Präsentation der Afrika-Strategie des BMBF

Rede der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Prof. Dr. Johanna Wanka, am 20. Juni 2014 in Berlin

Prof. Dr. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung
Prof. Dr. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung © Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Es gilt das gesprochene Wort!

Anrede

„Bildung ist die mächtigste Waffe, um die Welt zu verändern.“ – Mit diesem Zitat von Nelson Mandela nach seiner Nominierung für den Friedensnobelpreis 1993 möchte ich Sie zur Abschlussveranstaltung der Afrika-Tage des Bundesministeriums für Bildung und Forschung sehr herzlich willkommen heißen. Bildung und Forschung sind nicht nur der Schlüssel zur Lösung vieler Probleme der Menschheit, sie sind auch die Grundlage für Fortschritt und Weiterentwicklung. Das hat Nelson Mandela völlig richtig erkannt.

Ich bin der festen Überzeugung, dass wir nur durch eine intensivere Zusammenarbeit der internationalen Akteure in Wissenschaft und Forschung, Politik und Wirtschaft und durch die Einbindung unserer gemeinsamen Kompetenzen in internationale Wissensnetzwerke schneller zu zuverlässigen Ergebnissen und konkreten Lösungen gelangen, die die Voraussetzungen für eine wirksame und konsistente Politik in Zeiten fortschreitender Globalisierung sind.

Wir haben jetzt mit der Afrika-Strategie der Bundesregierung einen Orientierungsrahmen nach innen – für diejenigen, die sich hier im Land für dieses Thema interessieren und engagieren – in den Forschungsorganisationen, in den Mittlerorganisationen –, aber auch für Studierende. Und wir haben einen Orientierungsrahmen nach außen und damit auch eine ganz andere Kommunikationsmöglichkeit für das, was uns interessiert.

Es geht in dieser neuen praktischen Akzentuierung darum, dass es ein Paradigmenwechsel ist und nicht darum, dass wir – wie jetzt im Rahmen der Entwicklungshilfe – unterstützen wollen. Es geht um gemeinsame Forschungsschwerpunkte, die gemeinsam erarbeitet werden. Auf der Basis gemeinsamer Themen für Forschung wollen wir Win-win-Situationen für beide Partner erreichen.

Heute haben wir eine ganz andere Situation als noch vor 20 oder 30 Jahren. Auch der afrikanische Kontinent hat sich weiterentwickelt. Man hat sich das Ziel gesetzt, ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Forschung und Entwicklung auszugeben. Davon ist man noch ein ganzes Stück entfernt. Trotzdem gibt es in vielen Staaten kontinuierliche Entwicklungen. Was heute an Know-how und auch an Humanressourcen für Forschung vorhanden ist, ist auch interessant für Wissenschaftler aus Deutschland, um auf Augenhöhe Kooperationen einzugehen.

Wir möchten dabei auch erreichen, dass nach Deutschland gekommene afrikanische Studierende und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Anreize haben, auch wieder in ihren Heimatländern tätig sein zu wollen. Das ist ein Punkt, der für uns gemeinsam sehr wichtig ist.

Die Schwerpunkte, auf die wir uns in der Forschung konzentrieren wollen, sind gemeinsam gefunden worden: Das ist der Bereich Umwelt, das ist der Bereich Landnutzung/Wasserwirtschaft und der gesamte Bereich der Gesundheit. Bioökonomie ist neu dazu gekommen, und relativ neu ist auch der Bereich Ressourcenmanagement. Jeder weiß, dass Afrika Bodenschätze unterschiedlichster Art hat, und dass viele Nationen auf der Welt ein Interesse haben, daran zu partizipieren.

Unser gemeinsames Ziel in Afrika muss sein, dass wir uns mit unserem Know-how auch daran beteiligen – aber eben nicht ausbeuterisch: Wie kann man diese Rohstoffe entsprechend fördern? Wie kann man diese Rohstoffe, Erze oder anderes auch dort vor Ort zur Veredelung bringen, so dass auf diesem Kontinent Arbeitsplätze entstehen, und dass sogar Innovationen, neue Produkte in Afrika entwickelt werden? Das sind die Fragen, die uns interessieren. Dieser Kontinent braucht Chancen, gerade für die vielen jungen Menschen dort. Deswegen ist dieser Bereich Ressourcenmanagement sehr wichtig, aber auch der Bereich Transformation – Transformation natürlich wirtschaftlich aber auch gesamtgesellschaftlich.

Wir alle lesen in den Zeitungen, wie unterschiedlich die Situation in afrikanischen Staaten ist – wie bedenklich und bedrohlich in einigen; wie demokratiefreundlich in anderen; wie geschlechtergerecht, was die Rolle der Frau anbetrifft. Da sind Forschungsresultate über Transformationsprozesse wichtig, die dann auch möglichst in die praktische Politikberatung mit einfließen können. Wissenschaft ist immer noch einer der besten Wege, um Diplomatie zu betreiben – auf einer Ebene, die zum Teil sehr viel nachhaltiger wirkt, als offizielle Abkommen oder Gespräche, weil sie auf einer ganz anderen Ebene stattfinden.

Wir haben, was die Ziele anbetrifft, in dieser Afrika-Strategie nicht nur die Schwerpunkte festgelegt, sondern auch Dinge, die uns besonders wichtig sind. Das sind natürlich die Forschungsresultate, das ist aber auch immer, wenn in unseren Fördermechanismen möglich, die berufliche Bildung vor Ort. Wir versuchen Forschungsprojekte zu fördern, möglichst auch mit beruflicher Qualifikation, weil wir Chancen für junge Menschen suchen und bieten wollen. Wenn Afrika bei dieser exzellenten demographischen Entwicklung – die den Kontinent von vielen Teilen der Welt unterscheidet – diese jungen Menschen bildet, ausbildet, hoch qualifiziert, dann ist das eine enorme Chance.

Wir wissen aus der Erfahrung, dass die Strategien des BMBF auch eine Orientierung für unsere Forscher in den Hochschulen bieten. In den vergangenen Jahren hat das in den außeruniversitären Einrichtungen aber eben auch in den Hochschulen immer Dynamik ausgelöst. Das wünschen wir uns an dieser Stelle, denn wir wollen, dass diese Afrika-Strategie erfolgreich ist. Deswegen ist es ganz wichtig, dass wir die begonnene direkte Kommunikation auch fortsetzen. Ebenso sind wir daran interessiert, auch Tagungen oder anderes in Afrika stattfinden zu lassen, so dass man vor Ort noch einen ganz anderen Eindruck von dem gewinnt, was Wissenschaft und Wissenschaftsentwicklung schon ermöglich haben.

In den nächsten Jahren werden wir dann auch sehen, um welche Summen es geht, was uns inzwischen gelungen ist, wo es neue Ansätze gibt. Nach der Definition von gemeinsamen Forschungszielen, kooperativ und auf Augenhöhe, wird es dann auch darauf ankommen, den Aufbau von Strukturen zu unterstützen – zum Beispiel zwei Zentren für Landnutzung und Klimafolgen und anderes mehr. Wir sind sehr froh, dass man auch im Rahmen der EU über das Thema Afrika spricht und darüber nachdenkt - und dass die deutsche Afrika-Strategie, insbesondere unsere Punkte Wissenschaft, Forschung und Bildung, ganz zentral sind und dort seinen Niederschlag gefunden haben.

Vielen Dank.