Sexualisierte Gewalt: Kinder und Jugendliche schützen

Kinder und Jugendliche stehen unter unserem besonderen Schutz. Wir müssen dafür sorgen, dass sie sicher und geborgen aufwachsen können. Dazu gehört, als Gesellschaft sensibel gegenüber sexualisierter Gewalt zu sein. Sie darf kein Tabuthema sein.

Forschung stärkt den Schutz von Mädchen und Jungen vor sexualisierter Gewalt.
Forschung stärkt den Schutz von Mädchen und Jungen vor sexualisierter Gewalt. © Thinkstock / Timur Nisametdinov

Um die Arbeit zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexualisierter Gewalt sowie vor Vernachlässigung und Missbrauch auf eine fundierte Basis stellen zu können, hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) seit 2011 rund 63 Millionen Euro zur Verfügung gestellt und ist auf dem Weg, eine auch international sichtbare Forschungslandschaft aufzubauen, aus der wirkungsvolle Beiträge für die Praxis hervorgehen sollen.

Neue Wissenschaftslandschaft

Das BMBF unterstützt gezielt den nachhaltigen Aufbau einer Wissenschaftslandschaft zum Thema sexualisierte Gewalt und Kindesmissbrauch. So können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kontinuierlich neue Erkenntnisse gewinnen und der Prävention sexualisierter Gewalt sowie der Behandlung und Unterstützung Betroffener neue Impulse geben. Gefördert werden in diesem Zusammenhang Forschungsvorhaben aus Bildung und Gesundheit.

Schutzkonzepte entwickeln

Ziel der Förderung in der Bildungsforschung ist es, künftig besser zu verstehen, welche Bedingungen und Strukturen in Bildungs- und Erziehungskontexten Kinder und Jugendliche vor sexualisierter Gewalt schützen – und welche nicht. Zum anderen geht es darum, Schutzkonzepte auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen beziehungsweise wirksame Schutzkonzepte zu entwickeln und diese in der Aus- und Fortbildung von pädagogisch, psychologisch oder als Aufsicht tätigem Personal zu verankern. Dabei spielt auch eine wichtige Rolle, die Qualifikationen und Qualifikationsbedarfe des pädagogischen Personals wissenschaftlich gestützt und für die Praxis konkret zu formulieren.

Förderung des Bundesforschungsministeriums

Mit rund 15 Millionen Euro wurden seit 2011 im Rahmen der Förderlinie „Forschung zu sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in pädagogischen Kontexten“ 17 Forschungsvorhaben aus der Bildungsforschung und fünf Juniorprofessuren unterstützt, die einen wichtigen Beitrag zur Verstetigung des Forschungsbereichs leisten. Unter einer neuen Förderbekanntmachung sollen ab 2017 weitere Forschungsvorhaben mit insgesamt 9 Millionen Euro gefördert werden.

Mit rund 23 Millionen Euro wurden darüber hinaus seit 2010 elf interdisziplinäre Forschungsverbünde in der Gesundheitsforschung gefördert. Die Förderung zielt insbesondere ab auf die Erforschung der biologischen, psychischen und psychosozialen Ursachen und Folgen von Gewalt und Missbrauch, der Interventions- und Therapiemöglichkeiten bei Betroffenen und Gefährdeten sowie der Prävention, Diagnostik und Therapie sexueller Präferenz- oder Verhaltensstörungen, die zur Gewaltausübung gegenüber Kindern und Jugendlichen prädisponieren. Unter der neuen Förderbekanntmachung von 2016 stehen noch einmal 16 Millionen Euro zur Förderung von Forschungsverbünden zur Verfügung.

Verbindung mit der Praxis

Das BMBF unterstützt darüber hinaus die Vernetzung der Forschenden, um einen engen fachlichen Austausch zu ermöglichen. Kennzeichnend für die gesamte Forschung ist außerdem die Einbindung von Praktikerinnen und Praktikern, um die Erarbeitung und Verbreitung des dringend benötigten praxisrelevanten Wissens zu befördern. Die Verbindung der Forschung mit der Praxis ist eine wesentliche Bedingung für das Erreichen der nachhaltigen Verankerung des Schutzes von Kindern und Jugendlichen in der Gesellschaft.

Runder Tisch gegen sexuellen Kindesmissbrauch

Ausgangspunkt für die Aktivitäten des BMBF war der „Runde Tisch Sexueller Kindesmissbrauch in Abhängigkeits- und Machtverhältnissen in privaten und öffentlichen Einrichtungen und im familiären Bereich“. Um die Betroffenen von Kindesmissbrauch zu unterstützen und sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche vorzubeugen, wurde dieser am 24. März 2010 von der Bundesregierung eingerichtet. Den gemeinsamen Vorsitz übernahmen das Bundesministerium für Bildung und Forschung, das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz und das Bundesfamilienministerium.

Zur Mitwirkung am Runden Tisch waren Vertreterinnen und Vertreter aus der Wissenschaft und aller relevanter gesellschaftlicher Gruppen eingeladen – unter anderem der Kinder- und Opferschutzverbände, der Bundesinitiative der Betroffenen, bundesweiter Zusammenschlüsse von Beratungseinrichtungen für Betroffene, der Familienverbände, der Schul- und Internatsträger, der Freien Wohlfahrtspflege, der beiden großen christlichen Kirchen, des Rechtswesens, des Deutschen Bundestages sowie aus Bund, Ländern und Kommunen. Nach eineinhalb Jahren intensiver Arbeit hat der Runde Tisch am 30. November 2011 seinen Abschlussbericht verabschiedet. Der Bericht enthält zahlreiche Handlungsempfehlungen, unter anderem zu den Bereichen "Leitlinien für Institutionen", "Stärkung der Rechte der Opfer" und "Hilfen für Betroffene". Er widmet sich auch Fragen zur Qualifizierung von Fachkräften, Information und Forschung.