Preisverleihung "Forschergeist 2014"

Grußwort der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Prof. Dr. Johanna Wanka, am 19. Mai 2014 in Berlin

Prof. Dr. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung
Prof. Dr. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung © Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Es gilt das gesprochene Wort!

Anrede

Der englische Naturforscher Charles Darwin soll, nachdem er beobachtet hatte, wie schnell Babys sich entwickeln, zugegeben haben: „Ich habe nicht die leiseste Ahnung davon gehabt, dass in einem fünfmonatigen Kinde so viel liegen könnte.“ Durch viele Studien wissen wir heute, dass der Mensch mindestens ab seiner Geburt lernt. Es gibt da vielfältige Untersuchungen: Was passiert beispielsweise, wenn eine Mutter eine bestimmte Musik in der Schwangerschaft hört, und vieles andere mehr. Auf jeden Fall wissen wir, dass entscheidende Grundlagen in den ersten Lebensjahren gelegt werden. Wir sind heute bei der frühkindlichen Förderung unserer Jüngsten auf einem guten Weg. Ein herausragendes Beispiel ist zweifellos das „Haus der kleinen Forscher“. Diese Initiative ist zum Vorreiter für viele Projekte der frühkindlichen Bildung geworden.

Darum freut es mich sehr, dass wir heute durch die Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ und die Deutsche Telekom Stiftung die hervorragende Arbeit von Kindertageseinrichtungen bei der MINT-Förderung mit dem Preis „Forschergeist 2014“ auszeichnen können.

Kinder stellen Fragen, sie sind wissbegierig. Warum zum Beispiel ein Stein, wenn man ihn ins Wasser wirft, versinkt, aber ein Schiff schwimmen kann; warum die Sonne auf- und untergeht und vieles andere. Schon im Kindergartenalter können Kinder naturwissenschaftliche Fragestellungen formulieren und Antworten finden. Das beweist die Initiative „Haus der kleinen Forscher“ jeden Tag. Ich bin mir sicher, dass diese Fragestellungen, wenn man sie ernst nimmt, und wenn man selbst auch Fragen anregt und Antworten gibt, Kinder fürs Leben prägen.

Es ist sehr wichtig, dass wir frühzeitig Interesse an Naturwissenschaften und Technik wecken. Es darf aber keine einmalige Angelegenheit sein, wie die Vorführung eines Zauberkunststücks, das zwar großes Staunen hervorruft, aber keine Nachhaltigkeit entwickelt. Das Interesse muss geweckt und nachhaltig wach gehalten werden. Und das nicht nur im Kindergartenalter. Wir wollen das Interesse über alle Bildungsabschnitte hinweg wach halten. Darum müssen wir auch diejenigen besonders unterstützen, die in den Bildungseinrichtungen den Kindern dabei helfen, die Welt zu entdecken und mit ihnen die tollen Experimente machen. Für ihren Einsatz, möchte ich der Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ und den Partnern – der Telekom Stiftung, der Helmholtz Gemeinschaft, der Dietmar Hopp Stiftung, der Siemens Stiftung und der Autostadt Wolfsburg – sehr danken.

Ich erinnere mich noch sehr gut an die Verleihung des „Forschergeistes“ vor zwei Jahren in Wolfsburg. Ich war fasziniert von der Professionalität, mit der sich dort Kindertageseinrichtungen präsentierten. Es war beeindruckend zu sehen, wie der Umgang mit Mathematik, den Naturwissenschaften und mit Technik bereits in den ersten Bildungsjahren kindgerecht und zugleich auf der Höhe der Zeit als Selbstverständlichkeit begriffen wird. Und was ich beim „Haus der kleinen Forscher“ auch immer faszinierend finde: Man muss nicht in teure Materialien investieren. Schon mit Gegenständen aus dem Alltag lässt sich viel zeigen und erklären.

Wir haben nicht nur den Versuch unternommen, kontinuierlich die fachliche Anleitung zu verbessern und mehr Erzieherinnen und Erzieher zu qualifizieren. Mittlerweile haben sich 232 lokale Netzwerke gebildet. Damit erreicht die Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ über 27.000 Krippen, Kitas, Horte und Grundschulen in allen Bundesländern. Wir sind seit dem Jahr 2011 – mit Verstärkung der Mittel – dabei, das „Haus der kleinen Forscher“ in die Kitas zu bringen und es auf Kinder bis ungefähr zur vierten Klasse auszuweiten – also bis zum Alter von zehn Jahren.

Die Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ hat in den vergangenen Jahren Herausragendes geleistet. Es ist schon jetzt die größte Qualifizierungsinitiative in der Frühkindlichen Bildung, die wir in Deutschland haben. Und wir haben uns vorgenommen, dass wir in dieser Legislaturperiode 80 Prozent aller Kindertageseinrichtungen in Deutschland erreichen möchten.

Der Erfolg hängt zu einem wichtigen Teil von den lokalen Netzwerken ab: Beteiligen sich die Industrie- und Handelskammern und andere? Wie sind die Eltern eingebunden? Wie erfolgt die Unterstützung gerade durch die Netzwerke und durch die Stiftung? Diese Fragen sind interessant für all jene, die in der frühkindlichen Bildung arbeiten. Und die Antworten helfen bei der täglichen Arbeit weiter. Deshalb freue ich mich, dass sich die Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ und die Deutsche Telekom Stiftung im Rahmen eines Wettbewerbs wieder auf die Suche nach Projekten gemacht haben, die den Forschergeist bei den Kindern wecken.

Das ist gar nicht einfach und ich glaube, dass die Auszeichnung der „Forschergeist“ vor allen Dingen helfen kann, dass das, was sich Kluges überlegt wurde, und was in den einzelnen Einrichtungen ganz unterschiedlich sein kann, andere anregt, Ähnliches zu tun oder auch neue Wege zu finden.

Wir wollen MINT-Fächer fördern. Deutschland ist ein Land der Entdecker und Erfinder – mit vielen hochkarätigen Ingenieuren. Und das soll es bleiben. Ich bin der Telekom Stiftung und Herrn Kinkel sehr dankbar für ihre Initiativen, was den Mathematikunterricht an Schulen anbetrifft. Denn Mathematik ist ein sehr schönes Fach, das viel einfacher und interessanter ist als sein Klischee es suggeriert. Es kann richtig Spaß machen. Und dafür leisten auch die „Häuser der kleinen Forscher“ einen ganz wichtigen Beitrag. Denn sie vermitteln in spielerischer, interessanter Form auch mathematische Kenntnisse.

Ich sage allen nominierten Einrichtungen und denen, die die Auszeichnung erhalten, ganz herzlichen Glückwunsch und Dank für Ihr Engagement in der frühkindlichen Förderung im MINT-Bereich.

Vielen Dank.