Rachel: "Das autonome Fahren ist kein Selbstzweck"

"Es geht nicht darum, den Fahrer zu entmündigen", sagt Staatssekretär Thomas Rachel bei der Eröffnung der CERMcity – einer Testumgebung für autonomes Fahren. Es gehe darum, Aufgabe zu delegieren und damit Raum für mehr Lebensqualität zu schaffen.

Staatssekretär Thomas Rachel eröffnet gemeinsam mit Forschenden auf dem Aldenhoven Testing Center (ATC) die sogenannte CERMcity – eine Testumgebung für automatisiertes Fahren. © VDI/VDE-IT

Eröffnungsrede des Parlamentarischen Staatssekretärs bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Thomas Rachel MdB, anlässlich der Eröffnung der Testumgebung „CERMcity“ im Aldenhoven Testing Center (ATC) in Aldenhoven am 1. Oktober 2018.

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrte Damen und Herren!

Vor genau zwei Jahren haben wir das Projekt CERMcity begonnen und vor knapp sechs Monaten war ich zum offiziellen Spatenstich hier vor Ort. Nach einem arbeitsintensiven Sommer sehen wir nun das beeindruckende Ergebnis: Ich freue mich sehr, heute den Startschuss für die Eröffnung dieser im bundesweiten Vergleich einmaligen Testumgebung für sicheres automatisiertes und vernetztes Fahren zu geben.

Deutschland hat dank seiner weitreichenden Tradition in der Automobiltechnik und dank seiner Kompetenzen auf dem Gebiet leistungsfähiger Elektronikkomponenten eine internationale Schlüsselstellung im automatisierten Fahren. Von der Automatisierung und Vernetzung des Fahrens erwarten wir in der Zukunft entscheidende positive Impulse für die Sicherheit, die Effizienz und die Umweltverträglichkeit des Straßenverkehrs. Neue disruptive Mobilitätskonzepte bieten uns darüber hinaus große Chancen für die zukünftige Entwicklung - denken Sie z.B. an neue Formen des öffentlichen Nahverkehrs mit der auch ländliche Gebiete Anschluss erhalten.

Allerdings sind dafür auch noch einige Herausforderungen zu meistern. Vor allem müssen wir die Sicherheit der Technik garantieren und so berechtige Vorbehalte abbauen. Denn das autonome Fahren ist kein Selbstzweck. Es geht nicht darum, den Fahrer zu entmündigen. Es geht darum, die Fahraufgabe zu delegieren und damit Raum für mehr Lebensqualität zu schaffen. Wir wollen nicht nur die besten und technologisch ausgefeiltesten automatisierten und vernetzten Fahrzeuge bauen; sie sollen auch gekauft und gefahren werden. Das autonome Fahren ist ein Gestaltungsfeld der Mobilität der Zukunft, an dem deutlich wird:  Wir alle, Politik, Forschung und Wirtschaft, tragen gemeinsam die Verantwortung dafür, der Gesellschaft verlässliche, funktionierende und bezahlbare Technik zur Verfügung zu stellen.

Der Erreichung dieser Ziele sind wir mit dem heutigen Tage einen Riesenschritt nähergekommen. Ich gratuliere allen Beteiligten herzlich zu dieser Leistung!

Sehr geehrte Damen und Herren,

das BMBF fördert Innovationen, die dem gesellschaftlichen Bedarf nach intelligenter Mobilität dienen und die Hochtechnologiekompetenz des Standorts Deutschland bei Elektroniksystemen für Automobilanwendungen stärken.

Am 5. September haben wir die Hightech-Strategie 2025 verkündet. Die Bundesregierung geht mit der Weiterentwicklung dieser ressortübergreifenden Strategie die drängendsten gesellschaftlichen und technologischen Fragen unserer Zeit an. Hier wird auch dem grundlegenden Wandel der Mobilität Rechnung getragen. Im Zukunftsthema Mobilität geht es um Maßnahmen für eine intelligente und emissionsfreie Fortbewegung. Von Seiten des BMBF werden wir unter dem Dach der Hightech-Strategie 2025 auch in der Zukunft die Forschung für neue Mobilitätslösungen vorantreiben weiter ausbauen. Einiges haben wir schon auf den Weg gebracht: Seit 2015 sind allein im Rahmen der BMBF-Forschungsagenda „Autonomes Fahren“ acht Förderbekanntmachungen mit etwa 150 Millionen Euro Volumen auf den Weg gebracht worden - Schwerpunkte sind die Elektronik, die IT-Sicherheit und die Mensch-Technik-Interaktion. Dabei verfolgen wir mit unserer Forschungsförderung im automatisierten und vernetzten Fahren ein ganz klares Ziel: Wir wollen dauerhaft die weltweite „Pole Position“ auf diesem Gebiet einnehmen und dies gelingt uns nur durch Innovationen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Validierungsmethoden zur Absicherung automatisierter Fahrfunktionen sind hier ein elementarer Baustein.

Die heute eingeweihte urbane Testumgebung CERMcity - mit rund 3,3 Millionen Euro Förderung- komplettiert eine einmalige Infrastruktur, die eine Lücke in der automobilen Forschungslandschaft schließt. Hier in Aldenhoven ist in den vergangenen Jahren ein exzellenter Experimentierraum für die Mobilität der Zukunft entstanden. Diesen müssen Sie, liebe Forscherinnen und Forscher, aus Wissenschaft und Industrie, nun schnellstmöglich mit Leben füllen.

Das Vorhaben CERMcity ergänzt die bereits in Aldenhoven vorhandene Straßentestinfrastruktur, sodass neben Validierungsszenarien auf Autobahnen und Landstraßen nun auch vor allem Szenarien in besonders komplexen und dynamischen Stadtumgebungen erprobt werden können.

Optimal ergänzt wird dies durch die Ergebnisse eines weiteren durch mein Haus geförderten Projektes: I2EASE entwickelt intelligente Elektroniksysteme für Fahrzeuge, die Informationen aus einer Vielzahl von Sensorsystemen auswerten und verknüpfen, um so die Fahrzeugumgebung zuverlässig und in kurzer Zeit zu erfassen. Ich freue mich auf die Abschlussergebnisse, die heute hier in diesem Rahmen ebenfalls präsentiert werden.

Die Ergebnisse aus I2EASE sind in CERMcity eingebettet und unterstützen die Validierung sicherer Fahrfunktionen. Wichtig ist mir: CERMCity ist eine Forschungsinfrastruktur, die für Nutzer aus Wissenschaft und Wirtschaft eine offenes Angebot ist.

Liebe Gäste,

das heißt konkret, dass ab sofort kleine und mittlere Unternehmen sowie Forschungsinstitutionen, die, anders als die Fahrzeughersteller und großen Zulieferer, keine eigenen Teststrecken und Forschungseinrichtungen haben, künftig nach Bedarf hier Nutzungszeit reservieren und ihre Innovationen testen können.

Neuartige Komponenten, Systeme, Fahrfunktionen oder auch Dienstleistungen für hohe Automatisierungsstufen in unterschiedlichsten, komplexen Verkehrsszenarien können nun sicher und diskriminierungsfrei erprobt werden. Ich rufe also auf, die Möglichkeit zur Nutzung dieser einmaligen und für alle offenen Testumgebung wahrzunehmen. Und so schlussendlich Innovationen schnell und sicher zur Technologiereife und erfolgreich auf den Markt zu bringen.

Sehr geehrte Damen und Herren,

lassen Sie mich noch ein paar Worte über die Region Aachen/Düren sagen. Spätestens mit dem heutigen Tag, aber eigentlich schon viel länger, ist die Region zu einem Motor für die deutsche Mobilitätsforschung geworden – denken sie bspw. an die Erfolgsgeschichte von Streetscooter und die neue Automarke e.Go. Diese Erfolge werden vor allem durch die exzellenten Köpfe hier vor Ort, und eine hervorragend ausgebaute Forschungsinfrastruktur möglich. Diese Verbindung strahlt über die Region hinaus und gibt nicht nur bundesweit, sondern gerade hier im Dreiländereck europaweit Impulse für die intelligente Mobilität von morgen. Ich bin sicher: Ab heute wird Aachen seinen Ruf als Vorzeigebeispiel für erfolgreiche Forschung und Entwicklung am Auto der Zukunft noch stärker ausbauen können! Dem Team um Prof. Dr. Eckstein wünsche ich dafür alles Gute.

Ich freue mich nun auf den weiteren Tag hier mit Ihnen, und den Rundgang mit vielen spannenden Einblicken in potenzielle Anwendungsbeispiele. CERMcity wünsche ich eine erfolgreiche Betriebsaufnahme und allen Nutzern die bestmöglichen Ergebnisse. Ihnen allen ein gutes Gelingen.

Vielen Dank!