Richtige Operationstechnik verhindert Thrombosen

Bioresorbierbare Stents stabilisieren geweitete Herzkranzgefäße und lösen sich später wieder auf. Das ist gut. Häufiger als Metall-Stents führen sie aber zu gefährlichen Blutverklumpungen. Dank neuer Forschung lässt sich das künftig verhindern.

Vielen Patientinnen und Patienten mit verengten Herzkranzgefäßen werden Stents implantiert. © DZHK/Nathalie_Zimmermann

Bei Operationen mit abbaubaren Gefäßstützen, sogenannten bioresorbierbaren Stents, muss man nur die Operationstechnik verändern, um das Thromboserisiko um rund 70 Prozent zu senken. Dafür muss der Durchmesser dieser Stents auf ein Mindestmaß geweitet werden. Das belegte jetzt eine klinische Studie mit 1300 Patientinnen und Patienten. Durchgeführt hat die Studie ein Forscherteam um Tommaso Gori und Thomas Münzel von der Universitätsmedizin Mainz und vom Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK).

Gefäßstützen gegen den Infarkt

Verengt sich ein Herzkranzgefäß so sehr, dass der Herzmuskel nicht mehr richtig durchblutet wird, droht ein Infarkt. Dann führen Kardiologinnen und Kardiologen einen dünnen, biegsamen Draht durch das Gefäß bis zum Engpass. Dort bläst sich an der Spitze des Drahtes ein kleiner Ballon auf und dehnt das Gefäß. Draht und Ballon werden entfernt – zurück bleibt ein winziges Stützgerüst, der Stent. Wie ein inneres Korsett sorgt er dafür, dass sich das Gefäß nicht wieder verengt.

Auflösbare Stents – und die Gefäße bleiben elastisch

Herkömmliche Stents aus Metall verbleiben ein Leben lang im Körper. Sie versteifen die Gefäße – unwiderruflich. Seit vier Jahren gibt es nun Stents, deren Material sich nach sechs bis achtzehn Monaten im Körper auflöst. Der Vorteil dieser bioresorbierbaren Stents: Das Gefäß wird nach seiner Stabilisierung wieder elastisch. So kann es sich unterschiedlichen Anforderungen anpassen, sich beispielsweise beim Treppensteigen weiten.

Deshalb implantieren Ärztinnen und Ärzte immer öfter abbaubare Stents. Doch dabei entdeckten sie einen Nachteil: Im Vergleich zu den Metall-Stents erhöhen die bioresorbierbaren Gefäßstützen das Risiko einer Thrombose. Dabei bildet sich ein Pfropf, der das Gefäß verschließt. „Diese Stent-Thrombosen sind sehr gefährlich, deshalb wollten wir hier etwas tun“, sagt Gori.

2,4 Millimeter – auf die Weite kommt es an

In ihrer Studie fanden die Mainzer Kardiologinnen und Kardiologen heraus, dass eine veränderte Implantationstechnik die Thrombosen verhindern kann. „Wir konnten zeigen, dass die Thrombosehäufigkeit dann dramatisch steigt, wenn der Stent beim Einsetzen weniger als 2,4 Millimeter aufgeweitet wird“, so Gori. „Mit der ‚richtigen‘ Implantationstechnik – also wenn der Stent auf mindestens 2,4 Millimeter aufgeweitet wird – sinkt das Risiko wieder um 73 Prozent.“

Größere Durchmesser beeinflussten die Thrombosehäufigkeit kaum. „Somit sollte eine Größe von 2,4 Millimeter auf keinen Fall unterschritten werden“, unterstreicht Münzel. „Wenn dies bei der Implantation berücksichtigt wird, unterscheidet sich die Zahl der Thrombosen zwischen herkömmlichen Metall-Stents und bioresorbierbaren Stents nicht.“

Zu enge Stent-Gitter lassen Blutplättchen verklumpen

Die Forschenden entdeckten auch den Grund für das erhöhte Thrombose-Risiko: Die Gitterstreben der abbaubaren Stents sind dicker als die Streben der Metall-Stents. Werden resorbierbare Stützen nicht genug geweitet, verdecken ihre Streben die Gefäßwand fast vollständig. Das führt dazu, dass Blutplättchen an dieser Stelle durch den vermehrten Kontakt mit dem Fremdkörper aktiviert werden. Die Folge: Sie beginnen zu verklumpen – eine Thrombose droht. Die stärkere Weitung der Stents vergrößert die Maschen ihres Gerüstes: Die Blutplättchen haben dann Kontakt mit der Gefäßwand, die Thrombosegefahr sinkt.

Die Studie wurde in Kooperation mit dem Agaplesion Bethanien Krankenhaus in Frankfurt, dem Luzerner Kantonsspital und der Universität Fribourg in der Schweiz durchgeführt.

Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK)

Das vom Bundesforschungsministerium initiierte DZHK bündelt 28 universitäre und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen an sieben Standorten in ganz Deutschland. Wichtigstes Ziel des DZHK ist es, neue Forschungsergebnisse möglichst schnell für alle Patientinnen und Patienten verfügbar zu machen und Therapien sowie die Diagnostik und Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu verbessern. Neben dem DZHK gibt es fünf weitere Deutsche Zentren, welche die wichtigsten Volkskrankheiten erforschen.