„Smart Pants“: Die Intelligenz sitzt in der Hose

Ein Forscherteam entwickelt eine intelligente Hose, die nach einer Operation beim Wiedererlernen des „normalen“ Gangs hilft. Eine Software übersetzt Bewegungen in Töne und Vibrationen: Wer unsymmetrisch geht, bekommt das zu spüren und zu hören.

Die intelligente Hose ermöglicht es, Bewegungen direkt und in Echtzeit auf dem Computer sichtbar zu machen.

© AG wearHEALTH

Nach einer Operation mit Gelenkersatz wieder richtig gehen zu lernen, kann Monate dauern. In der Reha können Ärzte und Physiotherapeuten dazu nur den Grundstein legen. Im Alltag sind Patientinnen und Patienten oft auf sich allein gestellt. Eine häufige Folge: Fehlerhafte Belastungen oder Schonhaltungen, die zu neuen Erkrankungen führen können. Seinen Gang verbessern kann jedoch nur, wer regelmäßig Rückmeldung darüber erhält.

Gabriele Bleser von der Technischen Universität Kaiserslautern leitet das Projekt. © AG wearHEALTH

Helfen soll hierbei eine intelligente Hose, die über integrierte Sensoren und eine Software den Gang auswertet und den Trägerinnen und Trägern in Echtzeit Rückmeldung gibt. An dieser Idee arbeitet eine Forschergruppe an der Technischen Universität Kaiserslautern im Projekt „wearHEALTH“ gemeinsam mit dem Institut für Biomechanik der Rehaklinik Lindenplatz.

„Die Hose soll über Töne, Sprache und Vibrationen am Körper mit dem Träger kommunizieren, so dass dieser sein Gangbild verbessern kann“, sagt Projektleiterin Gabriele Bleser. Und so heißt es bald: „Ob du wirklich richtig gehst, weißt du, wenn der Ton angeht“. Noch offen ist, ob es dabei Melodien, Einzeltöne oder gar Sprachnachrichten „aufs Ohr“ gibt.

Die Hosen kommen aus Japan

Das wearHEALTH Team, das aus dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz hervorgegangen ist und vom Bundesforschungsministerium gefördert wird, muss bei der Entwicklung des Systems bis nach Japan schauen. Denn die Forschenden entwickeln die Auswerteverfahren und Benutzerschnittstelle, nicht aber die passende Hardware – also die Hose. Seit Ende 2018 arbeitet die Gruppe deshalb mit dem Startup Xenoma aus Tokio zusammen, das für die Integration von Sensorik in alltagstaugliche Kleidung steht. In Kaiserslautern werden die Hosen mit der neuen Software verbunden. Der erste Prototyp wird seit dem 8. Januar auf der Elektronikmesse in Las Vegas präsentiert.

Die Sensorik ist komplett in die Hose integriert, und diese ist immer noch bequem zu tragen. Denn nur eine wirklich alltagstaugliche Hose, die von den Patienten alleine angezogen und bequem getragen werden kann, bringe einen echten Mehrwert, so Bleser.

Die Kooperation mit Xenoma ist ganz frisch. Der erste Prototyp der e-skin Hose wurde erst Ende 2018 nach Kaiserslautern geliefert. Dieser kann die Bewegungen des Trägers messen und in Bilder übersetzen. Weitere Rückmeldungen zum Gang wollen die Forschenden noch hinzufügen.