Sicher, bezahlbar und sauber

230 Partner starten größte Forschungsinitiative zur Energiewende / Wanka: "Erneuerbare Energieversorgung ohne Wohlstandsverlust ist machbar"

Vorstellung der vier ausgewählten "Kopernikus-Projekte: Bundesforschungsministerin Johanna Wanka gibt die vier Kopernikus-Projekte bekannt. © BMBF

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gibt heute die vier ausgewählten "Kopernikus-Projekte für die Energiewende" bekannt. In diesen Projekten werden über einen Zeitraum von zehn Jahren gemeinsam von Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft technologische und wirtschaftliche Lösungen für den Umbau des Energiesystems entwickelt. Mit dem Start der Kopernikus-Projekte geht die größte Forschungsinitiative zur Energiewende in vier Schlüsselbereichen in die Umsetzung: Der Entwicklung von Stromnetzen, der Speicherung überschüssiger erneuerbarer Energie durch Umwandlung in andere Energieträger, der Neuausrichtung von Industrieprozessen auf eine fluktuierende Energieversorgung und dem verbesserten Zusammenspiel aller Sektoren des Energiesystems.

"Wir werden zeigen, dass eine sichere, bezahlbare und saubere Energieversorgung machbar ist, ohne auf Wohlstand und Arbeitsplätze zu verzichten", sagte Bundesforschungsministerin Johanna Wanka. "Bis 2025 bringen wir neue Energiekonzepte auf den Weg, die im großtechnischen Maßstab angewendet werden können – und die auch gesellschaftlich mitgetragen werden."

Die vier Projekt-Konsortien hat ein internationaler und unabhängiger Beirat zur Förderung empfohlen. Wichtige Auswahlkriterien waren die Relevanz für das Energiesystem, Konzeption und die Kompetenz der Partner. Die Projekte müssen interdisziplinär zusammengesetzt sein und Vertreter gesellschaftlicher Interessengruppen einbeziehen.

Die Kopernikus-Projekte haben eine erhebliche Mobilisierungswirkung in Wissenschaft und Wirtschaft entfaltet: Insgesamt haben sich rund 1000 Institutionen in 41 Projektvorschlägen beworben. Jede zweite Institution war hierbei ein Partner aus der Industrie. 230 Institutionen werden nun die Projekte umsetzen.

Die erfolgreichen Projekt-Konsortien sind:

Neue Netzstrukturen (Themenfeld 1): Der Zuschlag geht an das Konsortium ENSURE unter der Leitung von Professor Holger Hanselka des Karlsruher Institut für Technologie, der RWTH Aachen, E.ON, TenneT TSO GmbH, Siemens AG und ABB. Insgesamt sind an diesem Projekt 21 Partner beteiligt. Das Konsortium hat den überzeugendsten Antrag abgeliefert, wie durch eine Kombination von dezentral und zentral erzeugtem Strom die Kosten für den Netzumbau verringert werden könnten.  Nach derzeitigem Stand wird der Netzumbau bis zum Jahr 2025 mit bis zu 34 Milliarden Euro veranschlagt.

Speicherung von Überschussstrom (Themenfeld 2 "Power-to-X"): Den Zuschlag erhielt das Konsortium unter der Führung von Professor Leitner der RWTH Aachen, dem Forschungszentrum Jülich und die DECHEMA Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V.. Insgesamt sind in diesem Projekt 62 Partner beteiligt. Das Projekt möchte die großtechnische Voraussetzungen erarbeiten, um mehr als 90% der zukünftigen Erneuerbare Energien-Überschüsse in Form von chemischen Grundstoffen, gasförmigen Energieträgern und Kraftstoffen zu speichern.

Industrieprozesse (Themenfeld 3): Der Zuschlag ging an das Projekt SynErgie unter der Leitung von Professor Eberhard Abele der Technischen Universität Darmstadt und der Universität Stuttgart, die ein Konsortium von 83 Partnern anführen. Mit dem Projekt SynErgie soll erstmals in Deutschland branchenübergreifend demonstriert werden, wie gerade energieintensive Produktionsprozesse an eine schwankende Energieversorgung angepasst werden können. Durch diese Maßnahmen könnten die Energieversorgungskosten der Industrie bis 2020 um schätzungsweise mehr als 10 Milliarden Euro verringert werden - bei erheblicher Reduzierung der CO2-Emissionen.

Systemintegration (Themenfeld 4): Professor Ortwin Renn vom Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) Potsdam wird das Projekt ENavi zur Systemintegration mit 64 Partnern leiten. ENavi betrachtet die Energiewende als einen gesamtgesellschaftlichen Veränderungsprozess. Auf diesem Wege wird das Projekt dazu beitragen, die Energiewende mit größtmöglicher Akzeptanz voran zu treiben. Die erwarteten Erkenntnisse erlauben zudem eine  Abschätzung des Marktpotentials verschiedener Technologien.

Die vier Konsortien werden in diesem Jahr mit  den Forschungsvorhaben beginnen. Die Projektlaufzeit ist in drei Phasen unterteilt, so dass eine Anpassung an aktuelle Entwicklungen und Forschungsergebnisse möglich ist. Auch innerhalb der Projektphasen werden unabhängige Experten die Fortschritte fortwährend begleiten und evaluieren. Die zunehmende Dynamik und steigende Komplexität im Energiebereich spiegelt sich in der flexiblen Zusammensetzung der Konsortien wider. Aus diesem Grund sollen während der Laufzeit weitere Partner die Möglichkeit erhalten, ihre Expertise in die Konsortien einzubringen. Dazu wird das BMBF zusätzlich eine Ausschreibung im Jahr 2017 veröffentlichen.

Für die erste Förderphase bis 2018 stellt das BMBF bis zu 120 Millionen Euro bereit. Für die Kopernikus-Projekte sind zwei weitere Phasen vorgesehen, die in eine Gesamtlaufzeit von bis zu zehn Jahren münden. Bis 2025 sollen dafür weitere 280 Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden.

Mit dieser langfristigen Ausrichtung ergänzen die Kopernikus-Projekte die bisherige Forschungsförderung der Bundesregierung. Die Projekte starten zunächst mit einem breit angelegten Forschungsansatz, der sich bis 2025 auf die aussichtsreichsten Lösungen fokussieren wird. So soll der Brückenschlag von der Grundlagenforschung bis in die großtechnische Anwendung gelingen.