Sprunginnovationen zum Organersatz: 2 x Herz, 1 x Bauchspeicheldrüse

Wie kann schwerkranken Menschen geholfen werden, die auf eine Transplantation warten? Dieser Frage gingen Forschende im BMBF-geförderten Wettbewerb „Organersatz aus dem Labor“ nach. Jetzt stehen die Gewinner fest.

Tausende Menschen warten in Deutschland auf ein Spenderorgan. Künstliche Organe könnten Abhilfe schaffen. © Dan Race - stock.adobe.com

Die ersten Gewinnerinnen und Gewinner der drei Pilotinnovationswettbewerbe zur Förderung von Sprunginnovationen stehen fest. Mit diesen Wettbewerben unterstützt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) die Entwicklung disruptiver Innovationen von besonderer technologischer und gesellschaftlicher Relevanz. Beim Wettbewerb „Organersatz aus dem Labor“ ging es um die drängende Frage, wie fast 10.000 Schwerkranken in Deutschland perspektivisch geholfen werden kann, die auf eine lebensrettende Transplantation warten.

Beim virtuellen Finale am 7. Mai haben die sechs besten Forschungsteams einer international besetzten Fachjury vorgestellt, wie sie der Vision eines im Labor gezüchteten Organersatzes näherkommen wollen. Die drei Gewinnerteams können nun eine Forschungsförderung von drei Millionen, zwei Millionen bzw. einer Million Euro beantragen.

Die Gewinner des Wettbewerbs im Einzelnen:

  1. 3D-Heart-2B: Dreidimensionales Herzgewebe aus dem Labor als implantierbares biologisches Herzunterstützungssystem (Projektleitung: Prof. Dr. Ina Gruh, Medizinische Hochschule Hannover)
  2. INDIHEART: Individualisierte Herzmuskulatur für die funktionale Behandlung von Herzinsuffizienz (Projektleitung: Prof. Dr. Wolfram-Hubertus Zimmermann, Universität Göttingen)
  3. e-Islet: Entwicklung einer Organoid-Technologie für eine Zellersatztherapie bei Diabetes-Patienten (Projektleitung: Prof Dr. Heiko Lickert und Dr. Matthias Meier, Helmholtz Zentrum München)

Forschende aus ganz Deutschland waren dem Aufruf vor knapp einem Jahr gefolgt und hatten ihre Forschungsprojekte vorangetrieben und eindrucksvoll ihre Innovationkraft präsentiert. Im Fokus des Wettbewerbs standen dabei die fünf Organe, die in Deutschland am häufigsten transplantiert werden: Niere, Leber, Herz, Lunge und Bauchspeicheldrüse. Der Weg bis zu einem Organersatz aus dem Labor ist noch weit. Umso wichtiger sind erste Schritte und Forschung, die dieses Fernziel im Blick behält. Zwei der Gewinnerprojekte arbeiten an Unterstützungssystemen für das Herz. Ein weiteres Projekt macht mit seiner Idee für einen funktionellen Ersatz der Bauchspeicheldrüse Diabetes-Patienten Hoffnungen.

Auf dem Weg zu „Organen aus dem Labor“ können bereits Zwischenstufen schon erheblich zur Lebensqualität der Patienten beitragen. So könnten implantierbare Unterstützungssysteme ein geschwächtes Organ entlassen und eine Transplantation des kompletten Organs unnötig machen oder zumindest hinauszögern. Innovative Ansätze wie diese könnten in Zukunft nicht nur den Bedarf an Spenderorganen deutlich verringern. Ein Organersatz, der in Teilen oder gänzlich aus patienteneigen Zellen gezüchtet wird, würde auch die teilweise sehr belastenden Medikamente zur Vermeidung von Abstoßungsreaktionen überflüssig machen.

Mit den Pilotinnovationswettbewerben erprobt das BMBF neue Ansätze und Instrumente zur Identifizierung und Förderung von herausragenden neuen Technologien. Die dabei gewonnenen Erfahrungen fließen ein in den Aufbau der 2019 gegründeten Agentur für Sprunginnovationen SprinD.