Renommierter Lasker-Preis für Heidelberger Virologen

Dank seiner Forschung ist Hepatitis C heute heilbar: Der Heidelberger Virologe Ralf Bartenschlager erhält die höchste Auszeichnung der Vereinigten Staaten für klinisch-medizinische Forschung, den Lasker-Preis. Ein Interview mit bmbf.de.

Auszeichnung für bahnbrechende Forschung zu Hepatitis C: Der Virologe Ralf Bartenschlager erhält den renommierten Lasker~DeBakey-Preis.
Auszeichnung für bahnbrechende Forschung zu Hepatitis C: Der Virologe Ralf Bartenschlager erhält den renommierten Lasker~DeBakey-Preis. © Universitätsklinikum Heidelberg

bmbf.de: Herr Bartenschlager, Sie sind in New York mit dem renommierten "Lasker~DeBakey-Preis" ausgezeichnet worden. Viele Preisträger haben später auch den Medizin-Nobelpreis erhalten. Was bedeutet diese Auszeichnung für Sie?

Ralf Bartenschlager: Ich freue mich außerordentlich darüber. Diese Auszeichnung ist eine hohe Anerkennung und Würdigung der Arbeit, die mein Team und ich zum Thema Hepatitis C geleistet haben. Das hätten wir so nie erwartet, dass wir als Grundlagenforscher die Gelegenheit bekommen, zur Therapieentwicklung beizutragen. Und der Preis spornt uns auch dazu an, diesen Krankheitserreger weiter zu erforschen.

Ihrer Arbeitsgruppe ist es 1999 erstmals gelungen, das Hepatitis C-Virus im Labor zu vermehren. Warum war das so wichtig für die Medikamentenentwicklung und Heilung der chronischen Leberinfektion?

Wenn man Viren verstehen will, braucht man immer ein Zellsystem. Das liegt daran, dass Viren Zellparasiten sind. Das heißt, sie können sich nur in lebenden Zellen vermehren. Man kann das Hepatitis C-Virus auch mit einer Schadsoftware vergleichen. Wenn man diese Software studieren und ihren Quellcode entziffern möchte, braucht man einen passenden Computer, auf dem man sie installieren und ablesen kann. Erst wenn einem dies gelingt, kann man Gegenmaßnahmen finden. So ähnlich ist es auch bei Viren. Wir haben erstmals Zellkultursysteme entwickelt, in denen Hepatitis C-Viren vermehrt werden konnten. Anfänglich waren es Minivarianten des Virus, aber damit konnte untersucht werden, welche Faktoren bei der Vermehrung der Viren eine Rolle spielen und man konnte testen, welche Substanzen diesen Vermehrungszyklus stoppen können. Damit war die Grundlage für die Entwicklung von Medikamenten geschaffen.

Dank Ihrer Forschung ist Hepatitis C heute bei mehr als 95 Prozent der Patienten heilbar. Haben Sie damit auch eine Lanze für die Grundlagenforschung gebrochen?

Das würde ich mir wünschen. Und vielleicht ist das auch ein wichtiges Signal an die Geldgeber, die Grundlagenforschung nicht zu vernachlässigen und ihr ausreichenden Freiraum zu ermöglichen. Denn aus der Grundlagenforschung heraus ergeben sich Erkenntnisse und Methoden, die für die Anwendung von großer Bedeutung sein können, wie auch unser Beispiel zeigt.

Hepatitis C

Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO leiden weltweit etwa 130 Millionen Menschen an einer chronischen Infektion mit Hepatitis C-Viren. In Deutschland sind etwa 400.000 Menschen betroffen. Die Krankheit zerstört nach und nach die Leber, verursacht Leberzirrhose und Leberkrebs.

Sie beschäftigen sich – auch im Rahmen von BMBF-Projekten – weiter mit dem Hepatitis C-Virus. Was wollen Sie noch herausfinden?

Die Geschichte hat gezeigt, dass die Ausrottung eines Krankheitserregers nur durch Impfung gelingen kann. Das heißt, ein zentrales Thema für uns ist die Entwicklung von Impfstoffen gegen die chronische Hepatitis C. Da kommen uns jetzt die neuen Therapien zugute, weil wir aufgrund der hohen Erfolgsquote die Erholung der Immunantwort im Patienten untersuchen können. Das ist eine Besonderheit, die wir so noch nie hatten. Wir wissen, dass Patienten mit einer chronischen Hepatitis C quasi immunologisch blind gegen das Virus sind. Das heißt, ihr Immunsystem erkennt das Virus nicht mehr und kann es somit nicht bekämpfen. Wenn man die Patienten aber behandelt, geht diese selektive Blindheit relativ schnell verloren und die Immunantwort meldet sich wieder zurück. Wir können jetzt im Patienten sozusagen die Wiederherstellung der Immunantwort gegen eine chronische Virusinfektion studieren und damit wichtige Einblicke gewinnen, die wir für die Entwicklung eines effektiven Impfstoffs brauchen. Außerdem werden uns diese Arbeiten wichtige Erkenntnisse über chronische Infektionen mit anderen Viren liefern, die wir bisher nicht heilen können. Dazu zählt insbesondere die Hepatitis B.

Ihnen wurde einer der höchstdotierten Wissenschaftspreise der USA verliehen. Könnten Sie sich vorstellen, irgendwann auch Ihren Forschungsstandort zu wechseln?

Ich sehe keinen Grund, den Forschungsstandort Deutschland zu verlassen. Wir sind hier in der glücklichen Lage, dass wir unterstützt werden, wenn wir gute Forschung machen, sowohl in der Grundlagenforschung als auch in der Anwendung. Am Standort Heidelberg sind die Voraussetzungen für Infektionsforschung exzellent. Es ist vielleicht eher so, dass manche Kollegen in den USA überlegen, nach Deutschland zu kommen.

Zur Person

Ralf Bartenschlager ist Leitender Direktor der Abteilung für Molekulare Virologie am Zentrum für Infektiologie des Universitätsklinikums Heidelberg. Seit 2014 leitet er zudem die Abteilung „Virus-assoziierte Karzinogenese“ am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Das Bundesforschungsministerium fördert zwei Forschungsprojekte, an denen Bartenschlager beteiligt ist. Der Virologe ist der dritte deutsche Forscher, der den „Lasker~DeBakey Award“ erhält. Die Preis wird von der New Yorker Lasker-Foundation jährlich vergeben und ist mit 250.000 US-Dollar dotiert.