Sie fragen – wir antworten

"Wieso gibt es kein einheitliches Schulsystem? Wie gelingt Inklusion in Schulen? Warum sind Ganztagsschulen sinnvoll?" Täglich erreichen uns Fragen von Bürgerinnen und Bürgern zum Thema Bildung, Aus- und Weiterbildung. Hier gibt es einige Antworten.

Sie fragen? Besuchen Sie uns, rufen Sie an oder schreiben Sie uns. © BMBF

Ob frühkindliche Förderung, Digitalisierung der Schulen, Qualifizierung von Lehrkräften, Studium und Lehre, Ausbildung, Beruf oder Weiterbildung: Unsere Aufgaben als Bundesbildungsministerium umfassen alle Abschnitte des Lebens. Mit Bildung bereiten wir uns und unsere Kinder auf die Herausforderungen einer sich rasch verändernden, stark globalisierten Welt vor. Viele dieser Herausforderungen – wie die Digitalisierung oder den Einsatz von Künstlicher Intelligenz – können wir nur als Gesellschaft angehen. Daher wollen wir mit Ihnen im Gespräch bleiben: Ob auf Veranstaltungen, per E-Mail, Brief oder Telefon – stellen Sie uns Ihre Fragen. Hier finden Sie einen ersten Überblick:

Einheitliches Schulsystem in Deutschland! Woran hakt es?

Schule ist in Deutschland Ländersache. Das regelt das Grundgesetz. Die Länder arbeiten in der Kultusministerkonferenz zusammen – etwa bei gemeinsamen Standards fürs Abitur, der Lehrerbildung usw. Trotzdem gibt es bei  Transparenz, Qualität und Vergleichbarkeit noch Schwierigkeiten – im gesamten Bildungswesen und nicht nur in der Schule. Deshalb sieht der aktuelle Koalitionsvertrag die Einrichtung eines Nationalen Bildungsrates vor. Damit sollen die Bildungschancen in Deutschland im gemeinsamen Schulterschluss von Bund und Ländern verbessert werden. Daran arbeiten wir gerade mit den Ländern.

Bitte vergessen Sie nicht die frühkindliche Bildung in Kindertagesstätten. Hier werden viele Grundlagen gelegt, die für die schulische Ausbildung von hoher Bedeutung sind.

Wir vergessen niemanden! Hier gilt das Motto: „Je früher, desto besser.“ Das BMBF unterstützt etwa die Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte „WIFF“, die die Qualität der Aus-und Weiterbildungsangebote verbessert. Außerdem setzen wir auf frühe Sprach- und Leseförderung und mit dem „Haus der kleinen Forscher“ darauf, frühzeitig das Interesse für MINT zu wecken.

Weshalb Ganztag? Viele Kinder/Jugendliche kommen in dem System nicht klar.

Ganztagsangebote sind ein Beitrag zur Chancengerechtigkeit. So bekommen alle Kinder und Jugendlichen die Möglichkeiten,  individuell gefördert zu werden – unabhängig davon, was ihre Eltern leisten können. Der Koalitionsvertrag sieht einen individuellen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung im Grundschulalter ab dem Jahr 2025 sowie ein entsprechendes Investitionsprogramm des Bundes (Finanzhilfen) in Höhe von zwei Milliarden Euro vor. Selbstverständlich können sich Eltern für oder gegen ein solches Angebot entscheiden.

Zum Thema Handwerk: Ausbildungsbetriebe beklagen, dass viele Schulabgänger zu Beginn der Ausbildung wesentliche, elementare Fähigkeiten (Deutsch, Mathe, …) nicht mitbringen. Was muss da passieren?

Solide Kompetenzen in Deutsch und Mathematik sind unverzichtbare Grundlage für eine Ausbildung. Wir müssen gezielt und individuell jene fördern und fordern, die hier Defizite haben. Schulen und Lehrkräfte haben hier eine hohe Verantwortung. Seitens des Bundes versuchen wir aber zu unterstützen – etwa mit der „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ im Hinblick auf die Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte, bei der Entwicklung von Sprach- bzw. Leseförderungsangeboten oder beim Übergang von der Schule in die Ausbildung.

Soweit ich das beurteilen kann, ist das Schulsystem […] eigentlich irrelevant. Beispielsweise sind die Schulen im „strengen“ Asien und „liberalen“ Skandinavien besonders gut. Ist es dann wirklich sinnvoll, sich ständig darüber zu streiten?

Die Debatten über die Struktur der Schulen seit den 1970er Jahren haben nur wenig zum Fortschritt des Bildungswesens beigetragen. In der Tat sagt grundsätzlich die Struktur eines Schulsystems wenig bzw. nur bedingt etwas darüber aus, wie leistungsfähig oder gerecht dieses System ist. Das bestätigen auch internationale Vergleichsstudien. Zwischenzeitlich sind glücklicherweise in den Ländern die alten Debatten weitgehend beigelegt – und man konzentriert sich auf wichtige Fragen wie zum Beispiel Qualitätssicherung an Schulen oder in der Lehrerbildung. Hier findet auch ein Lernprozess untern den Ländern in Deutschland statt.

Müssen wir nicht weg von einem Leistungszwang, der selektiert, und hin zum Erkennen von Begabungen, damit ein wertschätzender Umgang eine angstfreie Teilhabe ermöglicht?

Wir haben die Vorstellung von einem leistungsgerechten Bildungssystem, das alle mitnimmt und niemanden zurücklässt. Das heißt: Jede und jeder muss entsprechend ihrer bzw. seiner Begabung gefördert und gefordert werden. Das gilt für Schwächere und solche mit schwierigen Startchancen ebenso wie für Stärkere oder besonders Begabte. Unser Bildungssystem in Deutschland kennt viele Wege, die weiterführen – und keine Sackgassen. Wir sollten daran weiterarbeiten, dass es in allen Lebensetappen gute, neue Chancen gibt, sich weiterzuentwickeln. Wichtig ist uns dabei auch, dass berufliche und akademische Bildung gleichwertig sind und entsprechend auch beide gleich wertgeschätzt werden.

Was braucht es in der Lehrer*innen-Ausbildung, um Inklusion und gemeinsames Lernen zu gewährleisten, ohne die unterschiedlichen Begabungen zu missachten?

Lehrkräfte müssen flexibel, individuell und innovativ auf die unterschiedlichen Voraussetzungen und Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen eingehen. Das ist eine Herausforderung angesichts zunehmender Komplexität und Vielfalt der Gesellschaft. Mit der „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ verbessern wir gemeinsam mit den Ländern die Lehrerbildung bis in die berufliche Einstiegsphase und Weiterbildung. Darin gibt es unter anderem den Schwerpunkt „Diversität und Heterogenität, Inklusion“ – mit 25 Projekten in elf Ländern; hinzukommen nun die Schwerpunkte „Digitalisierung“ und „Lehrerausbildung für die beruflichen Schulen“. Das Programm läuft seit 2013. Bund und Länder wollen dafür bis 2023 bis zu 500 Millionen Euro bereitstellen.

Wie schaffen wir es, digitale Bildung zu ermöglichen und so nicht (noch mehr) Gruppen der Bevölkerung von Bildungsteilhabe abzuhängen?

Gute digitale Bildung basiert auf dem gleichberechtigten Zugang zu Bildung und zielt darauf ab, eine digitale Spaltung („digital divide“) der Bevölkerung zu verhindern. Entscheidend ist dabei, dass die Menschen in Deutschland Computer, Tablets und Smartphones nicht nur zu Unterhaltungszwecken nutzen, sondern auch für die eigene Aus- und Weiterbildung. In der Schule setzen wir dieses Ziel mit dem DigitalPakt Schule um: Der Bund investiert über einen Zeitraum von fünf Jahren fünf Milliarden Euro in die digitale Ausstattung der Schulen, und die Länder setzen digitale Bildung um, passen die pädagogischen Konzepte an und qualifizieren die Lehrerinnen und Lehrer.

Welche Bedeutung schreiben Sie der informellen Bildung zu?

Bildung ist mehr, als bei PISA gemessen wird. Deshalb messen wir z. B. der kulturellen Bildung eine ganz wichtige Bedeutung bei, denn sie ermöglicht in besonderem Maße gesellschaftliche Teilhabe und die Stärkung nicht-kognitiver Kompetenzen. Mit „Kultur macht stark“, der Förderung kultureller Wettbewerbe oder der Forschung zu kultureller Bildung setzt das BMBF hier wichtige Akzente. Auch in der beruflichen Bildung gilt es, das Potenzial aller Menschen zu erschließen und bessere Wege in den Arbeitsmarkt zu eröffnen. Das ist besonders wichtig, da in Deutschland rund zwei Millionen Menschen im Alter zwischen 20 und 34 Jahren ohne formalen Berufsabschluss leben. Das BMBF ist daher an der Pilotinitiative „ValiKom“ beteiligt. Dabei geht es darum, Kompetenzen anzuerkennen, die außerhalb der Schulen und Bildungsstätten erworben wurden.

Deutschland gibt im Ländervergleich wenig für Bildung aus. Liegt das Problem an der stiefmütterlichen Behandlung von Bildung in der Politik?

Das stimmt so nicht! Betrachtet man die Ausgaben je Bildungsteilnehmer, zeigt sich, dass Deutschland seit Jahren sogar über dem Durchschnitt der OECD-Staaten liegt. Der Anteil der Bildungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt lag 2016 bei 6,4 Prozent – und damit deutlich (gut zwei Prozentpunkte) über dem OECD-Indikator aus dem internationalen Vergleich. Bildung und Forschung genießen für uns hohe Priorität: Der Etat des BMBF beträgt 2019 18,3 Milliarden Euro – so viel wie nie zuvor.