Sicherheit spielend lernen

In Katastrophenfällen haben es Menschen, die auf fremde Hilfe angewiesen sind, besonders schwer. Doch wer gut vorsorgt, bewältigt auch das größte Chaos wie einen tagelangen Stromausfall. Worauf man dabei achten muss, vermittelt ein einfaches Spiel.

So sehen die Spielscheine beim Sicherheits-Bingo des DRK aus.

© DRK e.V.

Der Blackout kam ohne jede Vorwarnung: Mitten am Tag fiel im Berliner Stadtteil Köpenick urplötzlich der Strom aus. Straßenbahnen blieben auf offener Strecke stehen, Intensivstationen mussten evakuiert werden, und dunkel blieb es am Abend sowieso. Mehr als 30.000 Menschen waren einen ganzen Tag lang abgeschnitten vom Stromnetz. Es war der größte Stromausfall seit Jahrzehnten in der Hauptstadt.

Während sich junge Menschen vor allen Dingen fragten, wie sie ihren Smartphone-Akku wieder aufladen können, hatten alte Menschen ganz handfeste Probleme. Kann der Pflegedienst überhaupt kommen? Reicht das Essen für ein paar Tage? Wie kann ich meine Angehörigen erreichen? All das sind Fragen, die sich hilfsbedürftige Menschen in Katastrophenfällen stellen.

Das vom Bundesforschungsministerium geförderte Projekt „KOPHIS, das vom deutschen Roten Kreuz geleitet wurde, hat sich mit diesen Fragen befasst. Damit das nicht zu langweilig wird, gibt es dabei sogar ein Spiel: das sogenannte „Sicherheitsbingo“. Es ist stark an das normale, nicht nur in Pflegeeinrichtungen beliebte Bingo angelehnt und hat zum Ziel, ältere Menschen, pflegende Angehörige sowie Pflege- und Rettungsdienste zu schulen. Damit im Krisenfall jeder weiß, worauf es ankommt.

Vorträge alleine reichen nicht aus

Das Spiel selbst ist einfach: Aus einer großen Lostrommel werden Zettel gezogen, auf denen je ein Bild zu sehen ist. Statt der sonst üblichen Ziffern kommen kleine Piktogramme zu sicherheitsrelevanten Themen zum Einsatz. Wer das gezogene Bild auf seinem Spielschein findet, darf es abstreichen. Wer seinen Schein zuerst „voll“ hat, gewinnt ein kleines Geschenk. Bei jedem Bild tritt der Spielleiter zu dem jeweiligen Thema in den Dialog mit den Teilnehmenden – zum Beispiel, wie viel Trinkwasser immer parat stehen sollte. Und so heißt es dann: Taschenlampe – Decken – Lebensmittel – Bingo!

Sicherheits-Bingo
Zu jedem Spielereignis gibt der Spielleiter wertvolle Hinweise. © DRK

„Menschen verdrängen gerne, dass etwas Schlimmes passieren kann. Gerade den älteren Menschen erscheint es unwahrscheinlich, dass sie ausgerechnet im Herbst ihres Lebens noch Teil einer Katastrophe werden könnten“, sagt Sicherheitsforscherin Heidi Oschmiansky vom DRK, die das Spiel mitentwickelt hat. Sie weiß um die Vorteile der spielerischen Herangehensweise: „Vorträge und Broschüren sind alleine nicht ausreichend. Außerdem nimmt das Spielerische diesem schwierigen Thema die Härte. Wir schaffen eine Anregung, sich überhaupt einmal damit zu befassen“, so Oschmiansky.

Die Idee dazu stammt übrigens aus Holland, wo ein ähnliches Spiel für die Sicherheit von Kindern erfunden wurde. Dort erhielten die Forschenden von ihren niederländischen Kollegen Einblicke in die Ausbildung von künftigen Bingo-Moderatoren und übernahmen die Erkenntnisse dann in das Spiel für ältere Menschen.

Die Spielscheine stehen zusammen mit allen Erklärungen und einer ausführlichen Anleitung auf den Seiten des Projekts zum Runterladen bereit.

Helfer müssen sich besser vernetzen

Natürlich ist das Sicherheitsbingo nur eines von vielen Ergebnissen im Projekt „KOPHIS“. Ganz allgemein stand die Frage im Fokus: Wie können Rettungs- und Pflegedienste, Polizei und Feuerwehr in Katastrophenfällen besser zusammenarbeiten?

Die Projektidee entstand im Nachgang zum Hochwassersommer 2013. Bei der Bilanz der DRK-Landesverbände wurde schnell klar, dass zwei Punkte zukünftig zentral sein werden. „Erstens steigt die Anzahl der hilfsbedürftigen Personen mit speziellen Unterstützungsbedarfen kontinuierlich an. Und zweitens sind diese Personen meistens nicht in einem speziellen Register erfasst, das heißt: Im Katastrophenfall wissen Helfer oft gar nichts von deren Existenz“, sagt DRK-Verbundkoordinator Matthias Max. „Wir werden in den kommenden Jahren Probleme bekommen, wenn wir uns jetzt keine Gedanken machen wie die Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben sich für spezielle Zielgruppen mit Partnern aus der Zivilgesellschaft, der Wohlfahrt und dem Gesundheitsbereich bedarfsgerecht vernetzen.“ Die Erkenntnisse aus KOPHIS wurden von den ehrenamtlichen Gremien im DRK sehr positiv aufgenommen. Es besteht der große Wunsch diese nun deutschlandweit umzusetzen.