Schlank und dennoch ein hohes Risiko für Diabetes

Konferenz zur Diabetesforschung: Fast jeder fünfte schlanke Mensch hat ein erhöhtes Risiko für Diabetes. Die Ursache dafür ist häufig eine Fehlfunktion bei der Fettspeicherung. Das fanden Forschende des DZD aus Tübingen und München heraus.

Fast jeder fünfte Schlanke hat ein erhöhtes Risiko für Diabetes und Herzkreislauferkrankungen. © Thinkstock/nd3000

Schlank ist gesund – diese Faustformel gilt nicht immer. Fast jeder fünfte schlanke Mensch hat einen geschädigten Stoffwechsel. Und das kann gravierende Folgen haben: Betroffene erkranken dreimal häufiger an Diabetes und Herzkreislauferkrankungen als schlanke Menschen mit einem gesunden Stoffwechsel. Ebenso steigt das Risiko, an der Erkrankung zu sterben. Sie sind damit sogar gefährdeter als übergewichtige Menschen mit einem gesunden Stoffwechsel. Das fanden Tübinger Forscherinnen und Forschern des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) und des Helmholtz Zentrums München bei Auswertung bestehender Studien heraus.

Konferenz zur Diabetesforschung

Vom 19. bis 20. April 2018 findet in der französischen Botschaft in Berlin die zweite deutsch-französische Konferenz zur Diabetesforschung statt.

Was sind die Ursachen hierfür? Das wollte ein Team um Norbert Stefan, Fritz Schick und Hans-Ulrich Häring genauer wissen: Deshalb untersuchten die Wissenschaftler in einer eigenen Analyse die Daten von 981 Probanden. Dabei kamen sie zu einem ähnlichen Ergebnissen wie in vorangehenden Analysen: Trotz Normalgewicht hatten etwa 18 Prozent der schlanken Probanden einen geschädigten Stoffwechsel.

Des Rätsels Lösung fand das Forscherteam in der Fettverteilung der Probanden. Denn alle hatten eines gemein: Sie speichern nur wenig Fett an den Beinen. Die Wissenschaftler untersuchten zudem die Insulin-Empfindlichkeit, die Insulin-Sekretion, die Blutgefäße und die körperliche Fitness. Auch hier zeigten sich Auffälligkeiten. „Schlanke, die kaum Fett an den Beinen speichern, haben ein höheres Risiko für einen ungesunden Stoffwechsel. Man kann daher auch sagen, dickere Oberschenkel halten Schlanke gesund“, fasst Norbert Stefan die Ergebnisse zusammen. Zum Vergleich: Bei Menschen mit Übergewicht sind eine nichtalkoholische Fettleber und ein erhöhter Bauchfettanteil die größten Risikofaktoren für eine Entgleisung des Stoffwechsels.

Die Wissenschaftler raten schlanken Menschen, die zwei oder mehr Merkmale des sogenannten Metabolischen Syndroms aufweisen – wie beispielsweise hohen Blutdruck oder einen hohen Blutzuckerspiegel – und kaum Fett an den Beinen speichern, sich auf eine mögliche Schädigung des Stoffwechsels untersuchen zu lassen. Wichtig wäre es, für die unterschiedlichen Untergruppen von schlanken und übergewichtigen Menschen mit Stoffwechsel-Störungen maßgeschneiderte Lebensstil-Interventionen oder spezifische medikamentöse Behandlungen für eine personalisierte Prävention zu entwickeln.

Deutsches Zentrum für Diabetesforschung

Das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung (DZD) e.V. ist eines der sechs vom Bundesforschungsministerium geförderten Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung. Es bündelt Experten auf dem Gebiet der Diabetesforschung und verzahnt Grundlagenforschung, Epidemiologie und klinische Anwendung. Ziel des DZD ist es, über einen neuartigen, integrativen Forschungsansatz einen wesentlichen Beitrag zur erfolgreichen, maßgeschneiderten Prävention, Diagnose und Therapie des Diabetes mellitus zu leisten.