Sommerreise 2016: Aktiv bleiben im Alter durch Technik

Wie wird unser Leben im Alter aussehen? Zum Auftakt ihrer Sommerreise besuchte Bundesministerin Johanna Wanka das Wohlfahrtswerk in Stuttgart und die Saarbahn in Saarbrücken. Sie informierte sich darüber, wie Technik älteren Menschen im Alltag hilft.

Die Treppe, die jeden Tag ein bisschen mehr zur unüberwindbaren Hürde wird, die Herdplatte, die man hin und wieder vergisst auszuschalten und die ständige Angst, in der Wohnung zu stürzen, ohne dass es jemand mitbekommt – das sind nur einige Beispiele für die Sorgen von Seniorinnen und Senioren.

Viele ältere Menschen haben dennoch den großen Wunsch, so lange wie möglich selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden leben zu können und Angehörige nicht zu belasten. Technik kann das möglich machen – zum Beispiel Roboter oder Sensoriksysteme, die erkennen, dass eine Person in der Wohnung gestürzt ist und eigenständig den Notarzt alarmieren. Innovative Forschung unterstützt ältere Menschen dabei, das Leben selbstständig, aktiv und abwechslungsreich zu gestalten.

Im Rahmen ihrer Sommerreise besuchte Bundesministerin Johanna Wanka Else-Heydlauf-Stiftung in Stuttgart © Wohlfahrtswerk

Innovative Technologien ließ sich Bundesministerin Johanna Wanka zum Auftakt ihrer Sommertour  im Pflegeheim der Else-Heydlauf-Stiftung in Stuttgart vorstellen. „Moderne digitale Technologien können den Alltag unterstützen oder die medizinische Versorgung verbessern. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert daher beispielsweise die Entwicklung intelligenter Assistenzsysteme, die älteren Menschen das Leben erleichtern", sagte Bundesforschungsministerin Johanna Wanka.

Der Sensor im Becher erfasst die getrunkene Menge. © Wohlfahrtswerk für Baden-Württemberg

Das Wohlfahrtswerk für Baden-Württemberg gilt als Pionier in der Altenhilfe: von ambulanter Pflege und Hilfe im Haushalt über betreutes Wohnen bis hin zu stationärer Pflege und der spezialisierten von Demenzkranken.  In Zusammenarbeit mit Projektpartnern aus Wissenschaft und Wirtschaft und mit Unterstützung des Bundesforschungsministeriums ist beispielsweise der „TrinkTracker“ entwickelt worden, eine sensorbestückte Tasse, die automatisch die von der Patientin oder dem Patienten aufgenommene Trinkmenge erfasst und aufzeichnet. Die Technik sorgt dafür, dass die Nutzerinnen und Nutzer genug trinken. So müssen die Pflegenden nicht kontinuierlich die Trinkmengen messen und dokumentieren.

Mit Technik gegen das Vergessen

Mit dem Alter kommt das Vergessen. Rund 1,2 Millionen Menschen  in Deutschland leiden an Alzheimer. Die Krankheit verläuft schleichend. Während man zunächst Kleinigkeiten vergisst, werden irgendwann aus Freunden Fremde.

Das Assistenzsystem „NeuroCare“ ist entwickelt worden, um eine Demenz frühzeitig zu erkennen und sogar den Krankheitsverlauf hinauszuzögern. Ältere Menschen lösen auf einem Tablet Aufgaben und trainieren ihr Gedächtnis damit ganz gezielt. Das ermöglicht es den Betreuenden, die Entwicklung der Patientinnen und Patienten zu beobachten.

Auch zur Kommunikation und Interaktion mit demenzkranken Menschen werden neue technische Lösungen angewendet. Mit dem „MediaDementia“-Tablet etwa können Bilder und Musik erzeugt werden, die es möglich machen, sich mit demenzkranken Menschen auszutauschen. Das Projekt wurde 2015 mit dem Preis „Deutschland – Land der Ideen“ ausgezeichnet. Ministerin Wanka hat beobachtet, wie Pflegekräfte das Gerät bei ihrer Arbeit nutzen.

Dank Lotsendienst zum Französisch-Kurs

Die zweite Station von Wankas Sommertour war die Regionalstadtbahn in Saarbrücken. Die Saarbahn GmbH hat erkannt, dass der öffentliche Personennahverkehr seniorenfreundlicher sein könnte: Fahrpläne sind oft unübersichtlich und zu klein gedruckt, Fahrkartenautomaten zu kompliziert und Stufen zu hoch.

Bundesministerin Johanna Wanka im Gespräch mit Hilde Schneider © Saarbahn GmbH

So geht es auch Hilde Schneider. Die 76-jährige Saarbrückerin hatte sich bei einem Sturz das Becken gebrochen und ist seither auf einen Rollator angewiesen. Bus und Bahn zu nutzen, fällt ihr schwer. Die größte Hürde: die Stufe am Einstieg der Busse.

Damit ältere Menschen sicher in der Stadt unterwegs sein und am gesellschaftlichen Leben teilhaben können, arbeitet die Saarbahn GmbH in dem vom Bundesforschungsministerium geförderten Projekt „mobisaar“ an Lösungen. Gemeinsam mit neun Kooperationspartnern sind ein Lotsendienst und eine App für das Smartphone entstanden. Über die Fahrgast-App können Kundinnen und Kunden vor Fahrtbeginn die gewünschte Unterstützung durch Lotsen anfordern. Die Technik ermöglicht es auch, die Lotsen automatisch einzuteilen: die App erkennt, welche Lotsen zur Verfügung stehen und dirigiert sie zu den Fahrgästen.

Seit es den Lotsendienst gibt, ist Hilde Schneider wieder mobil. Mittwochs nimmt sie die öffentlichen Verkehrsmittel, um zu ihrem Französisch-Kurs zu fahren, donnerstags geht sie in der Innenstadt zu einem Frauentreff. Auch Arztbesuche und Einkäufe kann die Rentnerin wieder eigenständig erledigen. „Es gibt mir ein sicheres Gefühl, zu wissen, dass mir geholfen wird und dass ich an mein Ziel komme. Seit es den Lotsendienst gibt, unternehme ich wieder mehr und das macht mich glücklich. Ich fühle mich befreit“, sagt Hilde Schneider.

„mobisaar“ wurde Ende 2015 gestartet als eines der fünf Sieger-Projekte des BMBF-Wettbewerbs „Innovationen für Kommunen und Regionen im demografischen Wandel (InnovaKomm)“. Es kann auf wertvolle Vorarbeiten des ebenfalls vom Bundesforschungsministeriums geförderten Projektes „mobia“ zurückgreifen: „mobia“ war 2013/14 Preisträger im Wettbewerb „Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen“ und in 2015 Gewinner des Deutschen Alterspreises der Robert-Bosch-Stiftung.

Wie werden wir wohnen, was werden wir essen und wie halten wir uns fit? Mit ihrer Sommerreise widmet sich Bundesforschungsministerin Johanna Wanka der Zukunft des Lebens im Alter. Im Juli und August 2016 wird sie zehn Standorte in ganz Deutschland besuchen, darunter sind Forschungseinrichtungen, Wohnungsgesellschaften und Beratungsstellen.