Start der Kampagne "Studieren weltweit - Erlebe es"

Grußwort des Parlamentarischen Staatssekretärs bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Thomas Rachel, in Berlin

Thomas Rachel beim Start der Kampagne
Thomas Rachel beim Start der Kampagne © David Ausserhofer

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrte Frau Prof. Wintermantel,
meine sehr verehrten Damen und Herren!

Sie haben an dieser Stelle Frau Ministerin Wanka erwartet. Die Ministerin hat mich gebeten, diesen Termin zu übernehmen, der ihr sehr wichtig war und den Sie gerne selbst wahrgenommen hätte.                      

Unser Leben ist heute so international und globalisiert wie nie zuvor. Durch das Internet sind wir mit der ganzen Welt verbunden. Wir verschicken Informationen in Sekundenschnelle um den halben Globus. Kontakt und Kommunikation über Staatsgrenzen und Kontinente hinweg sind heute eine Selbstverständlichkeit.

Und doch sind es noch immer auch die persönlichen Begegnungen, die zu tragfähigen und langfristigen Kooperationen und zu Freundschaften führen. „Wer die Welt bewegen will, sollte erst sich selbst bewegen“, sagte schon Sokrates.

Deshalb sind Deutsche, die im Ausland gelernt und gelehrt haben, und Menschen, die in Deutschland gelernt und gelehrt haben, Brückenbauer unserer Zukunft. Sie weiten ihre Horizonte über den nationalen Kontext hinaus; sie knüpfen internationale Netzwerke; und sie eignen sich interkulturelle Kompetenzen an, die angesichts der Entwicklungen und Umwälzungen um uns herum immer wichtiger werden.

Sogar Studien belegen die positiven Effekte von Auslandsaufenthalten: Der amerikanische Sozialpsychologe William Maddux hat nachweisen können, dass Auslandsaufenthalte mit erhöhter Kreativität einhergehen können. Neues, das man im Ausland kennenlernt, inspiriere. Es sei aber auch so, dass die fremde Umgebung gewohnte Denkmuster und Verhaltensweisen infrage stelle und Routinen aufbreche, erklärt Maddux.

Viele junge Menschen sind sich heute schon bewusst, dass Auslandserfahrungen ein großer Gewinn sind. Die Zahlen sprechen für sich: Mittlerweile absolviert mehr als ein Drittel der deutschen Studierenden – um genau zu sein 37 Prozent – während des Studiums einen Auslandsaufenthalt. Und an den deutschen Hochschulen sind mehr als 320.000 ausländische Studierende eingeschrieben.

Darauf können wir stolz sein. Aber wir wollen noch besser werden. Denn Innovationen werden weiterhin nur dann entstehen, wenn Wissenschaftler aus verschiedenen Blickwinkeln zusammen und disziplinenübergreifend kreative Ideen entwickeln.

Wir brauchen weiterhin Brückenbauerinnen und Brückenbauer, heute mehr denn je. Und deshalb ist die Kampagne, die heute gestartet wird, von so großer Bedeutung.

Nur durch eine noch engere internationale Vernetzung kann Deutschland seine Rolle in der globalen Wissensgesellschaft weiter stärken.

  • Weil das Streben nach wegweisenden Ideen voranschreitet,
  • weil die Komplexität wissenschaftlicher Fragestellungen mit hoher Geschwindigkeit zunimmt
  • und weil der Wettbewerb der Wissenschaftssysteme um die besten Forscherinnen und Forscher sich intensiviert,

ist die Internationalisierung der Forschung in den nächsten Jahren Kernaufgabe von Politik und Wissenschaft.

Internationalisierung ist heute ein Querschnittsthema über das gesamte Hochschul-, Wissenschafts- und Forschungssystem hinweg. Sie ist es aber nicht erst seit heute. Wir setzen vielmehr mit unseren Strategien den Erfolgsweg der letzten Jahrzehnte fort:

Bereits vor über 90 Jahren wurde der Deutsche Akademische Austauschdienst mit der Absicht gegründet, deutsche Studierende und Doktoranden ins Ausland zu senden und ausländische Studierende für ein Studium in Deutschland zu fördern.

Und vor über 60 Jahren wurde die Alexander von Humboldt-Stiftung gegründet, mit dem Ziel, die Kooperation exzellenter ausländischer und deutscher Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu fördern.

Auch die Max-Planck und die Fraunhofer-Gesellschaft, die Helmholtz-, die Leibniz- und die Deutsche Forschungsgemeinschaft haben eigene Internationalisierungsstrategien und -aktivitäten.

Dass sich auch die Forschungsorganisationen in den vergangenen Jahren verstärkt international engagiert haben, dafür sind zwei Gründe maßgeblich: Zum einen der verbesserte Zugang zu exzellenten ausländischen Forschungseinrichtungen und die damit einhergehende Attraktivität für Spitzenkräfte und Nachwuchswissenschaftler aus dem Ausland. Zum anderen die Erschließung neuer Wissensgebiete und Forschungsthemen.

Von ihrem Büro in New York aus vernetzt die DFG deutsche Nachwuchswissenschaftler in Nordamerika und präsentiert in öffentlichkeitswirksamen Auftritten die deutsche Wissenschaftslandschaft. Die Fraunhofer-Gesellschaft betreibt Tochtergesellschaften in Europa sowie in Nord- und Südamerika. Einrichtungen der Leibniz-Gemeinschaft forschen in internationalen Kooperationen. Die Helmholtz-Gemeinschaft baut internationale Allianzen auf. Und die Max-Planck-Gesellschaft unterhält Institute in Rom, Florenz, Luxemburg und Florida (USA), und hat zahlreiche weitere Kooperationen auf den Weg gebracht.

Natürlich gehen auch die rund 400 Hochschulen in Deutschland den Weg der Internationalisierung. Um diese Prozesse zu beschleunigen, haben Bund und Länder 2013 eine Internationalisierungsstrategie für die Hochschulen verabschiedet.

Unter anderem wurde als Ziel ausgegeben, dass bis zum Jahr 2020 mindestens 350.000 ausländische Studierende in Deutschland eingeschrieben sein sollen und dass die Hälfte der deutschen Studierenden während des Studiums einen qualifizierenden Auslandsaufenthalt absolvieren soll.

Ein ganzes Instrumenten-Bündel unterstützt das: Dazu gehören unter anderem Individualstipendien, transnationale Bildungsangebote, strategische Partnerschaften zwischen Hochschulen, transnationale Bildungsprojekte deutscher Hochschulen im Ausland und Preise für ausländische Wissenschaftler. Es gibt mittlerweile 880 englischsprachige Master-Programme an deutschen Hochschulen. Und 45.000 Studierende profitieren vom Auslands-BAföG.

Auch auf der letzten Bologna-Konferenz in Jerewan wurden in Sachen Mobilität wegweisende Beschlüsse gefasst. Das betrifft die Förderung der Mobilität auch des administrativen Hochschulpersonals, die Mitnahmefähigkeit von Stipendien und Darlehen ins Ausland und die Vereinfachung der Akkreditierung gemeinsamer Studiengänge, um Hochschulen die Einrichtung dieser Programme zu erleichtern.

Und schließlich tragen auch EU-Programme wie Horizont 2020 für die europäische Forschungskooperation zur Internationalisierung des deutschen Hochschul- und Wissenschaftssystems bei. Hinzu kommt Erasmus+ für den Studierendenaustausch, mit dem seit 1986 mehr als drei Millionen europäische Studierende einen Auslandsaufenthalt absolviert haben,

Internationalisierung beginnt bei den Bedingungen für Wissenschaft und Forschung in Deutschland. Nationale Exzellenz ist der Schlüssel für globale Exzellenz.

Ich möchte deshalb noch ein paar Worte zu einigen hochschulpolitisch relevanten Themen sagen:

Seit Längerem haben wir eine intensive Debatte zur Situation des wissenschaftlichen Nachwuchses und seiner Karriereperspektiven. Aus Sicht des BMBF ist eine strukturelle und tendenziell flächendeckende Weiterentwicklung der Karrierewege erforderlich. Das wird auch unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig stärken.

Mit dem Hochschulstatistikgesetz soll die Situation des wissenschaftlichen Nachwuchses und der Studierenden in Deutschland genauer statistisch erfasst werden. Damit können die Veränderungen in der Hochschullandschaft besser abgebildet werden.

Und zum 1. März soll die Gesetzesnovelle zum Wissenschaftszeitvertragsgesetz in Kraft treten, die derzeit das parlamentarische Verfahren durchläuft. Das Ziel der Gesetzesnovelle ist es, die Arbeitsbedingungen für junge Wissenschaftlerinnen und -wissenschaftler deutlich zu verbessern und ihnen mehr Sicherheit und Planbarkeit zu bieten.

Um Strukturen dauerhaft zu verändern, soll es zudem eine Bund-Länder-Initiative für den wissenschaftlichen Nachwuchs geben. Dafür ist der Ausbau von Tenure Track-Professuren ein hervorragendes Instrument. Sollte es dazu kommen, wird es wichtig sein, die geschaffenen Tenure Track-Stellen zu verstetigen.

Verlässlichkeit und Planungssicherheit sind insgesamt wichtige Stichworte. Besonders aktuell ist die Frage nach der Zukunft der Exzellenzinitiative.

Sie alle wissen, was sich im Hochschulbereich durch die Exzellenzinitiative getan hat. Deutsche Wissenschaft hat international an Strahlkraft gewonnen und die Profilbildung der Universitäten wir haben maßgeblich vorangetrieben.

Im Grundsatzbeschluss zur Nachfolge der Exzellenzinitiative haben die Regierungschefs von Bund und Ländern festgelegt, dass die Gelder, die jetzt für die Exzellenzinitiative verwendet werden, mindestens im selben Umfang auch nach 2017 zur Verfügung stehen sollen. Viele Vorschläge liegen bereits auf dem Tisch, im Januar wird die Evaluierungskommission ihren Bericht vorlegen. Auf Grundlage dieser Evaluierung werden Bund und Länder die Exzellenzinitiative dann weiterentwickeln.

Ich bin überzeugt, dass wir den Wissenschaftsstandort Deutschland mit all diesen Maßnahmen weiter stärken werden. International gehören wir schon heute zur Spitze und das soll auch in Zukunft so bleiben.

Ich danke dem DAAD für sein Engagement, das dazu beiträgt, unsere Position zu stützen. Und allen jungen Leuten, die ins Ausland gehen, wünsche ich inspirierende Erlebnisse und alles Gute.

Vielen Dank!