"Simulation und Datenanalyse - Brücke über die Grenzen der Erkenntnis"

Grußwort des Parlamentarischen Staatssekretärs bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Thomas Rachel, anlässlich des JARA-Forums 04 in Berlin

Thomas Rachel während seiner Rede © PHIL DERA

Sehr geehrter Herr Staatssekretär Dr. Grünewald,
sehr geehrter Herr Professor Schmachtenberg,
sehr geehrter Herr Professor Marquardt,
sehr geehrter Herr Professor Schneider,
sehr geehrte Damen und Herren,

ich freue mich, bei dem mittlerweile zur guten Tradition gewordenen JARA-Forum wieder dabei sein und Sie hier in Berlin begrüßen zu dürfen.

„Simulation und Datenanalyse – Brücke über die Grenzen der Erkenntnis“ ist das diesjährige Motto. Damit zeigen Sie einen ganz entscheidenden Wandel in unserer Gesellschaft und der Wissenschaft auf.

Lange Zeit – ja bis weit in das 20. Jahrhundert hinein – war der Begriff der Simulation in seiner Bedeutung negativ belegt. Heucheln oder etwas vortäuschen oder vorspiegeln sind nur einige Inhalte, die jahrhundertelang die Definition von Simulation prägten. Dies hat sich in den letzten Jahrzehnten dank der Möglichkeiten, die uns die Informations- und Kommunikationstechnologien eröffnen, ganz entscheidend gewandelt. Wir hören heute hier einen ganzen Abend in großer Vielfalt von exzellenten Wissenschaftlern, wie sie simulieren und damit die Grenzen der Erkenntnis verschieben. Es ist ganz klar, die Simulation hat ihren negativen Beigeschmack verloren.

Sie hat sich mittlerweile zur dritten Säule der Wissenschaft, neben dem Experiment und der Theoriebildung, entwickelt. Und sie wird immer wichtiger. Sie eröffnet uns heute völlig neue Horizonte in der Forschung. Sie ist ein unverzichtbares Werkzeug für Wissenschaft und Industrie. Und sie wird bei der Lösung der großen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit ein entscheidender Erfolgsfaktor sein werden.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

Deutschland gehört zu den weltweit führenden Standorten der simulationsgestützten Wissenschaften und der Simulationswissenschaften. Und das soll und muss auch so bleiben.

Zwar setzen Simulationen nicht immer enorme Rechenkapazitäten voraus. Der Großteil der Simulationen wird heute in Forschung und Entwicklung an „normalen“ Rechnern durchgeführt. Der Einsatz von Hoch- und Höchstleistungsrechnern ist aber für die Lösung komplexer Fragestellungen zum Beispiel in den Bereichen Klima und Umwelt, den Lebenswissenschaften oder den Ingenieurswissenschaften mittlerweile unerlässlich. Nicht umsonst ist es der Bereich HPC-JARA, der diese Veranstaltung hier ausrichtet.

Und die Jülich Aachen Research Alliance hat für die Simulation auf Hoch- und Höchstleistungsrechnern beste Voraussetzungen. Erst im Juni [dieses Jahres] hat die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz auf Empfehlung des Wissenschaftsrats den Aufbau des neuen Rechenclusters CLAIX an der RWTH beschlossen. Damit stehen rund 22 Mio. €, 11 Mio. € vom Bund und 11 Mio. € vom Land Nordrhein-Westfalen, für einen neuen Hochleistungsrechner als wichtiges Element in der JARA-Kooperation zwischen der RWTH und dem Forschungszentrum Jülich bereit. Der neue Rechner wird ein wichtiges Instrument vor allem für die Ingenieurswissenschaften in Aachen sein.

Auch im Bereich des Höchstleistungsrechnens ist die Allianz hervorragend aufgestellt. Mit dem Forschungszentrum Jülich ist ein führendes Zentrum für Höchstleistungsrechnen in die Allianz integriert. Deutschlands leistungsfähigstes frei zugängliches Rechnersystem wird in Jülich betrieben. Und nicht nur das, Jülichs Höchstleistungsrechner gehören seit vielen Jahren im Verbund des Gauß Centres for Supercomputing zu den TOP 10 der Weltrangliste.

Und wir sind dabei, zusammen mit den drei Sitzländern des Gauss Centre for Supercomputing dafür zu sorgen, dass das auch in Zukunft so sein wird.

Meine Damen und Herren,

das Höchstleistungsrechnen und die Simulationen tragen dazu bei, Deutschlands Spitzenstellung in den Schlüsseltechnologien auszubauen. Es macht uns zum Vorreiter beim Angehen globaler Herausforderungen – in den Bereichen Klima/Energie, Gesundheit/Ernährung, Mobilität, Sicherheit und Kommunikation. Gleichzeitig ist es ein kritischer Erfolgsfaktor für unsere Wissenschaftslandschaft und für viele Bereiche unserer Industrie. Kurz gesagt: Höchstleistungsrechnen und Simulationen auf Höchstleistungsrechnern sind essentiell für den Erhalt und den Ausbau der Wettbewerbsfähigkeit des Innovationsstandorts Deutschlands.

Das BMBF ist sich seiner Verantwortung dafür bewusst und wird sich auch künftig dafür engagieren, dass Wissenschaft und Forschung auf weltweit konkurrenzfähige Infrastrukturen zugreifen können, um durch Simulationen zu neuen gesellschaftlich relevanten Erkenntnissen zu kommen.

Dabei dürfen wir alle gemeinsam aber nicht aus den Augen verlieren, dass auch die beste Simulation ihre Grenzen hat. Es liegt dabei vor allem bei den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die simulationsbasiert forschen, ihre Ergebnisse sorgfältig und differenziert zu bewerten und zu kommunizieren. Denn den Wandel hin zu einer positiven Bedeutung des Simulationsbegriffs für die Wissenschaft und die Gesellschaft sollten wir nicht leichtfertig gefährden.

Aber jetzt erst einmal,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

wünsche ich Ihnen einen spannenden Abend!