"Sie haben die richtigen Weichen für die Zukunft gestellt"

Grußwort des Parlamentarischen Staatssekretärs bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Michael Meister (MdB), anlässlich der festlichen Verabschiedung von Herrn Prof. Dr. Strohschneider als Präsident der DFG am 16.12.2019 in Berlin.

Verabschiedung DGF-Präsident
"Es war Ihnen ein besonderes Anliegen, die zunehmende Relevanzerwartung an Wissenschaft und Forschung zu hinterfragen und vor allen Nützlichkeits- und Zweckerwägungen für die „Zirkulation der besten Ideen“ zu werben,", so Michael Meister in seiner Rede. © BMBF/Hans-Joachim Rickel

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrter Herr Professor Strohschneider,

sehr geehrter Herr Minister Wolf,

sehr geehrter Herr Professor Allgöwer,

meine sehr verehrten Damen und Herren,

zunächst möchte ich Ihnen die herzlichsten Grüße von Frau Ministerin Karliczek übermitteln, die leider heute verhindert ist.

„Ritterromantische Versepik im ausgehenden Mittelalter“ – schon der Titel Ihrer vor nunmehr 33 Jahren veröffentlichten Dissertation macht deutlich, wo Ihre wissenschaftliche Heimat liegt: Bei den Burgen und Rittern, den Kreuzzügen und natürlich auch dem Minnesang.

Der unbefangene Betrachter mag hierin zunächst wenig Bezug zu Ihrem späteren Amt als „Deutschlands mächtigstem Wissenschaftsmanager“ sehen, wie die Presse Sie einmal geadelt hat.

Bei genauerem Hinsehen aber wird deutlich: Manches, lieber Herr Professor Strohschneider, haben Sie in der Ihnen eigenen Kreativität dem Kulturfundus des Mittelalters entlehnt und – ganz im Sinne des Transfergedankens – dem Amt des Präsidenten der DFG anverwandelt.

Ich erinnere dabei nur an Ihre Kreuzzüge gegen die Gefährdung einer freien Wissenschaft durch Populismen, den ubiquitär zu konstatierenden Vertrauensverlust in die Wissenschaft und nicht zuletzt gegen den „sprachlichen Plastikmüll“.

Sie haben oft mit seismographisch feinem Gespür die kommenden „großen Themen“ lange im Vorhinein erahnt, haben Debatten initiiert und maßgeblich geprägt.

Der Preis für die beste Rede des Jahres 2017 – vergeben vom Seminar für Allgemeine Rhetorik der Universität Tübingen – hat Ihren Spürsinn für das wirklich Relevante und Ihre besondere rhetorische Kunstfertigkeit belohnt und Ihnen auch die Aufmerksamkeit einer breiten Öffentlichkeit erschlossen.

Wenn unser Bundespräsident in seiner im November gehaltenen Rede vor der Hochschulrektorenkonferenz angemahnt hat, es fehle gegenwärtig in unserem Land an „Streitkultur“, dann hatte er als Leitbild vielleicht Sie, lieber Herr Strohschneider, vor Augen:

Sie sind uns allen ein leuchtendes Beispiel dafür, wie man den Wettstreit um die besten Ideen und Argumente mit „Schärfe, Polemik und Witz“ (so Bundespräsident Steinmeier) führen sollte.

Sie sind kein Freund der „Verhausung“ im Elfenbeinturm der Wissenschaft, sondern treten scharfsinnig, scharfzüngig und mit Leidenschaft öffentlich ein für die Grundwerte einer freien Wissenschaft und deren gesamtgesellschaftliche Verantwortung.

Sie haben daher als Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft Ihr Amt immer auch als ein im emphatischen Sinne politisches Amt verstanden und haben sich meinungsstark in den öffentlichen Diskurs eingebracht.

Sie haben auch ganz gezielt den regen Austausch mit der Politik gesucht. Und hier haben Sie – geradezu als Gegenstück zu den erwähnten Kreuzzügen – mit größter Eleganz die hohe Kunst des Minnesangs zum Einsatz gebracht:

Die Herzen der Ministerinnen für Bildung und Forschung in Ihrer Amtszeit haben Sie jedenfalls mit Ihrem rhetorischen Charme – fast immer – im Sturm erobert. Oder wie Ministerin Karliczek es einmal formuliert hat: „Herr Strohschneider, ich höre Sie einfach so gerne reden.“

Sie haben die DFG einmal in einer Rede – gewiss cum grano salis – als „Entscheidungsmaschine“ bezeichnet, die in der Bewertung von Förderanträgen „wissenschaftliche Urteilskraft organisiere“. Hinter diesem technokratisch-spröden Understatement verbirgt sich gewiss viel Wahres.

Aber mit Blick darauf, was Sie in Ihrer siebenjährigen Amtszeit mit der DFG und für die DFG alles erreicht haben, wird deutlich, dass diese Einrichtung für Sie natürlich ungleich viel mehr ist. Nicht nur die zentrale Förderorganisation der deutschen Wissenschaft, sondern vor allem auch eine prägende Kraft des gesamten deutschen Wissenschaftssystems.

Gleich im ersten Jahr Ihrer Amtszeit haben Sie mit dem vielbeachteten „Positionspapier der DFG zur Zukunft des Wissenschaftssystems“ eine grundsätzliche „Zukunftsdebatte“ angestoßen. Diese Debatte hat Ihre gesamte Amtszeit programmatisch begleitet.

Im Titel des Papiers zeigte sich bereits ein Gestaltungsanspruch, der weit über die DFG hinausreicht. Sie haben Ihre Rolle als Präsident nie auf die Binnenorganisation beschränkt. Ihnen ging es immer auch – und vor allem – um den Blick aufs Ganze:

Das deutsche Wissenschaftssystem in seiner internationalen Verflechtung und im Besonderen um die Funktionen der DFG in diesem System.

Insofern war es ein besonderer Gewinn, dass Sie Ihr Wissen und Ihre Erfahrung aus der Zeit als Vorsitzender des Wissenschaftsrates in Ihre neue Rolle integrieren konnten.

Es war Ihnen immer wichtig, dass die Stimme der DFG nicht nur im wissenschaftlichen, sondern auch im politischen und gesellschaftlichen Diskurs gehört wird. Sie haben die Rolle der DFG als starke integrative Kraft im Wissenschaftssystem gestärkt.

Mit besonderem Dank möchte ich an dieser Stelle nochmals an Ihr herausragendes Engagement für die Exzellenzinitiative und später die Exzellenzstrategie erinnern.

Sie kennen die Exzellenzwettbewerbe wie kein anderer, Sie waren von Anfang an in Ihren verschiedenen Funktionen mit großem Einsatz dabei.

Auch innerhalb der DFG haben Sie in Ihrer Amtszeit beharrlich modernisiert und reformiert: So haben Sie großes Augenmerk auf die Neuordnung des Förderangebots und der Antragsverfahren gelegt.

Mit Weitsicht und Augenmaß haben Sie das Förderportfolio grundsätzlich neustrukturiert, harmonisiert und dadurch stärker am Bedarf orientiert.

Die Modularisierung der Förderformate und die Schaffung von „Förderräumen“ haben die Flexibilität und Offenheit des Förderangebots deutlich erhöht.

Bei aller Zukunftsgewandtheit lag Ihnen aber immer die traditionsbewusste Wahrung des Markenkerns der DFG besonders am Herzen:

Keine Kompromisse

1) bei der Förderung nach dem Prinzip wissenschaftlicher Exzellenz,

2) dem sogenannten „Response Mode“, und

3) bei der Betonung des Eigenwerts erkenntnisgeleiteter Forschung.

Es war Ihnen ein besonderes Anliegen, die zunehmende Relevanzerwartung an Wissenschaft und Forschung zu hinterfragen und vor allen Nützlichkeits- und Zweckerwägungen für die „Zirkulation der besten Ideen“ zu werben.

Im kommenden Jahr feiert die DFG ihr 100-jähriges Bestehen. Freuen wir uns auf die Jubiläumskampagne „DFG 2020“! Das Motto der Kampagne: „Für das Wissen entscheiden!“ ist so politisch-aktuell und gesellschaftsrelevant wie man es sich nur wünschen kann.

Wir in Deutschland sind stolz auf unsere DFG und wir wissen, dass wir international sehr um diese Einrichtung beneidet werden.

Sie, lieber Herr Professor Strohschneider, haben in den vergangenen sieben Jahren sehr vieles dazu beigetragen. Sie haben die richtigen Weichen für die Zukunft gestellt. Exemplarisch sei hier nur die finanzielle Planungssicherheit für die kommenden 10 Jahre dank des Paktes für Forschung und Innovation IV genannt, den Sie maßgeblich mitgeprägt haben.

Sie übergeben ein gut bestelltes, wetter- und zukunftsfestes Haus. Die DFG ist in guter Verfassung.

Ein Glanzstück Ihrer Metaphorik will ich hier zum Abschluss noch zitieren: Die DFG sei, so sagten Sie, in ihrer Organisationsform eine „basisdemokratische Monarchie“.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, Ihrer Nachfolgerin – sehr geehrte Frau Professor Becker – und natürlich der gesamten DFG eine glückliche Übergabe des Zepters und des Reichsapfels.

Ich wünsche Ihnen, lieber Herr Professor Strohschneider, persönlich alles erdenklich Gute für Ihre Zeit nach der DFG und uns allen, dass Sie uns als starke und beredte Stimme im öffentlichen Wettstreit um die besten Argumente und einer freien und offenen Wissenschaft weiterhin erhalten bleiben.