Sofja-Kovalevskaja-Preise für fünf junge Forschende

Fünf internationale Forschertalente haben heute in Berlin die Sofja-Kovalevskaja-Preise erhalten. Mit dem Preisgeld können sie fünf Jahre lang in Deutschland arbeiten und eine eigene Forschungsgruppe aufbauen.

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek und Hans-Christian Pape, Präsident der Humboldt-Stiftung, haben heute zwei Wissenschaftlerinnen und drei Wissenschaftler mit den Sofja-Kovalevskaja-Preisen ausgezeichnet. Die Preise werden vom Bundesforschungsministerium finanziert und sind jeweils mit bis zu 1,65 Millionen Euro dotiert. Mit dem Preisgeld können die Forschenden fünf Jahre lang ohne administrative Zwänge an einer selbst gewählten Hochschule oder Forschungseinrichtung in Deutschland arbeiten und eigene Arbeitsgruppen aufbauen.

„Ohne internationale Zusammenarbeit und Vernetzung sind Fortschritte in Wissenschaft und Forschung nur noch schwer denkbar. Wir stehen heute vor vielen Aufgaben, die uns alle angehen: Klimawandel, Demografie oder Migration sind einige Stichworte.  Um Lösungen dafür zu finden, brauchen wir internationale Forschungsgruppen, die unterschiedliche Perspektiven zusammenbringen“, sagt Bundesforschungsministerin Anja Karliczek bei der Preisverleihung. „Sie, liebe Preisträgerinnen und Preisträger, leben Mobilität und weltweiten Austausch. Sie sind für die Wissenschaft in Deutschland ein großer Gewinn.“

Das sind die Preisträgerinnen und Preisträger

Aydan Bulut-Karslioglu

© BMBF/Hans-Joachim Rickel

Die Molekularbiologin kommt von der University of California, USA, an das Berliner Max-Planck-Institut für molekulare Genetik. Dort wird sie erforschen, wie das Genom von Embryos bereits während der Schwangerschaft durch Umwelteinflüsse geprägt wird. Die metabolisch-epigenetischen Zusammenhänge bei der Zelldifferenzierung bis hin zur Entwicklung von Organen sind bislang noch weitgehend unbekannt. Bulut-Karslioglu wird sich mit diesen Vorgängen befassen und insbesondere zum pluripotenten Zellstadium forschen, in dem sich Zellen noch zu allen Zelltypen entwickeln können.  

Kenji Fukushima

© BMBF/Hans-Joachim Rickel

Der Evolutionsbiologe kommt von der University of Colorado Denver, USA, an die Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Als Sofja Kovalevskaja-Preisträger wird er an neuen molekulargenetischen Werkzeugen arbeiten, die die Funktion bestimmter Gene in fleischfressenden Pflanzen analysieren können. Seine Forschung hilft nicht nur die Evolution der fleischfressenden Pflanzen zu verstehen. Sie beleuchtet grundsätzliche Prozesse, wie sich komplexe Merkmale in der Evolution entwickeln und wie biologische Systeme auf natürliche Selektionsprozesse reagieren.

Milica Gašić

© BMBF/Hans-Joachim Rickel

Die  KI-Forscherin kommt von der University of Cambridge, Vereinigtes Königreich, an die Universität des Saarlandes. Dort möchte sie die Grundlage für eine nächste Generation von Dialogsystemen wie Siri oder Alexa schaffen: Systeme, die in Interaktionen mit dem Menschen treten, statt nur einfache Informationen zu geben. Um das zu erreichen, möchte sie Modelle entwickeln, mit denen Computer komplexe Netzwerke von Informationen mit ihren logischen Verknüpfungen bilden können.

Hitoshi Omori

© BMBF/Hans-Joachim Rickel

Der Theoretische Philosoph kommt vom Japan Advanced Institute of Science and Technology an die Ruhr-Universität Bochum. Omori ist Experte  in den nichtklassischen Logiken, insbesondere der sogenannten parakonsistenten Logik und des Dialethismus. Dabei geht es darum zu untersuchen, wie auf Basis widersprüchlicher Informationen Argumentationen und Theorien aufgebaut werden können, die logisch relevant sind. Hitoshi Omori bewegt sich damit im Bereich der Grundlagenforschung an der Schnittstelle von Philosophie und Mathematik. Mit dem Sofja Kovalevskaja-Preis wird er unter anderem daran arbeiten, ein systematisches Verständnis parakonsistener Logiken zu entwickeln und Bezüge zur Philosophiegeschichte zu untersuchen.

Fritz Renner

© BMBF/Hans-Joachim Rickel

Der Klinische Psychologe und Psychopathologe kommt von der University of Cambridge, Vereinigtes Königreich, an die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Er hat sich auf die Rolle von Bildgebungsverfahren spezialisiert und fragt, welche Kraft die bildliche Vorstellung hat, Verhaltensänderungen zu stimulieren. Konkret forscht er zu besonders schweren Formen der Depression und vereinigt die klinisch-psychologische Forschung mit neurowissenschaftlichen Ansätzen. Auslöser depressiven Störungen ist häufig ein Defizit in der Belohnungserwartung. Als Sofja Kovalevskaja-Preisträger wird Renner untersuchen, inwieweit sich diese Defizite mit Hilfe imaginativer Methoden positiv beeinflussen lassen und welche Mechanismen Belohnungsverarbeitung und mentaler Vorstellungskraft zugrunde liegen.

Die Astrophysikerin Paola Pinilla ist ebenfalls Kovalevskaja-Preisträgerin 2018. Sie wird die Auszeichnung zu einem späteren Zeitpunkt entgegennehmen.