Ressourceneffiziente Stadtquartiere für die Zukunft

Städte bieten hervorragende Chancen, neue und wegweisende Ansätze für den nachhaltigen Umgang mit Ressourcen zu entwickeln und in der Realität zu erproben. Das BMBF unterstützt Kommunen hierbei mit einer innovativen Fördermaßnahme.

Leben in der Stadt: Verschwommene Gestalten.
Leben in der Stadt: Verschwommene Gestalten. © thinkstock

Von der Forschung in die Praxis

Insgesamt zwölf Projekte der Fördermaßnahme „Ressourceneffiziente Stadtquartiere für die Zukunft“ (RES: Z) befinden sich seit 2018 in der Forschungs- und Entwicklungsphase. In dieser Phase der Fördermaßnahme erarbeiten die inter- und transdisziplinären Projekte die theoretischen Grundlagen für eine nachhaltige Stadtentwicklung. In der jetzt sukzessiv startenden Umsetzungs- und Verstetigungsphase werden die Ergebnisse in über 20 Modellkommunen pilothaft erprobt. Begleitet werden sie dabei von einem wissenschaftlichen Querschnittsprojekt, das die inhaltliche Vernetzung der Vorhaben, die Kommunikation in den Außenraum und den Transfer in die kommunale Praxis unterstützt.

Der Gebäudebestand in Städten: das größte „Rohstofflager“ der Gesellschaft

Es ist ein alltägliches Bild: Ein Abrissbagger reißt ein tiefes Loch in die Fassade eines Hauses und die Wand des Gebäudes bricht in sich zusammen. Eine Raupe schiebt den Schutt zu einem großen Haufen, bestehend aus Steinen, Beton, Holz, Stahl, Dämmung, Dachziegeln und anderen Materialien zusammen. Wenig später wird der Schutt auf große Lastwagen geladen und der Entsorgung zugeführt. Kaum ist das alte Gebäude abgerissen, wird fabrikneues Baumaterial für den Neubau angeliefert. Ein Kreislauf, der kein wirklicher Kreislauf ist. Denn wertvolle Rohstoffe gehen dabei verloren.
Das Projekt RessStadtQuartier möchte dies ändern. Für die Projektbeteiligten stellt der Gebäudebestand einer Stadt das größte „Rohstofflager“ dar. Mit verschiedenen Instrumenten, wie beispielsweise einem intelligenten Gebäude-Material-Kataster, sollen die verbauten Rohstoffe eines Quartiers bei Sanierung, Umbau oder Abbruch direkt vor Ort wiederverwendet werden. Erprobt wird dies unteranderem im Ludwigshöhviertel in Darmstadt. Hier fallen bei der Umwandlung einer ehemaligen Kaserne in ein Wohnviertel insgesamt 120.000 Tonnen Bauschutt an. Diese fast 4.500 LKW-Ladungen Schutt sollen zum Teil als Sekundärrohstoff in einem hochwertigen Verwertungskreislauf zurückgeführt und direkt vor Ort verbaut werden.

Städte für 70 % des weltweiten Ressourcenverbrauchs verantwortlich

RessStadtQuartier ist eins von zwölf Projekten der Fördermaßnahme RES: Z. Ziel von RES: Z ist es, wegweisende Ansätze für den nachhaltigen Umgang mit Ressourcen zu entwickeln und in Stadtquartieren zu erproben.
Damit setzt die Fördermaßnahme bei einem drängenden Thema an. Denn bislang wurden die Potenziale für ressourceneffizientes Wirtschaften in den Städten nur in geringem Maße ausgeschöpft. Und das, obwohl Städte bereits heute für bis zu 80% der weltweit erzeugten Energie und für bis zu 70 % des weltweiten Ressourcenverbrauchs verantwortlich sind - Tendenz steigend. Denn bis zum Jahr 2050 werden nach Schätzungen der Vereinten Nationen über zwei Drittel der Weltbevölkerung in Städten leben.
Die Einsparungspotentiale in Stadtquartieren sind aber nicht nur enorm, sondern auch vielfältig. Diese Vielfältigkeit spiegelt sich auch in den geförderten Projekten wider.

Wohnraumbedarf durch Bestand decken

So untersucht das Projekt OptiWohn, wie es – trotz vorherrschenden Wohnraummangel - erst gar nicht zum Neubau von Wohngebäuden kommen muss. Das Projekt der Frage nach, wie eine optimierte Nutzung der Wohnfläche proaktiv gefördert werden kann, um den Wohnraumbedarf durch bestehende Wohngebäude zu decken. Voraussetzung hierfür ist, dass sich Menschen an biografischen Wendepunkten, zum Beispiel beim Auszug der Kinder, für kleinere Wohnflächen und alternativen Wohnkonzepte entscheiden. Helfen sollen hierbei kommunale Wohnraumagenturen. Diese identifizieren Wohnraumbedarfe im Quartier, bieten Beratung für Wohnungssuchende an, vermitteln alternative Wohnungen oder initiieren Angebote zum Wohnungstausch.

Straßen im Quartier: Nicht nur Fläche für Verkehr, sondern auch wichtig für die Klimaanpassung

Enorme Potenziale bei der Entwicklung ressourceneffizienter Stadtquartiere bieten auch Straßen. Diese bilden in innerstädtischen Quartieren ca. 25% der Fläche und eignen sich ideal zur Erprobung innovativer und nachhaltiger Lösungen für die Anpassung an die Folgen des Klimawandels. Im Projekt BlueGreenStreets sollen Straßen so gestaltet werden, dass sie einerseits zur Verbesserung des Stadtklimas beitragen, anderseits den effektiven Umgang mit der Ressource Wasser ermöglichen. Im Fokus steht hierbei die Bepflanzung mit Straßenbäumen und deren Kombination mit Maßnahmen zum Regenwassermanagement. Regenwasser soll so im Straßenraum gesammelt und sinnvoll genutzt werden. 

Mit einer vertikalen Klima-Klär-Anlage zu einem besseren Stadtklima

Auch das Projekt VertiKKA möchte durch Stadtgrün das Mikroklima in Quartieren verbessern. Im Projekt wurde dafür eine vertikale Klima-Klär-Anlage entwickelt. Das wartungsarme, selbst regelnde Grünmodul mit integrierten Photovoltaik-Elementen soll an Gebäudefassaden zum Einsatz kommen und zur Entlastung der Kanäle und Kläranlagen durch eine bessere Entwässerung sorgen. Außerdem soll die Kühlleistung von Gebäuden gesteigert, Hitzeinseln reduziert und die Luftqualität verbessert werden. Die Photovoltaik-Module schützen dabei die Fassadenbegrünung vor extremer Witterung und großer Sonneneinstrahlung und liefern gleichzeitig Strom für die Bewässerung.

Einen interessanten Überblick über die Aktivitäten der Projekte bieten die von den Projekten erstellten Kurzvideos