Schwieriger Untergrund: Wasser für Nordvietnam

Eine Region in Vietnam leidet sehr darunter, dass der Boden so gut wie kein Wasser speichern kann. Die Versorgung mit Trinkwasser ist dort deshalb ein großes Problem. Eine neue, vom BMBF geförderte Anlage verspricht nun Abhilfe.

Vertreter des BMBF und der vietnamesischen Regierung weihen die neue Wasserförderanlage für das Dong Van Karst Plateau ein. Die Anlage verbessert die Versorgung von etwa 10.000 Einwohnern der Distrikthauptstadt Dong Van City und umliegender Siedlungen.
Vertreter des BMBF und der vietnamesischen Regierung weihen die neue Wasserförderanlage für das Dong Van Karst Plateau ein. Die Anlage verbessert die Versorgung von etwa 10.000 Einwohnern der Distrikthauptstadt Dong Van City und umliegender Siedlungen. © Heiko Schwegmann/PTKA

Eine sichere und regelmäßige Wasserversorgung ist in vielen Teilen der Welt noch keine Selbstverständlichkeit. Für ca. 10.000 Menschen in der nordvietnamesischen Provinz Ha Giang hat sich die Lebensqualität dank einer neuen Wasserförderanlage entscheidend verbessert. Die im BMBF-geförderten Projekt „KaWaTech“ entwickelte Anlage wurde kürzlich von Vertretern des BMBF und der vietnamesischen Regierung offiziell eingeweiht.

Das Dong Van Karst Plateau in der Provinz Ha Giang im äußersten Norden Vietnams an der Grenze zu China besteht zu etwa 50 Prozent aus verkarstetem Kalkgestein. Das Gestein ist wasserlöslich und extrem durchlässig. Niederschläge können so weitgehend ungehindert im Untergrund versickern. Dadurch existieren nur wenige oberirdische Wasserspeicher. Selbst dort, wo es Flüsse gibt, fließen diese aufgrund der gebirgigen Landschaft mit tiefen Tälern und Schluchten teils Hunderte Meter unterhalb von Ortschaften. Um sie zu nutzen, müssen sowohl unterirdisch als auch oberirdisch große Höhenunterschiede überwunden werden. Der Aufbau einer Wasserversorgung im Dong Van Karst Plateau ist daher sehr schwierig und die Bewohner leiden insbesondere in der mehrmonatigen Trockenzeit unter erheblichem Wassermangel.

Die neue Wasserförderanlage versorgt bis zu 10.000 Menschen.
Die neue Wasserförderanlage versorgt bis zu 10.000 Menschen. © KIT

Um die Wasserversorgung in Dong Van zu verbessern, haben die am BMBF-Förderprojekt KaWaTech beteiligten deutschen und vietnamesischen Partner eine neuartige Wasserfördertechnologie entwickelt. Die für die Überwindung von großen Höhenunterschieden benötigte Energie wird mithilfe eines wasserkraftbetriebenen Pumpsystems gewonnen. Es ist so konzipiert, dass es mit je nach Jahreszeit anfallenden unterschiedlichen Wassermengen betrieben werden kann. Das neue Pumpsystem wurde in eine bereits bestehende Wasserkraftanlage am Seo Ho-Fluss installiert. Der Karstfluss entspringt einem Höhlensystem auf einer Höhe von etwa 930 m und durchquert das Projektgebiet. Ende Oktober wurde die neue Wasserförderanlage von Vertretern des BMBF und der vietnamesischen Regierung offiziell eingeweiht.

Die Anlage stellt für etwa 10.000 Einwohner der Distrikthauptstadt Dong Van City und umliegender Siedlungen etwa 100 Liter Wasser pro Kopf und Tag zur Verfügung. Zwar existiert zumindest in Dong Van City bereits ein leitungsgebundenes Versorgungssystem. Doch gerade in der Trockenzeit gibt es bislang nur sehr unregelmäßig fließendes Wasser. Die langen Versorgungsunterbrechungen wirken sich zudem negativ auf den Zustand der Leitungsnetze und die Wasserqualität aus. Noch schlimmer ist die Situation in den ländlichen Regionen außerhalb der Distrikthauptstadt, wo es keine Wasserleitungen gibt. Dort müssen die Menschen Regenwasser sammeln oder Quellwasser in Kanistern mühsam zu den Haushalten transportieren.

Die KaWaTech-Forschenden entwickeln daher auch Konzepte für die gerechte Verteilung des durch die neue Förderanlage bereitgestellten Wassers sowie die Sanierung der vorhandenen Leitungsnetze. Zusätzlich ist der Bau einer Wasseraufbereitungsanlage im Jahr 2020 geplant, sodass die Bewohner des Dong Van Karst Plateaus nicht nur mehr und häufiger, sondern auch qualitativ hochwertiges Wasser bekommen.

Wasserversorgung in Karstgebieten

Innerhalb des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Verbundprojekts „KaWaTech Solutions“ (Laufzeit: November 2016 bis Oktober 2019) arbeiten deutsche und vietnamesische Partnern aus Universitäten, Forschungsinstituten und Regierungsbehörden zusammen, um im nordvietnamesischen Dong Van Karst Plateau innovative Lösungen für die Wasserversorgung in Karstgebieten zu entwickeln und zu testen. Das Projekt baut auf den Ergebnissen des BMBF-Vorgängerprojekts „KaWaTech“ (Laufzeit: September 2013 bis August 2016) auf und ist Teil der BMBF-Fördermaßnahme „Internationale Partnerschaften für nachhaltige Klimaschutz- und Umwelttechnologien und -dienstleistungen (CLIENT)“.