Schneller als die Datendiebe

Immer häufiger begehen Cyberkriminelle Straftaten mit gestohlenen Identitäten und Kennwörtern. Bemerken die Opfer den Betrug, ist es meist schon zu spät. Mit modernsten Analysemethoden wollen Wissenschaftler Datendiebstahl zeitnah aufdecken.

Der Diebstahl von Identitäten und Passwörtern gehört zu den häufigsten Cyberverbrechen. © Thinkstock

23 Millionen Deutsche sind im Jahr 2017 Opfer von Cyberkriminalität geworden. Das zeigt eine aktuelle Studie des US-amerikanischen IT-Sicherheitsunternehmens Norton by Symantec. Besonders weit verbreitetet ist der Diebstahl und Missbrauch von Identitäten – ein großes Problem für Betroffene. Denn diese merken in aller Regel erst einmal nichts davon, wenn Cyberkriminelle Passwörter, Zugangs- oder Kreditkartendaten erbeuten. In den meisten Fällen kommt das böse Erwachen erst sehr spät – zum Beispiel beim Blick auf den Kontoauszug. Um den Schaden möglichst klein zu halten, müssen die Betroffenen den Zugriff auf die Daten schnell bemerken, um beispielsweise ihre Bank zu informieren und Strafanzeige zu stellen. An diesem Punkt setzt das Projekt „EI DI – Effektive Information nach digitalem Identitätsdiebstahl“ an, das vom Bundesforschungsministerium gefördert wird.

„EI DI“ bietet Betroffenen schnelle Hilfe

Doch wie geht man bei einer solchen Herausforderung am besten vor? Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben das Problem in zwei Teile zerlegt: die technische Diagnose des Verbrechens und die Information der Betroffenen.

Bei der technischen Diagnose geht es darum, herauszufinden, welche Daten wann und wo auftauchen. Häufig stehlen organisierte Banden Identitäten und Kennwörter aus großen Datenbanken und verkaufen sie anschließend weiter. Mit modernen Analysemethoden versuchen die Bonner Forscherinnen und Forschern solche digitalen Handelsplätze für Identitätsdaten aufzuspüren. Ist das geschafft, muss es schnell gehen: Denn nur wenn Betroffene zeitnah über den Diebstahl ihrer Daten informiert werden, können sie reagieren, bevor ein Schaden entsteht.

Opfer sollen sofort erfahren, welche Daten geraubt wurden

Die schnellstmögliche Information der Betroffenen ist daher ebenfalls ein Teil des Forschungsprojekts. „Wir suchen Wege, wie Menschen schnell und verlässlich erfahren, wenn sie Opfer von Identitätsdiebstahl geworden sind – und möchten Ratschläge geben, wie sie sich in einem solchen Fall am besten verhalten“, fasst Projektkoordinator Michael Meier von der Universität Bonn das Ziel des Projekts zusammen. Die Wissenschaftler suchen daher nach Kommunikationskanälen, über die ein Opfer kontaktiert und vor Angriffen gewarnt werden kann – etwa per Brief, mit einer SMS oder auch über einen Webdienst, bei dem die Nutzerin oder der Nutzer registriert ist. So soll das Opfer sofort erfahren, welche Daten genau geraubt wurden und was zu tun ist. Im Projekt arbeiten IT-Forscher, Kognitionspsychologen und Datenschutzexperten deshalb gemeinsam an diesen Herausforderungen.

Da der Umgang mit personenbezogenen Daten für immer mehr Unternehmen entscheidend für den Geschäftserfolg ist, stößt das Projekt auf großes Interesse. „Aktuell arbeiten wir neben unseren Projektpartnern eng mit Banken, sozialen Netzwerken und Telekommunikationsanbietern zusammen, um ‚EI DI‘ in die praktische Umsetzung zu bringen“, sagt Meier. Wenn dies gelingt, können Betroffene in Zukunft schnell und verlässlich erfahren, wenn sie Opfer eines Identitätsdiebstahls geworden sind – und sofort die notwendigen Schritte einleiten. Und wer weiß: Vielleicht sogar, bevor Schaden entsteht.

Mehr Innovationen für IT-Sicherheit

Das Bundesforschungsministerium fördert das Projekt „EI DI“ im Zeitraum von 2017 bis 2019 im Forschungsrahmenprogramm „Selbstbestimmt und sicher in der digitalen Welt 2015-2020“. Die Bundesregierung bündelt mit diesem Programm ihre Förderung von Innovationen in der IT-Sicherheit. Und die sind nötiger denn je: Immer mehr Geräte und Dinge wie Smartphones, Medizintechnik oder smarte Fernseher sind mit dem Internet verbunden und bieten Angriffsflächen. Deshalb schaffen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Deutschland Lösungen, die unser vernetztes Leben sicherer und zuverlässiger machen.