"Radfahren wird durch neue Technologien sicherer"

Die Oldenburger Medieninformatikerin Susanne Boll über Fahrräder, die mit Autos kommunizieren, vibrierende Lenker - und über technische Assistenzsysteme, die Rücksichtnahme und Kooperation auf der Straße fördern. Ein Interview mit bmbf.de

Nicht nur für Kinder: Ziel des Forschungsverbunds "Saftey4Bikes" ist es, das Fahrrad durch ganz neue Anzeigen, Darstellungsmöglichkeiten und Sensorik zu erweitern. © pixabay/Sylwia Aptacy
Prof. Dr. Susanne Boll lehrt an der Universität Oldenburg Medieninformatik und Multimedia-Systeme © Universität Oldenburg

bmbf.de: Frau Professorin Boll, zusammen mit verschiedenen Partnern entwickeln Sie ein Assistenzsystem, das Kinder und andere Fahrradfahrer unterstützen soll: Safety4Bikes. Worum geht es?

Susanne Boll: Unser Ziel ist es, Radfahren sicherer zu machen. Im Forschungsverbund Safety4Bikes analysieren wir darum zunächst typische Gefahrensituationen, zum Beispiel das Linksabbiegen. Dann überlegen wir, welche Informationen den Kindern mehr Sicherheit geben könnten.

Und daraus entwickeln Sie ein neues Assistenzsystem?

Ja. Wir erforschen ein komplexes Assistenzsystem: Neue, vernetzte Sensoren können das Fahrverhalten der Kinder überwachen. Lichtsignale zum Beispiel am Helm oder am Rad können ihnen dann Hinweise geben und sie warnen. Auch durch akustische Signale wäre das möglich, durch Geräusche. Aber nicht nur die Kinder, auch andere Verkehrsteilnehmer könnten so informiert werden und schneller erkennen, was das Kind vorhat. Also: Wir wollen das Fahrrad durch ganz neue Anzeigen, Darstellungsmöglichkeiten und Sensorik erweitern. Und wir können uns vorstellen, dass das Fahrrad zum Beispiel mit Autos kommuniziert, der Autofahrer gewarnt wird, dass da ein Fahrradfahrer um die Ecke kommt.

Wir müssen aufpassen, dass Radfahrer nicht zu noch schwächeren Verkehrsteilnehmern werden, als sie es eh schon sind. Und dass sie nicht abgehängt werden: Die Vernetzung des Autos geht ja schnell voran, davon müssen auch die Fahrradfahrer profitieren.

Susanne Boll

Es piept und blinkt also, wenn da auf einmal ein Auto von rechts kommt?

Nicht nur. Vielleicht könnte in einer solchen Situation der Fahrradlenker intensiv vibrieren. Sicher ist: In verschiedenen Situationen können verschiedene Anzeigen hilfreich sein. Dabei wollen wir die Kinder nicht überfordern – und entwickeln die verschiedenen Anzeigen darum mit ihnen gemeinsam.  In Studien haben wir Kinder in unser Labor eingeladen, um zu sehen, wie Lichtsignale, Vibrationen oder akustische Signale von ihnen verstanden werden und welche Kompetenzen und Fähigkeiten sie auf dem Fahrrad besitzen.

Vernetzte Fahrräder und intelligente Helme sind aber nicht nur etwas für Kinder?

Die im Projekt entwickelten Assistenzsysteme sind auch für andere Verkehrsteilnehmer relevant, besonders für ältere Fahrradfahrer. Grundsätzlich konzentrieren wir uns auf  schwächere Verkehrsteilnehmer. Dabei umfasst das Projekt nicht nur die Anzeige am Fahrrad oder Helm, sondern auch die Kommunikationstechniken, die helfen, dass Fahrräder und andere Fahrzeuge direkt miteinander kommunizieren können.  Entscheidend ist, dass in dem Projekt Ingenieure, Informatiker und Soziologen, Hersteller von Fahrrädern und Fahrradhelmen, Verkehrspsychologen und Sensortechnologen zusammenarbeiten und ihre verschiedenen Kompetenzen einbringen.

Radfahren ist ökologisch, ökonomisch und hält gesund - und es ist darum ein hervorragendes Verkehrsmittel, dessen Nutzung weiter gefördert werden sollte.

Susanne Boll

Warum ist es wichtig, dass das Bundesforschungsministerium dieses Projekt fördert?

Wir müssen aufpassen, dass Radfahrer nicht zu noch schwächeren Verkehrsteilnehmern werden, als sie es eh schon sind. Und dass sie nicht abgehängt werden: Die Vernetzung des Autos geht ja schnell voran, davon müssen auch die Fahrradfahrer profitieren. Radfahren ist ökologisch, ökonomisch und hält gesund - und es ist darum ein hervorragendes Verkehrsmittel, dessen Nutzung weiter gefördert werden sollte. Die Erforschung neuer Mensch-Technik-Interaktion gerade für radfahrende Kinder kann aber nicht durch eine Organisation oder ein Unternehmen alleine gemeistert werden. Daher ist es wichtig, dass das Bundesforschungsministerium solche Vorhaben fördert.

Eine Technik, die dem Menschen dient?

Und ob. Ich bin davon überzeugt, dass neue Technologien wie Anzeigetechniken, eingebettete Systeme und  Kommunikationsprotokolle dabei helfen, dass unser Verkehr immer sicherer wird.  Und das Projekt Safety4Bikes wird dazu beitragen, dass es weniger Verletzte und Tote im Straßenverkehr gibt. Künftig werden also die verschiedenen Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer – egal ob mit dem Auto, dem Fahrrad und zu Fuß - Mobilität als einen sogenannten Shared Space erleben, einen gemeinsamen Raum, in dem technische Assistenzsysteme Rücksichtnahme, Kooperation und Sicherheit befördern.

Radfahren sicherer machen: Das Projekt "Safety4Bikes" umfasst nicht nur die Anzeige am Fahrrad oder Helm, sondern auch die Kommunikationstechniken, die helfen, dass Fahrräder und andere Fahrzeuge direkt miteinander kommunizieren können. © pixabay/Volker Schnaebele