Reformationsjubiläum: Bundesministerin Wanka würdigt Luthers Bildungsverständnis

Das Menschen- und Bildungsverständnis des Reformators beeinflusst uns noch heute. Darauf hat Bundesbildungsministerin Johanna Wanka anlässlich der Eröffnung der großen Lutherausstellung in Wittenberg hingewiesen.

Bundesministerin Johanna Wanka spricht beim Festakt zur Eröffnung der nationalen Sonderausstellung "Luther! 95 Schätze - 95 Menschen" © BMBF/Hans-Joachim Rickel

„Luther! 95 Schätze – 95 Menschen“ – das ist der Titel der Ausstellung, zu deren Eröffnung Bundesbildungsministerin Johanna Wanka nach Wittenberg gereist war. Zu den Exponaten gehören unter anderem ein zeitgenössischer Plakatdruck der 95 Thesen, der handschriftliche Brief, den Luther am 31. Oktober 1517 an seinen geistlichen Dienstherren, Kardinal Albrecht von Brandenburg, richtete sowie das eigenhändige Testament Martin Luthers von 1542. Einen weiteren Höhepunkt bildet Luthers private Bibel.

Einheitliche deutsche Schriftsprache

In ihrer Rede betonte Wanka die Bedeutung des Reformators für Bildung und Wissenschaft. Denn Luther war es wichtig, dass Kinder – Jungen wie Mädchen – Lesen und Schreiben lernten. Er appellierte an die Ratsherren, Schulen und Bildungseinrichtungen zu gründen und zu unterhalten. Zahlreiche Ausbildungsstätten – Schulen, Akademien, Universitäten – wurden so neu gegründet oder einer grundlegenden Reform unterzogen. Durch die einheitliche deutsche Schriftsprache wurde Bildung zudem für weite Teile der Bevölkerung erst möglich.  So war Luther einer der Väter der „Volksbildung“.

Bildung und Forschung

Das wusste schon Luther: Fortschritt wird am besten dort erreicht, wo gelernt und geforscht wird, wo Innovationen und Akzeptanz für Neues aus der Gesellschaft heraus entwickelt werden. Wie wichtig der Bundesregierung Forschung und Bildung ist, lässt sich am Etat des Bundesministeriums für Bildung und Forschung ablesen: Er ist seit 2005 um 10 Milliarden Euro auf rund 17,6 Milliarden Euro in diesem Jahr gestiegen.

Grundlegende Werte unserer Gesellschaft

Doch als er am 31. Oktober 1517 seine Thesen veröffentlichte, ging es ihm auch darum, einen offenen Diskurs und ein Umdenken zu bewirken. So bietet das Reformationsjubiläum heute die Möglichkeit, sich über grundlegende Werte unserer Gesellschaft auszutauschen – und über die Bedeutung von Gedankenfreiheit und religiöser Toleranz zu diskutieren. Gerade heute ist das wichtig, da Freiheit und Toleranz mancherorts in Gefahr geraten und wir für unsere Werte in unserem täglichen Handeln, in unserer täglichen Arbeit eintreten müssen.

Förderung des Bundes

Der Bundesregierung ist das Reformationsjubiläum 2017 ein wichtiges Anliegen. Es ist ein Jahr des historischen Gedenkens, des Gemeinsinns, aber auch der Selbstvergewisserung für die Deutschen. Der Bund fördert darum kulturelle Projekte zum Thema Reformation genauso wie den Erhalt und die Sanierung bedeutender Reformationsstätten. Einen besonderen Raum nehmen die drei großen Sonderausstellungen ein, zu denen auch die Ausstellung in Wittenberg gehört.

Sonderausstellung "Luther! 95 Schätze – 95 Menschen"

Vom 13. Mai bis 5. November 2017 lädt die Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt zur Nationalen Sonderausstellung »Luther! 95 Schätze – 95 Menschen« ein. Im Augusteum, dem Vordergebäude des Lutherhauses, zeichnen authentische Objekte aus der Reformationszeit die Spuren Luthers nach. Zudem wird 500 Jahre Wirkungsgeschichte veranschaulicht. Im ersten Teil der Ausstellung sind 95 außergewöhnliche Exponate aus Luthers Umfeld zu sehen. Sie stellen einen bisher neuen Aspekt in den Fokus: die Wurzeln des Reformators. Welchen Einfluss hatten Herkunft, Liebe, Glaube, Angst, Hoffnung auf den jungen Luther und welche Umstände führten ihn zur Reformation? Der zweite Teil der Ausstellung lässt 95 Personen aus dem 16. Jahrhundert bis heute zu Wort kommen. Sie alle wurden durch Luther maßgeblich beeinflusst. Dabei wird auch die Frage aufgeworfen, was Luther uns heute noch bedeuten kann. Eine Mitmach-Ausstellung für Kinder und Jugendliche sowie ein abwechslungsreiches Begleitprogramm ergänzen die Schau. Das Augusteum ist eines der am besten erhaltenen Universitätsgebäude des 16. Jahrhunderts.