"Produktionsforschung in Deutschland – innovativ - wettbewerbsfähig - ressourceneffizient"

Rede der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Prof. Dr. Johanna Wanka, anlässlich der Eröffnung der E³-Forschungsfabrik „Ressourceneffiziente Produktion“ am Fraunhofer IWU am 15. Mai 2014 in Chemnitz

Prof. Dr. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung
Prof. Dr. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung © Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Es gilt das gesprochene Wort!

Anrede

Unsere wirtschaftliche Situation ist im Moment sehr gut. National genauso wie international. In einer ganzen Reihe von Landkreisen haben wir mittlerweile Vollbeschäftigung. Schon seit längerem ist Deutschland die viertstärkste Industrienation. Bei der Innovationskraft gehören wir im europäischen Vergleich zur Spitzengruppe. Und als vergleichsweise kleines Land mit 1,2 Prozent der Weltbevölkerung belegen wir den ersten Platz beim Export von Hightech-Gütern. Dafür gibt es einen ganz wichtigen Grund: Die Innovationskraft, die wir in Deutschland haben.

Aber es ist auch wichtig, dass bei uns die Wirtschaft immer noch sehr stark und kontinuierlich auf die Produktion von Gütern setzt. Das ist ein entscheidender Vorteil. Die USA haben in der Vergangenheit deindustrialisiert und sind jetzt dabei, ihre Industrieproduktion mühsam wieder aufzubauen. Dasselbe gilt für Großbritannien. Deutschland hat diesen Fehler nicht gemacht. Das war auch eine politische Entscheidung.

Aufgrund dieses Bekenntnisses zur Industrie haben wir eine starke Ausgangsposition und sind seither der Ausrüster der Welt. Neue Materialien, Fertigungstechnologien, neue Produktionsmethoden und komplette Lösungen kommen in einem ganz entscheidenden Maße aus Deutschland.

Aber der globale Wettbewerb nimmt zu. Hinzu kommen Herausforderungen wie die Energiewende und der demografische Wandel. Unsere Position angesichts dieser Rahmenbedingungen zu halten, ist nicht einfach. Und wenn wir auch in drei oder in fünf Jahren noch so gut dastehen wollen, dann müssen wir unbedingt besser sein, als die anderen. Das bedeutet, dass wir innovative Produkte brauchen, die ein gutes Stück weit besser sind als die Angebote der anderen. Und das kann nur mit Hilfe von Forschung funktionieren. Sie muss uns helfen, neue Produktionstechnologien und neue Produkte zu entwickeln. Und da ist es wichtig, dass die Situation für Forschung in Deutschland sehr gut ist.

Der Wirtschaftswissenschaftler Joseph Schumpeter hat einmal erklärt: „Entscheidende Motive für wirtschaftliches Wachstum sind gerade in Stagnations-Phasen herausragende Basis-Erfindungen; sie sind die Impulse für Anschluss-Innovationen in breitem Umfang.“ Daran haben wir uns, im Gegensatz zu vielen anderen, in Deutschland gehalten. In der Stagnations-Phase, also in der Phase der Finanz- und Wirtschaftskrise, hat der Bund jedes Jahr die Etats für Forschung und Entwicklung erhöht. Andere Länder haben hier gespart – die USA im letzten Jahr sieben Prozent. Wir sind in der Situation, dass wir 2012 zum ersten Mal drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Forschung und Entwicklung ausgegeben haben. Es gibt einige wenige Länder, die besser sind. Diese sollen uns ein Anreiz sein.

Hinzu kommt, dass von den zehn forschungsstärksten Unternehmen in Europa fünf ihren Sitz in Deutschland haben. Dass die Situation so bleiben soll, das ist unser gemeinsames Anliegen. Und deshalb zieht sich die Priorität für Forschung und Innovation als roter Faden durch den Koalitionsvertrag.

Auch dann, wenn es ums Geld oder auch um gesetzgeberische Initiativen geht. Von den 23 Milliarden Euro, die zusätzlich in dieser Legislaturperiode ausgegeben werden, sind neun für Bildung und Forschung vorgesehen. Das zeigt, dass auf den Bund Verlass ist. In den vergangenen Jahren hat davon auch die Fraunhofer-Gesellschaft profitiert. Mit den Aufwüchsen im Pakt für Forschung und Innovation konnten die außeruniversitären Forschungseinrichtungen kalkulieren, damit konnten neue Institute entstehen, damit konnten neue Strategien umgesetzt werden. Diese Verlässlichkeit ist die Grundlage für erfolgreiche Forschung, die wiederum die Grundlagen für Innovationen legt. Weil es aber aus einigen Ländern Signale gab, aus dem Pakt aussteigen zu wollen, übernimmt der Bund die Aufwüchse in Zukunft alleine.

Sachsen gehört zu den Ländern, die spitze sind. Ein Merkmal, an dem das besonders deutlich wird, ist die Summe, die ein Land nach Königsteiner Schlüssel bekommen könnte. Es gibt nur zwei Flächenländer in Deutschland, die mehr rausholen. Das sind Baden-Württemberg und Sachsen. Und wie schafft man das? Vor allen Dingen mit Visionen und genauen Vorstellungen. Die hat man in Sachsen. Sachsen schlägt nicht nur vor, Sachsen nimmt auch selbst Geld in die Hand, schafft Strukturen und zeigt damit, dass die Vorschläge ernst gemeint sind.

Geld ist das eine, das andere ist, wie man das Geld ausgibt. Die Hightech-Strategie, ist seit 2006 unser Fahrplan. Und dass Länder, wie zum Beispiel Frankreich, jetzt in dieser Art und Weise versuchen eine Strategie aufzulegen, zeigt, wie klug unsere Hightech-Strategie ist. Ein anderes Beispiel ist „Horizont 2020“. Die Grundideen unserer Strategie finden sich in dem europäischen Programm. Die Hightech-Strategie, das haben wir uns vorgenommen, werden wir weiter entwickeln. Im zweiten Quartal werde ich die Eckpunkte für die Weiterentwicklung vorstellen.

Im Rahmen der Hightech-Strategie ist die Produktionstechnologie eine der Schlüsseltechnologien, die zentral für viele Zukunftsprojekte ist. Zum Beispiel für Industrie 4.0. Aber die Produktionstechnologie wird auch durch weitere Projekte gestärkt, die wir im Rahmen der Hightech-Strategie entwickeln.

Forschungsergebnisse sind das Eine, der Transfer ist das Andere. Wir hatten in Deutschland schon manches Mal kluge Ideen, die dann anderswo auf der Welt aufgegriffen und umgesetzt wurden. Das darf uns nicht mehr passieren. Deswegen ist die Hightech-Strategie keine Strategie, bei der es nur darum geht, Forschung zu befördern. Sondern es geht immer um den Transfer, von der Idee bis zur Entwicklung von Leitmärkten. Daher machen wir bei der Produktionsforschung immer Projekte, bei denen die Anwender – und das sind viele Unternehmen – dabei sind. Eine Evaluation hat deutlich gezeigt, dass in den meisten Fällen nach Abschluss der geförderten Projekte, die Verbünde, die eingegangen wurden, über das Ende der Förderung hinaus bestehen und sich weiter entwickeln.

Dafür steht auch die E³-Forschungsfabrik. Das BMBF hat die InnoCaT-Innovationsallianz mit 15 Millionen Euro gefördert. Und jetzt, nachdem die Förderung ausgelaufen ist, setzt die Wissenschaft konsequent die gute Zusammenarbeit mit den Partnern aus der Industrie fort und knüpft an bereits erzielte Ergebnisse und Forschungsschwerpunkte an. Das wünschen wir uns von unserer Forschungsförderung, dass wir Impulse geben, die lange nachwirken.

Auf den Ergebnissen der bisherigen Forschung aufbauen, das ist der Weg zum Erfolg. Und die Kompetenzen der FhG auf diesem Feld, liegen auf der Hand. Das Thema das Sie hier bearbeiten, ist eines der großen Zukunftsthemen. Die ressourceneffiziente Produktion wird an Stellenwert gewinnen. Davon bin ich fest überzeugt.

Wir müssen Zukunftsfelder identifizieren und in diesen Zukunftsfeldern vorausschauend Weichen stellen. Ein Beispiel: Im letzten Jahrhundert war die Elektrochemie ein Paradepferd in Deutschland. Noch vor fünf Jahren hatten wir in Deutschland bei der Elektrochemie nur noch wenige Professuren. Dann haben wir damit begonnen, die Elektrochemie an den Universitäten wieder aufzubauen – mit dem Erfolg, dass wir jetzt wieder, was Forschung anbetrifft, führend sind. Und auch hier, bei der ressourceneffizienten Produktion war 2008 die Erkenntnis, als es noch keiner so auf dem Schirm hatte, mehr dazu zu forschen.

Erkennen, welches die großen Problemfelder und die zwingenden Themenbereiche sind, ist ganz wichtig. Unter diesem Aspekt finde ich die Fraunhofer-Idee der nationalen Leistungszentren sehr klug. Worüber man aber noch reden muss, ist die Finanzierung. Es wird nicht gleich alles gehen, aber ich glaube, das ist ein strategisch kluger Schritt, den Fraunhofer erst mal von der Vision, von der Vorstellung an dieser Stelle angeboten hat.

Heute gratuliere ich Ihnen sehr zur Eröffnung der E³-Forschungsfabrik und ich freue mich auf eine konstruktive Zusammenarbeit, mit Fraunhofer und mit Sachsen.

Vielen Dank.