Richtfests am „Center for Biohybrid Medical Systems (CBMS)

Statement des Parlamentarischen Staatssekretärs im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Thomas Rachel, auf dem RWTH Aachen Campus (Melaten) in Aachen

Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung
Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung © Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Anrede und Begrüßung
 

Ich möchte Sie alle sehr herzlich anlässlich des Richtfestes des Center für Biohybrid Medical Systems hier auf dem Gelände der RWTH Aachen begrüßen. Es ist mir eine besondere Freude und Ehre zugleich, heute hier mit Ihnen das Richtfest für einen vom Bund und dem Land NRW gemeinsam finanzierten Forschungsbau an dieser Hochschule zu feiern.

Ich darf Ihnen auch an dieser Stelle die besten Grüße unserer Ministerin, Frau Professor Johanna Wanka, übermitteln, die Ihnen für das weitere Gelingen beim Bau dieses neuen Zentrums alles Gute wünscht!

Bedeutung und Förderung von Forschungsbauten an Hochschulen
 

Es ist Aufgabe des Staates, die Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen Räume für die Forschung so gestaltet werden, dass sie auch den neuen Anforderungen gerecht werden und nicht zu Einschränkungen führen. Es gilt, Strukturen und Organisation der Forschung so zu gestalten und weiterzuentwickeln, die der Forschung neue Impulse geben können, um wissenschaftliche Fortschritte zu erzielen. Diese sollen dann auch unseren Bürgerinnen und Bürgern zugänglich gemacht werden.

Mit der Förderung bedeutsamer Forschungsbauten und Großgeräte möchte die Bundesregierung in Zusammenarbeit mit den Ländern die Voraussetzungen deutscher Hochschulen für eine erfolgreiche Teilnahme am nationalen und internationalen Wettbewerb in der Forschung schaffen. Die Förderung von Forschungsbauten und Großgeräten durch das BMBF und das jeweilige Sitzland trägt besonders dazu bei, Deutschlands Spitzenstellung in den Schlüsseltechnologien auszubauen. Deutschland wird somit zum Vorreiter bei der Lösung der globalen Herausforderungen – wie Klima, Gesundheit, Sicherheit.

Denn: Nur mit einer exzellenten Forschungsinfrastruktur, guten Arbeitsbedingungen für Forscherinnen und Forscher, mehr Freiheit sowie mehr Eigenverantwortung und Transparenz der Wissenschaft lässt sich die Qualität der Forschung langfristig erhalten, bringen die eingesetzten Mittel maximalen Ertrag.

Deutschlandweit stellt das BMBF zur Förderung solcher bedeutender Forschungsbauten pro Jahr rund 300 Millionen bereit. Seit Beginn dieser Förderung im Jahre 2007 hat unser Haus bislang 3 Milliarden Euro bereitgestellt!

Bedeutung der Forschungsprogrammatik „Biomedizintechnik“
 

Das Center for Biohybrid Medical Systems möchte einen Beitrag leisten zu einer großen globalen Herausforderung: der Behandlung von Volkskrankheiten. Aufgrund des demografischen Wandels erwarten wir steigende Patientenzahlen bei vielen chronischen Erkrankungen. Was wir heute bei der Behandlung dieser Volkskrankheiten brauchen, sind effiziente Therapien mit geringen Nebenwirkungen für die Patientinnen und Patienten. Wir müssen es schaffen, die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern – denn gerade bei Herzkreislauf-, Lungen- oder Krebserkrankungen greifen aktuelle Behandlungsmethoden oft sehr stark in den Lebensalltag ein. 

Diese Situation wollen die Forscher am Center for Biohybrid Medical Systems verbessern – und sie setzen dabei auf das Beste aus der Biologie, der Medizin und den Ingenieurswissenschaften. Mit Hilfe sogenannter biohybrider Systeme wollen sie biologische und mechatronische Elemente kombinieren – zum Beispiel für neuartige, miniaturisierte Implantate oder Organunterstützungssysteme. Weltweit wird an solchen Systemen geforscht, ihre Umsetzung für die klinische Praxis ist hochkomplex, eben weil so viele unterschiedliche Disziplinen und Anforderungen aufeinandertreffen.

Hier in Aachen soll es gelingen, konkrete Arbeit für die Betroffenen zu leisten. Ideen sollen am Ende nicht nur im Labor funktionieren, sondern möglichst schnell zu den Patientinnen und Patienten gelangen – dafür hat unser Haus mit dem Land NRW entsprechende Mittel für einen genau hierfür ausgerichteten Forschungsbau bereitgestellt. Ziel dabei ist es, klinisch relevante biohybride Systeme von der ersten Idee bis hin zum Prototypen zu entwickeln und im klinischen Umfeld zu testen.

Mit dem Forschungsneubau werden hier im Cluster Biomedizintechnik neue wertvolle Kompetenzen für die RWTH Aachen geschaffen, die auch deutschlandweit einmalig sind. Nirgendwo sonst können biohybride Systeme künftig so interdisziplinär, so anwendungsnah entwickelt und umfassend erprobt werden. Das CBMS wird ein neues Aushängeschild für den Forschungs- und Medizintechnikstandort Aachen – soviel steht fest.

Beitrag des BMBF an der Erfolgsgeschichte der Universität Aachen
 

Hier an der RWTH muss ich Ihnen ja nicht viel über Spitzenforschung erzählen: Neben der Vielfalt ihrer Fächer zeichnet sich diese Universität u.a. durch Exzellenz und hohe Vernetzung aus. Zudem hat sich auch in den vergangenen Jahren der kontinuierliche Ausbau der Zusammenarbeit von Universität und außeruniversitären Forschungseinrichtungen sowohl in der Forschung als auch in der Nachwuchsförderung sehr bewährt. Damit hat sich das Profil der RWTH und der Forschungseinrichtungen erfolgreich verändert und wesentlich dazu beigetragen, dass sich Aachen zu einem wissenschaftlichen Standort mit nationaler und internationaler Strahlkraft weiterentwickelt hat.

Zu diesen Erfolgen hat unter anderem auch die Exzellenzinitiative beigetragen. Mit ihr konnte der Wissenschaftsstandort Deutschland nachhaltig gestärkt und seine internationale Wettbewerbsfähigkeit verbessert werden. Sie hat zu einer erfolgreichen Entwicklung geführt, die die Ausbildung von Leistungsspitzen in der universitären Forschung ermöglicht hat.

Die internationale Expertenkommission zur Evaluation der Exzellenzinitiative hat nun Ende Januar 2016 ihr Ergebnis vorgelegt. Die Evaluation zeigt uns:

Die Exzellenzinitiative hat der deutschen Wissenschaft neue Energie und Dynamik verliehen. Die Forschungsleistungen konnten gesteigert werden, vielfach haben sich Hochschulen strategisch neu aufgestellt.
Die Exzellenzinitiative hat der Zusammenarbeit zwischen Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen einen neuen Impuls gegeben.
Das Ziel der Exzellenzinitiative, die Spitzenforschung an deutschen Universitäten im internationalen Wettbewerb, ist und bleibt richtig.

Dass die Exzellenzinitiative an den deutschen Universitäten eine hohe Dynamik und eine große struktur- und profilbildende Wirkung entfaltet, wird selbst von ihren Kritikern bestätigt. Daher werden auch künftig für die Förderung exzellenter Spitzenforschung an Hochschulen für die Exzellenzinitiative entsprechende Mittel bereitgestellt.

Auch auf folgende positive Entwicklung möchte ich hinweisen: Deutschlands Hochschulen haben beim Times Higher Education Ranking aufgeholt. Dort liegt Deutschland mittlerweile hinter den USA und Großbritannien auf Platz drei der Hochschulsysteme mit den meisten Einrichtungen unter den TOP 200. Auch für den internationalen Nachwuchs ist Deutschland ein attraktiver Standort, der bei den Zielländern ausländischer Studierender ebenfalls zu den Top-Drei gehört.

Wir haben in den letzten Jahren die Weichen richtig gestellt. Auf das Erreichte können wir stolz sein. Bund und Länder müssen aber gemeinsam dafür Sorge tragen, dass die Erfolge gefestigt werden und wir für das, was noch nachzuholen oder anders zu machen ist, auf der Basis unserer Stärken die richtigen Weichen stellen. Deshalb haben die Bundeskanzlerin und die Regierungschefs der Länder im Dezember beschlossen, dass auch nach 2017 universitäre Spitzenforschung im wissenschaftspolitische Priorität sein wird. Vonseiten des Bundes tun wir alles dafür. Und ich hoffe dabei auch auf Ihre Unterstützung.

Schlussbemerkung:
 

Meine sehr geehrte Damen und Herren,

Ich freue mich daher, dass das heutige Richtfest des neuen Forschungszentrums ein herausragendes Beispiel für die Fortentwicklung moderner Schlüsseltechnologien und zugleich für die gelungene Zusammenarbeit zwischen Bund und dem Land NRW ist. Damit leistet dieser Forschungsneubau auch einen wichtigen Beitrag zur Stärkung des Forschungs- und Wissenschaftsstandortes Deutschlands!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen für den weiteren Verlauf beim Bau dieses Zentrums viel Erfolg und gutes Gelingen!

Vielen Dank!