler Ebene einheitliche Methoden entwickeln zu können. Und diese brauchen wir dringend, wenn wir die Verbreitung von Mikroplastik erfassen wollen“, sagte Melanie Bergmann gegenüber dem BMBF.

Die Verschmutzung der Weltmeere durch Plastikmüll © BMBF