Sicher leben - Forschung für die zivile Sicherheit

Ziel der Bundesregierung ist es, auf mögliche Katastrophen wie Hochwasser, Sturm oder Großunfall besser vorbereitet zu sein. Die Erforschung von neuen Technologien und Strategien hilft, das Leben der Menschen in Deutschland sicherer zu machen.

In der zivilen Sicherheitsforschung werden neue Lösungen entwickelt, um die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger zu erhöhen.
In der zivilen Sicherheitsforschung werden neue Lösungen entwickelt, um die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger zu erhöhen. © BMBF

Ein Haus brennt. Zum Glück sind die Einsatz- und Rettungskräfte schnell vor Ort. Mit Hilfe einer speziellen Drohne, in die eine Infrarotkamera eingebaut ist, können die Brandherde aus der Luft aufgenommen und auf einem kleinen Bildschirm dargestellt werden. Damit hat die Einsatzleitung einen besseren Überblick und kann die Löscheinheiten genauer anweisen. Mit dabei ist auch der Rettungswagen mit dem Telenotarzt. In dem modernen Krankenwagen kann bei komplizierten Verletzungen per Videoleitung über das Internet sofort ein Facharzt zugeschaltet werden. Mit solchen innovativen, im Sicherheitsforschungsprogramm entwickelten Lösungen erhalten Rettungs- und Einsatzkräfte in Zukunft wichtige Unterstützung bei ihrer täglichen Arbeit.

Die Welt um uns verändert sich immer schneller. Durch Globalisierung und Digitalisierung entstehen neue Chancen, aber auch neue Herausforderungen. So sind die Verhinderung und Bekämpfung von Internet-Kriminalität und Terrorismus nur zwei wichtige Aufgabenfelder, die in den letzten Jahren stärker in den Fokus der Forschung gerückt sind. Um besonders wichtige Infrastrukturen wie beispielsweise Verkehrsnetze, Versorgungs- oder Datenleitungen wirksam zu schützen, müssen neue Wege und Lösungen gefunden werden. Deswegen gehört der Schutz Kritischer Infrastrukturen zu den Schwerpunkten der zivilen Sicherheitsforschung.

BMBF fördert neue Sicherheitslösungen

Seit 2007 fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung Projekte, in denen Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen gemeinsam mit Anwendern, wie Feuerwehr, Polizei oder Hilfs- und Rettungsorganisationen an praxisnahen Lösungen forschen, die den Alltag in Deutschland sicherer machen. Bis heute hat das Bundesforschungsministerium dafür rund 650 Millionen Euro an Fördermitteln zur Verfügung gestellt.

Per App können Bürgerinnen und Bürger zu Hilfe gerufen werden, um Einsatzkräfte in Krisen, wie etwa bei einer Hochwasserlage, zu unterstützen. © Berliner Feuerwehr

Das aktuelle Programm „Forschung für die zivile Sicherheit 2018 - 2023“ beschäftigt sich unter anderem mit den Chancen und Potenzialen, die mit der Digitalisierung und künstlichen Intelligenz einhergehen. So sollen zukünftig in Krisenlagen, wie etwa bei Naturkatastrophen oder großen Industrieunfällen, intelligente Roboterfahrzeuge selbstständig in Bereiche vordringen, die für Rettungskräfte bisher nicht erreichbar oder zu gefährlich sind. Um dies zu ermöglichen, fördert das Bundesforschungsministerium zwei Kompetenzzentren, in denen das Wissen und das Know-how von vielen Experten gebündelt werden. Hier wird erforscht, wie Roboter in Zukunft Rettungs- und Katastropheneinsätze sinnvoll unterstützen können. Die Anforderungen an die Roboter sind dabei komplex und vielfältig: Sie könnten den Einsatzort aufklären, wichtige Informationen über Schäden und Verletzte sammeln oder selbst die Bergung von Verletzten und das Beseitigen von Gefahrstoffen übernehmen.

Die Sicherheit im Alltag erhöhen

Die Projekte in der zivilen Sicherheitsforschung sind vielfältig, denn sie beschäftigen sich mit allen Facetten des alltäglichen Lebens der Bürgerinnen und Bürger. Dazu gehört auch die Sicherheit bei Großveranstaltungen wie Fußballspielen oder Konzerten Die Forschung findet dabei sowohl Sicherheitslösungen, für die bessere Planung und Durchführung von Veranstaltungen, als auch für eine schnelle und gefahrlose Evakuierung im Ernstfall. So wurde zum Beispiel eine spezielle Software entwickelt, die die Wege von Besucherinnen und Besuchern auf Großveranstaltungen simuliert. Dabei sieht man auf einem Bildschirm, wie viele Menschen sich voraussichtlich in bestimmten Bereichen aufhalten werden, wohin sich die Menschen bewegen und wo ein zu dichtes Gedränge entstehen könnte. Anhand dieser Simulation können dann die besten Fluchtwege schon im Vorfeld der Veranstaltung identifiziert werden, damit im Notfall alle Besucherinnen und Besucher sicher evakuiert werden können.

Auch die Personenscanner, die Personenkontrollen an Flughäfen schneller und sicherer machen, bauen auf Ergebnissen der zivilen Sicherheitsforschung auf. Diese Scanner können in wenigen Sekunden am Körper versteckte metallische Gegenstände, aber auch Sprengstoffe und andere verdächtige Objekte identifizieren. Hierbei werden dem Sicherheitspersonal auf einem Monitor verdächtige Gegenstände schematisch an einem Piktogramm dargestellt. So bleibt die Privatsphäre der Fluggäste jederzeit gewahrt.

Dank der voranschreitenden Digitalisierung können auch unsere Städte und deren vernetzte Infrastrukturen intelligenter gestaltet werden. Durch digitale Informations- und Kommunikationstechnologien können Bürgerinnen und Bürger eingebunden werden. Gerade bei Großunfällen oder Naturkatastrophen können Rettungskräfte nicht überall und gleichzeitig Hilfe leisten. Hier können Bürgerinnen und Bürger mit entsprechenden Vorkenntnissen Einsatzkräfte unterstützen. In einem Forschungsprojekt wurde deshalb eine App für Mobiltelefone entwickelt, bei der sich Freiwillige mit speziellen Qualifikationen, zum Beispiel einer medizinischen oder handwerklichen Ausbildung, registrieren können. Über die App werden im Notfall die entsprechend benötigten Personen von den Rettungskräften angefragt und zu den Einsatzorten in ihrer Umgebung geschickt, wo sie am dringendsten gebraucht werden.
So sollen diese und viele weitere Innovationen aus der zivilen Sicherheitsforschung möglichst schnell ihren Weg aus dem Labor in die Praxis finden, um sich im alltäglichen Einsatz zu bewähren.