Meister ehrt Forschende für Arzneimittel-Innovationen

Staatssekretär Michael Meister hat heute Forschende für ihre herausragenden Leistungen in der Arzneimittelforschung mit dem Galenus-von-Pergamon-Preis ausgezeichnet. Er würdigte ihre zielstrebige, harte Arbeit und ihre große Beharrlichkeit.

© BMBF/Hans-Joachim Rickel

Rede des Parlamentarischen Staatssekretärs bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Michael Meister (MdB), bei der Verleihung des Galenus-von-Pergamon-Preises am 17. Oktober 2019 in Berlin.

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrter Herr Kaufmann,

sehr geehrter Herr Professor Erdmann, sehr geehrte Mitglieder der Jury, sehr geehrte Nominierte,

meine sehr verehrten Damen und Herren!

Seit über 30 Jahren werden mit dem Galenus-von-Pergamon-Preis sowohl die Entwicklung neuer, herausragender Medikamente ausgezeichnet, die den langen Weg vom Labor in die Versorgung bereits geschafft haben, als auch innovative Ansätze aus der Grundlagenforschung. Auch in diesem Jahr hat die Jury aus den Einreichungen eine Auswahl getroffen; und genauso wie Sie bin ich gespannt, wer von den Nominierten am heutigen Abend hier als Preisträger auf die Bühne gebeten wird.

Bereits am Beginn eines Forschungsprozesses ist die zentrale Frage: Welchen Beitrag kann diese wissenschaftliche Arbeit leisten, um die Gesundheit und Lebensqualität der Menschen zu verbessern? Für eine Antwort auf diese Frage müssen wir Patientinnen und Patienten, deren Angehörige, das medizinische Fachpersonal, Zulassungsbehörden sowie Expertinnen und Experten aus der Gesundheitswirtschaft frühzeitig und adäquat einbinden.

Das neue Rahmenprogramm Gesundheitsforschung der Bundesregierung stellt deshalb den Menschen in den Mittelpunkt und wir haben es auf eine stärkere Teilhabe am medizinischen Fortschritt ausgerichtet. Damit schaffen wir den Raum, in dem alle Beteiligten eng zusammenarbeiten und vorhandene Ressourcen gemeinsam effektiv nutzen können.

Als Bundesforschungsministerium möchten wir mit unserer Forschungsförderung dazu beitragen, dass die Medizin der Zukunft die Menschen schneller erreicht und ihren Bedürfnissen genauer entspricht. Dabei geraten unweigerlich die sogenannten Volkskrankheiten ins Blickfeld.

Um sich diesen großen Herausforderungen zu stellen, hat das Bundesforschungsministerium gemeinsam mit den Ländern die sechs Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung aufgebaut, die langfristig Forschungsexpertise zu wichtigen Volkskrankheiten wie Krebs oder Diabetes bündeln.

Sie werden mir zustimmen, dass derartige langfristig angelegte Strategien notwendig sind, damit in Zukunft noch mehr gute Ideen aus der Grundlagenforschung schnell bei den Patientinnen und Patienten ankommen. Diese müssen jedoch durch weitere, gezielte Maßnahmen gestärkt werden. Wir haben deswegen die „Nationale Wirkstoffinitiative“ ins Leben gerufen, denn medizinischer Fortschritt beruht nicht zuletzt auf neuen, besseren und sicheren Wirkstoffen.

Solche Wirkstoffe werden zum Beispiel auch dringend für den Kampf gegen Infektionskrankheiten benötigt. An neuen Antibiotika herrscht ein regelrechter Mangel. Gleichzeitig sind multiresistente Keime inzwischen weltweit zu einem ernsthaften Problem geworden. Diese Resistenzen erschweren die Behandlung vieler Infektionen, bedrohen den Erfolg alltäglicher medizinischer Eingriffe und verursachen schon heute zahlreiche Todesfälle, allein in Deutschland sind es jährlich ungefähr 2.400. Es gilt jetzt, mit neuen Wirkstoffen als Teil eines breit angelegten Aktionsplanes den Wettlauf um Menschenleben gegen die resistenten Infektionserreger zu gewinnen.

Als einen zentralen Förderschwerpunkt meines Hauses möchte ich die Krebsforschung nennen. Am Anfang dieses Jahres haben wir die „Nationale Dekade gegen Krebs“ ausgerufen mit dem Ziel, dieser bedrohlichen Krankheit durch eine verbesserte Prävention, Früherkennung und Behandlung entgegen zu treten.

In jedem Jahr erhält in Deutschland etwa eine halbe Million Menschen die Diagnose Krebs. Auch junge Menschen und Kinder sind betroffen, aber Dank des medizinischen Fortschritts sind Krebserkrankungen heute immer öfter heilbar.

In Deutschland überlebt bereits jeder zweite an Krebs Erkrankte. 1970 war es nur jeder Vierte. Wir wissen inzwischen viel besser, wie Krebs entsteht, und können die Diagnose wesentlich früher stellen. Trotzdem ist Krebs immer noch die zweithäufigste Todesursache in Deutschland.

Mit der Forschungsinitiative „Nationale Dekade gegen Krebs“ vereinen wir die wichtigsten Akteure Deutschlands. Gemeinsam setzen wir alles daran, Krebserkrankungen zu verhindern und den Betroffenen das Leben zu erleichtern. Das BMBF fördert beispielsweise klinische Studien, um Behandlungs- und Diagnoseverfahren zu verbessern. Dafür werden bis zu 62 Millionen Euro bereitgestellt. Die Deutsche Krebshilfe und das Deutsche Krebsforschungszentrum haben gleich nachgelegt und bauen als Partner in der Dekade ein Nationales Krebspräventionszentrum auf.

Eine wichtige Erkenntnis der vergangenen Jahre lautet: Jeder Krebs ist anders. Die Heilungschancen steigen, wenn die Behandlung für den Patienten „maßgeschneidert“ ist. Die personalisierte Behandlung wird nur möglich, wenn die Grundlagenforschung eng mit der anwendungsnahen klinischen Erforschung innovativer therapeutischer und diagnostischer Ansätze verknüpft wird. Dieses Konzept verfolgt beispielsweise das DKFZ-Hector Krebsinstitut in Mannheim, an dessen Gründungsfeier ich im Juli dieses Jahres teilgenommen habe. Patientinnen und Patienten können dort im Rahmen von klinischen Studien unmittelbar von den Innovationen profitieren.

Dies ist ein gutes Beispiel dafür, wie einer der größten Herausforderungen im Prozess der Arzneimittelentwicklung begegnet werden kann: dem Übergang aus der Grundlagenforschung in die Anwendung. Damit diese Translation erfolgreich gelingen kann, ist eine intensive Zusammenarbeit zwischen universitären Einrichtungen und privatwirtschaftlichen Unternehmen unabdingbar.

Und hier besteht, da werden Sie mir zustimmen, noch Handlungsbedarf. Deswegen wollen wir mit einem geplanten Translationsprogramm zukunftsweisende Formen der Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Zulassungsbehörden und Industrie ermöglichen. Das Programm ist explizit auf die höhere Anschlussfähigkeit akademischer Projekte für die nachfolgende industrielle Entwicklung ausgerichtet.

Sehr geehrte Nominierte,

Sie werden aus Ihrer täglichen Arbeit bestätigen können, dass ein neues, wirksames und sicheres Arzneimittel das Ergebnis von langjähriger, zielstrebiger, harter Arbeit, großer Beharrlichkeit und sehr viel Idealismus ist.  Ihnen als Forscherinnen und Forschern sowie den nominierten Institutionen und Unternehmen gilt dieser Abend, an dem Ihre exzellenten Arbeiten im Bereich der Arzneimittelentwicklung mit der Nominierung für den Galenus-von-Pergamon-Preis gewürdigt werden.

Unser Dank gilt den Jurymitgliedern unter dem Vorsitz von Prof. Erdmann, die die gewichtige Aufgabe hatten, die heutigen Gewinner unter den Nominierten auszuwählen.

Schon jetzt möchte ich allen Nominierten für ihr Engagement danken und zu ihrer Arbeit gratulieren. Ich freue ich mich, dass ich heute die Ehre habe, Ihnen die Galenus-Medaille persönlich zu überreichen und wünsche Ihnen und uns allen eine spannende Preisverleihung und einen schönen Abend.

Vielen Dank!