So entsteht aus Luft und Grünstrom klimafreundlicher Kraftstoff

Autos, Lastwagen und Flugzeuge: Die meisten Verkehrsmittel werden noch lange auf Kraftstoffe angewiesen sein. Das Kopernikus-Projekt P2X betreibt deshalb eine Anlage zur Produktion einer klimafreundlichen Alternative.

Der Stolz der Entwickler steckt in einem unscheinbaren weißen Container. Er steht auf dem Gelände des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und ist die weltweit erste Anlage dieser Art. Seit August 2019 produziert sie aus der Umgebungsluft und mittels Grünstrom ein Kraftstoffgemisch aus Diesel, Benzin und Kerosin – wahlweise aber auch Treibstoffe in Reinform. Für den Anfang lieferte die Anlage mit zehn Litern am Tag zwar gerade einmal genug Sprit für eine Spritztour, das Nachfolge-Modell allerdings soll bereits 2022 die zwanzigfache Menge herstellen können und wird im Rahmen der nun gestarteten zweiten Phase des Kopernikus-Projektes P2X aufgebaut. Anschließend ist die Entwicklung bis ins vorindustrielle Stadium geplant: Ziel ist eine dritte Versuchsanlage 2025, die zwischen 1.500 und 2.000 Litern Kraftstoff täglich produziert.

Wie der komplexe Prozess verläuft, offenbart ein Blick in das Innere des Containers. Zunächst filtert die Anlage klimaschädliches Kohlenstoffdioxid (CO2) aus der Umgebungsluft, um es anschließend für die Herstellung von Kraftstoff zu nutzen. Die Technik dafür entwickelte Climeworks, ein Ableger-Unternehmen der ETH Zürich. In der zweiten Phase werden CO2 und Wasserdampf mit einer Technologie des Energieunternehmens Sunfire in Wasserstoff und Kohlenmonoxid gespalten. Aus dem hierbei entstandenen Gasgemisch werden in Phase drei lange Kohlenwasserstoff-Ketten mit einem Verfahren der KIT-Ausgründung Ineratec gebildet. Das KIT entwickelte das letzte der vier Module. Es spaltet die festen, langkettigen Kohlenwasserstoffe so auf, dass sie für die Herstellung von Benzin-, Kerosin- und Diesel-Kraftstoffen genutzt werden können.

Weltweit, effizient, sauber

Das Besondere an dem integrierten Konzept sind nicht nur die außergewöhnlich klimafreundlichen Bestandteile des Kraftstoffs, sondern auch seine Effizienz. Aktuelle gehen die Projektpartner davon aus, dass rund 60 Prozent der Energie in dem sauberen Kraftstoff gespeichert werden kann. So ließe sich an sonnen- und windreichen Standorten weltweit CO2-neutraler Kraftstoff in großen Mengen produzieren. Die auf diesem Weg hergestellten Treibstoffe werden zudem deutlich sauberer verbrennen.