Projekt in Zentralasien: Spätfolgen des Uranbergbaus

Die Altlasten des sowjetischen Uranbergbaus sind ein Problem in Zentralasien: Sie belasten die Umwelt – und zwischenstaatliche Beziehungen. Forschende haben daher ein Analyse- und Umweltinformationssystem entwickelt, das vor Kontaminationen warnt.

Blick auf eine ehemalige Uran-Aufbereitungsfabrik in Min-Kush in Kirgistan.
Blick auf eine ehemalige Uran-Aufbereitungsfabrik in Min-Kush in Kirgistan. © IAF-Radioökologie GmbH

Das Ferghana-Tal ist eine Oase inmitten gebirgiger Wüste, geprägt von Gärten, Obstplantagen, Weizen- und Baumwollfeldern und von einer langen Geschichte. Ein Fünftel der Bevölkerung Zentralasiens lebt in dieser 300 Kilometer langen Senke. Doch das Tal, das sich auf dem Territorium von Usbekistan, Kirgistan und Tadschikistan erstreckt, ist ein ständiger Krisenherd. Immer wieder kommt es dort zu ethnischen Spannungen.

Auch die Hinterlassenschaften des Uran-Bergbaus, der zu Sowjetzeiten am Rande des Tals stattfand, sorgen für Spannungen. Unter anderem in der Nähe der Stadt Mailuu-Suu im heutigen Kirgistan wurde Uran für das sowjetische Atomprogramm abgebaut und in Fabriken mit Säuren und Laugen aufbereitet. Zurück blieben Abraumhalden und Absetzbecken, in denen hochgiftige Rückstände verkippt wurden.

Durch Dämme werden diese Altlasten zwar zurückgehalten, doch die Bauwerke sind in einem schlechten Zustand und entsprechen nicht modernen Sicherheitsstandards. Somit kommt es immer wieder zu Einträgen radioaktiver Partikel in die Nebenflüsse des Syr-Darja, der Lebensader dieser Region. Das Gewässersystem erstreckt sich auf kirgisischem und usbekischem Territorium und reicht bis Kasachstan in den Aralsee.

Das Projekt

Das Projekt TRANSPOND wird innerhalb der Fördermaßnahme „CLIENT II – Internationale Partnerschaf-ten für nachhaltige Innovationen“ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. In CLIENT II unterstützt das BMBF internationale Forschungskooperationen mit Schwellen- und Entwick-lungsländern mit derzeit rund 50 Vorhaben in 24 Ländern. Die Projekte erarbeiten innovative und nachhal-tige Lösungen für den Klima-, Umwelt-, Ressourcen- und den Energiebereich. Insgesamt fließen bis zu 100 Millionen Euro in die Entwicklung von Technologien, Produkten, Dienstleistungen und Systemlösungen.

Genau darin liegt ein weiteres Konfliktpotenzial begründet. Bislang fehlen verlässliche Daten zur Gewässerbelastung mit Radionukliden. Ein Austausch von Informationen findet zwischen Kirgistan und Usbekistan nicht statt. Beide Länder fühlen sich mit dem Problem der Altlasten allein gelassen und unternehmen wenig für die Sicherung der ehemaligen Bergbaustandorte. Die finanziellen Mittel dazu sind nicht vorhanden.

Die Georisiken in der Region bedeuten eine zusätzliche Gefahr: Erdbeben sind keine Seltenheit, ebenso wenig Erdrutsche und Schlammlawinen. So ereignete sich beispielsweise im Jahr 1958 eine Katastrophe. Durch ein Beben brach in Mailuu-Suu der Damm eines Absetzbeckens. Eine giftige Schlammlawine wälzte sich durch das Tal, zerstörte viele Häuser und verseuchte Felder. Es dauerte Jahre, die Folgen zu beheben.

In dieser konfliktträchtigen Situation hat das Verbundvorhaben TRANSPOND eine von allen Seiten akzeptierte Lösung herbeigeführt. Es wurde vom BMBF von Mitte 2017 bis Mitte 2020 gefördert. Im Rahmen des Projekts mit deutschen, kirgisischen und usbekischen Partnern entstand ein grenzüberschreitendes radiochemisches Analyse- und Umweltinformationssystem, welches eine bessere Kooperation befördern soll.

„Wir mussten viele Brücken bauen, damit Kirgistan und Usbekistan in dieser Frage wieder in einen Dialog treten“, sagt Christian Kunze, Koordinator von TRANSPOND und Geschäftsführer der IAF-Radioökologe GmbH Dresden. Die jahrelangen Spannungen zwischen den benachbarten Staaten führten dazu, dass auch auf Fachebene die Beziehungen weitgehend abbrachen. „Hier musste erst Vertrauen gebildet werden.“

Darüber hinaus hat das Projekt auch die technischen Möglichkeiten vor Ort verbessert. Die von den Laboren zur Analyse genutzten radiochemischen Verfahren wurden effizienter gestaltet, so dass auch bei wesentlich geringeren Kosten der Nachweis von Kontaminationen gelingt. Zudem wurde ein neues Prognosemodell installiert, in dem mögliche Folgen der Kontamination berechnet werden können.

Eine wichtige Rolle in dem Vorhaben spielte die Internationale Atomenergie-Behörde IAEA, die das Projekt ideell unterstützte und Workshops am Hauptsitz der Organisation in Wien organisierte. „Dadurch hat unsere Arbeit einen ganz anderen Stellenwert bekommen“, sagt Kunze, der schon seit 2004 in der Region tätig ist. Das Projekt habe stärker auf politische Ebenen ausgestrahlt.

Kunze spricht von „ermutigenden Ergebnissen“. So könnten die im Projekt erarbeiteten umweltpolitischen Handlungsrichtlinien auch auf andere Länder übertragen werden. „Es ist nicht nur für die Landwirtschaft ein großes Problem, wenn Felder kontaminiert werden“, betont Kunze. Auch die Gesundheit der Bevölkerung sei gefährdet. „Die Wissenschaft kann hier Optionen aufzeigen, doch für konkrete Sanierungsprojekte vor Ort ist internationale Hilfe notwendig“, lautet sein Plädoyer.