Sozialwissenschaften nehmen die Bioökonomie in den Blick

Die Transformation zur Bioökonomie wäre eine der größten Wirtschaftstransformationen seit der Industrialisierung. Mit dem Förderkonzept „Bioökonomie als gesellschaftlicher Wandel" werden Wechselwirkungen aus unterschiedlichen Perspektiven untersucht.

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Forscherinnen und Forscher betrachten Transformationspfade der Bioökonomie im Hinblick auf politische und gesellschaftliche Prozesse und behandeln ethische und rechtliche Aspekte. © ©pressmaster - stock.adobe.com

Die Bioökonomie gilt als entscheidendes Instrument auf dem Weg zu einem nachhaltigen Wirtschaften. Sie stellt nachwachsende Rohstoffe als Ernährungs- und Wirtschaftsgrundlage und biologisches Wissen für neuartige Innovationen bereit. Die Transformation hin zu einer biobasierten Wirtschafts- und Lebensweise wäre eine der größten Wirtschaftstransformation seit der Industrialisierung. Der Wandel der technologischen Basis geht zwangsläufig mit gesellschaftlichen Veränderungen einher – auch mit unerwarteten Folgen und Wechselwirkungen. So kann die Nutzung biogener Ressourcen beispielsweise Flächenkonkurrenzen verstärken.

Im Rahmen des Förderkonzepts „Bioökonomie als gesellschaftlicher Wandel" werden Wechselwirkungen aus unterschiedlichen Perspektiven untersucht. Wie lassen sich Nachhaltigkeit und Wohlstand, Umweltschutz und die Nutzung natürlicher Kreisläufe vereinbaren? Die Zusammenhänge des bioökonomischen Transformationsprozesses zu durchschauen, direkte und indirekte Wirkungen offenzulegen und verlässliche Daten über die aktuelle und künftige Entwicklung zu liefern, gehört zu den Kernanliegen des Förderkonzepts. Die Ziele der Bioökonomie werden als gesellschaftliche Herausforderungen verstanden und durch die interdisziplinär ausgerichtete Forschungsförderung umfassend adressiert.

Das Spektrum relevanter Fragestellungen ist breit. So betrachten Forscherinnen und Forscher Transformationspfade der Bioökonomie im Hinblick auf politische und gesellschaftliche Prozesse und behandeln ethische und rechtliche Aspekte. Sie stellen darüber hinaus Ländervergleiche an, untersuchen Veränderungen von globalen Lieferketten oder Wirtschaftsbereichen wie dem Forst-/Holz-Sektor und bewerten die Wirksamkeit von Instrumenten zur Innovationsförderung.

BEPASO – Die Zukunft im Blick

Wie sieht unsere Zukunft 2050 aus, wenn eine nachhaltige Bioökonomie umgesetzt wird? Welche Pfade kann die Entwicklung einschlagen und welche Konsequenzen wird das haben? Was sind bestimmende Faktoren, was Potenziale? Im Forschungsvorhaben „Bioökonomie 2050: Potenziale, Zielkonflikte, Lösungsstrategien" (BEPASO für Bioeconomy PAthways and SOcietal transformation strategies) sollen verschiedene Zukunftsszenarien (qualitativ und quantitativ) eines Wandels der gegenwärtigen Wirtschaftsweise hin zu einer nachhaltigeren „Bioökonomie 2050" und gesellschaftlich akzeptierte Transformationspfade beschrieben werden. Der Fokus liegt dabei auf der Produktion und Weiterverarbeitung von Biomasse. Das Vorhaben ist ein Verbundprojekt mit fünf Projektpartnern unter Koordination des Johann Heinrich von Thünen-Instituts.

Ausgehend von der gegenwärtigen Nutzung von Land und Ressourcen und der Verfügbarkeit von Biomasse entwickeln die Forscherinnen und Forscher gangbare Pfade für die Transformation zum nachhaltigen und biobasierten Wirtschaften. Dabei fließen einerseits die Effekte durch eine steigende Nachfrage nach biogenen Ressourcen, aber auch die Potenziale sowie mögliche Grenzen und Konfliktfelder in die Betrachtung ein. Andererseits werden Maßnahmen, welche diese Konflikte entschärfen können, wie Ertrags- und Effizienzsteigerung oder Nutzung von Rest-und Abfallstoffen, auf ihre Nachhaltigkeit und Umsetzbarkeit hin bewertet. Dafür werden mit Hilfe von Modellanalysen Zielkonflikte identifiziert und dann mit verschiedenen Interessengruppen besprochen. Dabei werden Lösungsstrategien, Handlungsoptionen und Steuerelemente gemeinsam erarbeitet. Konkrete Fragen in BEPASO sind beispielsweise:

  • Welche gesellschaftlichen und politischen Prozesse müssen stattfinden, um den Übergang zu einer nachhaltigen Nutzung von Biomasse in Produktion und Konsum zu stimulieren?
  • Setzt die globale Verfügbarkeit von Biomasse (Schwerpunkt Land- und Forstwirtschaft) dem Transformationsprozess Grenzen? Wie wird sich der internationale Handel von Biomasse entwickeln?
  • Steht die zusätzliche Nachfrage nach Biomasse im Widerspruch zu anderen Zielen wie Klimaschutz, Wasserhaushalt und Erhalt von Biodiversität? Welche Lösungsstrategien ergeben sich?
  • Wie beurteilen unterschiedliche Interessengruppen die Zielkonflikte und welche Auswirkungen hat dies auf den Transformationsprozess?