Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt

Kinder stehen unter unserem besonderen Schutz. Wir müssen dafür sorgen, dass sie sicher und geborgen aufwachsen können. Dazu gehört, als Gesellschaft sensibel gegenüber sexuellem Missbrauch zu sein. Sexueller Missbrauch darf kein Tabuthema sein.

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Eine neue Wissenschaftslandschaft

Das BMBF unterstützt gezielt den Aufbau einer nachhaltigen Wissenschaftslandschaft zum Thema sexueller Kindesmissbrauch. Gefördert werden in diesem Zusammenhang Forschungsvorhaben aus Bildung und Gesundheit.

Mit rund 12 Millionen Euro werden im Rahmen der Förderrichtlinie „Forschung zur Prävention sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in pädagogischen Kontexten“ 21 Forschungsvorhaben aus der Bildungsforschung unterstützt. Darunter sind auch fünf Juniorprofessuren, die einen wichtigen Beitrag zur Verstetigung des Forschungsbereichs leisten. Ziel der Förderung in der Bildungsforschung ist es, künftig besser zu verstehen, welche Bedingungen und Strukturen in Bildungs- und Erziehungskontexten Kinder und Jugendliche vor sexualisierter Gewalt schützen – und welche nicht. Zum anderen geht es darum, Schutzkonzepte auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen beziehungsweise wirksame Schutzkonzepte zu entwickeln und diese in der Aus- und Fortbildung von pädagogisch, psychologisch oder aufsichtlich tätigem Personal zu verankern. Dabei spielt auch eine wichtige Rolle, die Qualifikationen und Qualifikationsbedarfe des pädagogischen Personals wissenschaftlich gestützt und für die Praxis konkret zu formulieren. Vor diesem Hintergrund fördert das BMBF im Rahmen des Förderprogramms „Digitale Medien in der beruflichen Bildung“ die Entwicklung und Erprobung webbasierter, qualitätsgesicherter und interdisziplinärer Aus-, Fort- und Weiterbildungsmodule für pädagogische Berufe und Heilberufe.

Mit rund 23 Millionen Euro werden elf interdisziplinäre Forschungsverbünde in der Gesundheitsforschung gefördert. Die Förderung zielt insbesondere ab auf die Erforschung der biologischen, psychischen und psychosozialen Ursachen und Folgen von Gewalt und Missbrauch, der Interventions- und Therapiemöglichkeiten bei Betroffenen und Gefährdeten sowie der Prävention, Diagnostik und Therapie sexueller Präferenz- oder Verhaltensstörungen, die zur Gewaltausübung gegenüber Kindern und Jugendlichen prädisponieren.

Das BMBF unterstützt darüber hinaus die Vernetzung der Forschenden, um einen engen fachlichen Austausch zu ermöglichen. Kennzeichnend für die gesamte Forschung ist außerdem die Einbindung von Praktikerinnen und Praktikern, um die Erarbeitung und Verbreitung des dringend benötigten praxisrelevanten Wissens zu befördern. Die Verbindung der Forschung mit der Praxis ist eine wesentliche Bedingung für das Erreichen der nachhaltigen Verankerung des Schutzes von Kindern und Jugendlichen in der Gesellschaft.

Runder Tisch gegen sexuellen Kindesmissbrauch

Ausgangspunkt für die genannten Aktivitäten des BMBF war der „Runde Tisch Sexueller Kindesmissbrauch in Abhängigkeits- und Machtverhältnissen in privaten und öffentlichen Einrichtungen und im familiären Bereich“. Um die Betroffenen von Kindesmissbrauch zu unterstützen und sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche vorzubeugen, wurde dieser am 24. März 2010 von der Bundesregierung eingerichtet. Den gemeinsamen Vorsitz übernahmen das Bundesministerium für Bildung und Forschung, das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz und das Bundesfamilienministerium.

Zur Mitwirkung am Runden Tisch waren Vertreterinnen und Vertreter aus der Wissenschaft und aller relevanter gesellschaftlicher Gruppen eingeladen – unter anderem der Kinder- und Opferschutzverbände, der Bundesinitiative der Betroffenen, bundesweiter Zusammenschlüsse von Beratungseinrichtungen für Betroffene, der Familienverbände, der Schul- und Internatsträger, der Freien Wohlfahrtspflege, der beiden großen christlichen Kirchen, des Rechtswesens, des Deutschen Bundestages sowie aus Bund, Ländern und Kommunen. Die Plenumssitzungen wurden in drei ressortspezifischen Arbeitsgruppen und mehreren Unterarbeitsgruppen vorbereitet. Nach eineinhalb Jahren intensiver Arbeit hat der Runde Tisch am 30. November 2011 seinen Abschlussbericht ohne Gegenstimme verabschiedet und dem Bundeskabinett vorgelegt. Der Bericht enthält zahlreiche Handlungsempfehlungen, unter anderem zu den Bereichen "Leitlinien für Institutionen", "Stärkung der Rechte der Opfer" und "Hilfen für Betroffene". Er widmet sich auch Fragen zur Qualifizierung von Fachkräften, Information und Forschung. Am 20. Februar 2013 fand eine Bilanzsitzung des Runden Tisches statt. Erörtert wurde der damalige Stand der Umsetzungen der Empfehlungen.