Sicherheitsforschung - Forschung für die zivile Sicherheit

Was kann die Forschung tun, um Katastrophen zu verhindern? Wie kann die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger verbessert werden? Diesen Fragen widmet sich die Sicherheitsforschung in der Hightech-Strategie der Bundesregierung.

Realitätsnahe Szenarien, wie Besuche von Fußballspielen, sind ein wesentlicher Bestandteil der zivilen Sicherheitsforschung. © Thinkstock

Die Globalisierung eröffnet Deutschland vielfältige Zukunftschancen. Wirtschaft und Gesellschaft profitieren von einer umfassenden Einbindung in die internationalen Handels- und Reiseströme, von freien Kommunikationsstrukturen sowie gut ausgebauten Infrastrukturen. Mit diesen Chancen sind aber auch Risiken verbunden. Die zunehmende Komplexität von Energie- und Verkehrsnetzen, Internet und Telekommunikation oder Warenketten für Lebensmittel und Gesundheit führen zu neuen Verwundbarkeiten. Weitere Bedrohungen sind Naturkatastrophen, der weltweit operierende Terrorismus und die organisierte Kriminalität.

Wenn wir zukünftig die individuelle Freiheit, die Unversehrtheit aller Bürgerinnen und Bürger sowie lebenswichtige staatliche und wirtschaftliche Infrastrukturen wirksam sichern wollen, müssen wir neue Wege und Lösungen finden, Herausforderungen dieser Art zu begegnen.

Leben schützen und retten

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Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert seit 2007 mit dem Rahmenprogramm der Bundesregierung "Forschung für die zivile Sicherheit" umfassende Sicherheitslösungen. Diese Lösungen schützen und retten Leben nicht nur im Katastrophenfall, sondern machen auch den Alltag der Menschen sicherer - sei es im Wohnumfeld, im öffentlichen Nahverkehr oder bei großen Veranstaltungen. Seit 2007 wurde über eine halbe Milliarde Euro Fördermittel zur Verfügung gestellt. Zusätzlich hat die Industrie über 110 Millionen Euro an Eigenmitteln investiert.

Fußballspiele und Konzerte

Die Projekte im Rahmen des zivilen Sicherheitsforschungsprogramms beschäftigen sich mit realitätsnahen Szenarien, dazu gehört zum Beispiel die Sicherheit bei Fußballspielen oder Konzerten. Die Forschung konzentriert sich sowohl auf die Prävention von Schäden als auch auf Maßnahmen zur Krisenbewältigung. Damit Sicherheitslösungen auf die Bedürfnisse in der Praxis abgestimmt werden können, arbeiten Forschende aus Natur-, Technik- und Geisteswissenschaften mit Endanwendern, wie zum Beispiel der Polizei und Rettungskräften sowie der Industrie, eng zusammen. Die kontinuierliche Einbeziehung gesellschaftlicher Aspekte spielt hierbei eine zentrale Rolle. Ziel ist es, umfassende Sicherheitslösungen zu erforschen, die die Balance zwischen Sicherheit und Freiheit wahren.

Konkrete Lösungen

Aus dem Sicherheitsforschungsprogramm der Bundesregierung sind konkrete Innovationen hervorgegangen, die sich in der Praxis bewähren. Beispielsweise können Großveranstaltungen nun sicherer geplant und durchgeführt werden. Mit Computeranwendungen werden unter anderem Bewegungsströme von Besucherinnen und Besuchern im Vorfeld einer Veranstaltung simuliert. So können Risiken frühzeitig erkannt, verringert und im Ernstfall die richtigen Entscheidungen getroffen werden.

Auch Flughafenkontrollen können durch neue Lösungen noch sicherer und effektiver werden. Passagiere müssen sich bei der Personenkontrolle in der Regel nicht mehr abtasten lassen. Forscherinnen und Forscher aus München haben im Rahmen des zivilen Sicherheitsforschungsprogramms einen Personenscanner mit Millimeterwellentechnik erarbeitet. Dieser kann in wenigen Sekunden am Körper versteckte Gegenstände identifizieren – gleich, ob diese metallisch oder nicht-metallisch sind. Verdächtige Gegenstände werden dem Sicherheitspersonal auf einem Monitor schematisch an einem Strichmännchen gezeigt. So bleibt die Privatsphäre der Passagiere gewahrt.

Ein anderes Beispiel ist die frühzeitige Erkennung gefährlicher Krankheitserreger: Dank der zivilen Sicherheitsforschung können die Ursachen von Lebensmittelverunreinigungen nun schneller als bisher aufgeklärt werden. Forscherinnen und Forscher aus Bonn, Jena und Berlin erarbeiteten mobile Minilabore, mit denen Lebensmittel vor Ort auf Erreger und deren Konzentration untersucht werden können. Darüber hinaus ermöglicht ein innovatives Softwaresystem die Rückverfolgung der verunreinigten Lebensmittel vom Verbraucher zum Hersteller.

Rettungskräfte können bei einer größeren Katastrophe nicht an allen Orten gleichzeitig helfen. In solchen Fällen sind Freiwillige mit professionellen Vorkenntnissen, die sich in der Nähe aufhalten, eine große Hilfe. Angefragt und koordiniert werden sie durch eine neue App für Mobiltelefone, bei der sich Menschen mit ihren Qualifikationen, zum Beispiel einer medizinischen Ersthelferausbildung, anmelden können.

Notbetrieb in Krankenhäusern

Für ein weiteres Szenario, einen langandauernden, flächendeckenden Stromausfall, wurde in Berlin ein neues Logistik-System für die Kraftstoffversorgung von Notstromaggregaten, etwa für Krankenhäuser und Rettungswagen, entwickelt. Es überwacht den Füllstand der Treibstofftanks und fordert bei Bedarf automatisch Treibstofflieferungen an. Das System hilft, den Notbetrieb in Krankenhäusern und bei Rettungsdiensten aufrechtzuerhalten.