Lebendige Gründungskultur stärkt Innovationsstandort Deutschland

„Leider wird in Wissenschaft und Forschung eine Gründung oft nicht als Option wahrgenommen. Das wollen wir ändern und gezielt fördern“, sagt Staatssekretär Michael Meister bei der Veranstaltung „Startups – Innovationsmotoren für Deutschland“.

Michael Meister, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, spricht über die Fördervorhaben des BMBF im Bereich der Startups.
Michael Meister, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, spricht über die Fördervorhaben des BMBF im Bereich der Startups. © BMBF / Hans-Joachim Rickel

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrter Herr Dr. Rossmann,
sehr geehrter Herr Dr. Bock,
sehr geehrte Damen und Herren,

Deutschland ist Spitzenstandort für Innovationen. Unsere Volkswirtschaft ist eine der zehn forschungsintensivsten der Welt. Gleichzeitig wird der globale Wettbewerb schärfer und wir müssen uns – etwa mit Blick auf Wettbewerber wie China oder die USA – immer wieder neu positionieren.

Vorige Woche hat die Bundesregierung die Hightech-Strategie 2025 beschlossen. Mit ihr setzen wir auf Kooperation und Zusammenarbeit, auf Agilität und Offenheit im Innovationsgeschehen sowie auf kreative Köpfe und neue Ideen, um in diesen Wettbewerb zu bestehen. Hierzu gehört auch eine lebendige Gründungskultur, um Deutschlands Stärke als Innovationsführer für die Zukunft zu sichern.

Obwohl das Gründungsgeschehen in Deutschland boomt, verzeichnen wir hierzulande insbesondere im technologiebasierten Gründungsgeschehen seit Jahren einen negativen Saldo, d.h. es gehen mehr Unternehmen vom Markt, als neue hinzukommen.

Die Ursachen hierfür sind vielfältig. Auf der einen Seite werden der demografische Wandel sowie die gute konjunkturelle Lage und die damit einhergehende Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt als Ursachen genannt. Auf der anderen Seite wird die Entwicklung mit der Angst vor dem Scheitern und der damit verbundenen mangelnden Gründungskultur begründet.

Exzellente Forschung kann ein Grundstein für innovative Gründungen sein. Doch leider wird in Wissenschaft und Forschung eine Gründung oft nicht als Option wahrgenommen. Das wollen wir ändern und mit gezielter Förderung die Möglichkeiten für Gründungen aus der Wissenschaft heraus besser ausschöpfen. In wie vielen wissenschaftlichen Arbeiten stecken hervorragende Ideen, aus denen innovative Startups werden könnten? Ich sehe hier ein großes Potenzial für eine neue Gründungskultur in der Wissenschaft.

Eine gezielte Gründungsunterstützung muss der Komplexität gerecht werden und komplementäre Instrumente anbieten, die optimal ineinandergreifen. Deshalb hat das BMBF das Konzept „Mehr Chancen für Gründungen – Fünf Punkte für eine neue Gründerzeit“ erarbeitet.

Mit unserer Forschungs- und Innovationsförderung unter dem Dach der Hightech-Strategie haben wir in den vergangenen Jahren die Innovations-"Pipelines" gefüllt und tragfähige Forschungsnetzwerke aufgebaut. Doch exzellente Forschungsergebnisse sind nur ein Teil.

Wir müssen insbesondere auch die Voraussetzungen stärken, damit sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler frühzeitig mit dem Thema auseinandersetzen und den Blick für die Perspektive einer Gründung schärfen. Hierzu wollen wir die Gründung eines Unternehmens noch stärker als Option in der Karriereplanung des wissenschaftlichen Nachwuchses verankern und so einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung einer lebendigen Gründungskultur in Deutschland leisten. So fördern wir beispielsweise mit „Young Entrepreneurs in Science“ eine Maßnahme, in der im Zusammenspiel mit Akteuren aus der Wirtschaft sowie in Kooperation mit den Hochschulleitungen die Gründungsperspektive für Promovierende gestärkt werden soll.

Wir unterstützen Forscherinnen und Forscher dabei, das Potenzial ihrer Forschungsergebnisse für eine Unternehmensgründung zu überprüfen und in Richtung eines Geschäftskonzeptes weiterzuentwickeln. Die bewährte Validierungsförderung wollen wir ergänzen. So werden wir in den nächsten Wochen ein Förderangebot für Fachhochschulen veröffentlichen, mit dem wir den Aufbau von Test- und Entwicklungslaboren an den Fachhochschulen in Deutschland fördern wollen.

Als einen weiteren Baustein werden wir in den nächsten Jahren schrittweise Module für eine maßgeschneiderte Gründungs- und Startup-Förderung als integralen Bestandteil in unsere Fachprogramme einführen. Diese Module wollen wir auf die unterschiedlichen Bedarfe in den einzelnen Disziplinen, Technologie- und Anwendungsfeldern ausrichten.

Meine Damen und Herren,

mit der Forschungsförderung haben wir in den letzten Jahren eine anwendungsorientierte Infrastruktur in der Forschungslandschaft aufgebaut, die es jetzt für die Dynamisierung des Gründungsgeschehens zu nutzen gilt. Gerade die Spitzencluster haben sich ideale Umfelder für die Gründung und Entwicklung innovativer Unternehmen gezeigt. Denn Cluster sind als vertrauensbasierte regionale Innovationsökosysteme ein ideales Experimentierfeld für eine offene Innovationskultur.

Mit dem Spitzencluster-Wettbewerb haben wir die leistungsfähigsten deutschen Cluster bei der Etablierung in der internationalen Spitzengruppe gefördert. Die Cluster vernetzen Unternehmen, Hochschulen, Forschungseinrichtungen und weitere Akteure einer Region. Sie bündeln Kräfte und schaffen damit Synergien für Forschung und Innovation. Durch die intensive Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft sowie weiterer Partner in einer Region bildeten sich ideale Nährböden für Startups. So zeugen zum Beispiel über 170 Transferprojekte mit KMU und 34 Unternehmensgründungen im Spitzencluster „it’s OWL“ (Intelligente Technische Systeme OstWestfalenLippe), wie Unternehmertum in der Region gestärkt wird.

Diese Erfahrungen wollen mit der neuen „Zukunftscluster-Initiative“ aufgreifen. Wir werden ein Angebot schaffen, mit dem sich in entstehenden Innovationsfeldern mit exzellentem Wachstumspotential über themen-, technologie- und disziplinübergreifende Kooperationen herausragende Cluster von morgen entwickeln können.

Als letzten Punkt wollen wir die Rahmenbedingungen für Unternehmensgründungen und junge innovative Unternehmen verbessern. So wollen wir den Zugang zu unseren Fachprogrammen für junge innovative Unternehmen erleichtern und unser Förderangebot für Startups attraktiver gestalten. Hierfür prüfen wir, wie wir die bestehenden haushaltsrechtlichen und beihilferechtlichen Möglichkeiten noch besser ausnutzen können. Dazu gehört eine erleichterte Bonitätsprüfung genauso wie die höchstmögliche Förderquote für Startups.

Auch die Herausforderung beim Umgang mit den Rechten am geistigen Eigentum wollen wir angehen. Häufig liegen die sogenannten IP-Rechte bei den Hochschulen und Forschungseinrichtungen, an denen die jeweiligen Forschungsarbeiten durchgeführt wurden. Dort werden sie in vielen Fällen durch Patentverwertungsgesellschaften verwaltet. Dieses kann sehr wohl von Nutzen sein. Jedoch berichteten uns Gründerinnen und Gründer immer wieder von Schwierigkeiten im Umgang mit den Agenturen, welche die Unternehmensgründung zum Teil stark verzögern oder gar verhindern. In einem gemeinsamen Workshop von BMBF und BMWi wollen wir dem nachgehen und gemeinsam eine geeignete Lösung für alle Beteiligten finden.

Meine Damen und Herren,

wir brauchen mehr Mut, mehr Zuversicht und mehr Entschlossenheit bei der Suche nach neuen Geschäftsideen und bei der Entwicklung neuer Produkten und Geschäftsmodelle. Und wir müssen diejenigen, die diesen Mut haben auf ihrem Weg unterstützen.

Wir brauchen Geduld, Zuversicht und eine Kultur der Macher – Wir brauchen eine Kultur im Land, die das Ausprobieren fördert und dem Scheitern mit Respekt und Anerkennung für den Versuch begegnet.

Mehr Unternehmergeist, mehr Mut und Entschlossenheit sowie eine neue Unternehmerkultur erfordern jedoch einen langfristigen Entwicklungsprozess und sind durch die Kombination mehrerer langfristig wirkender Maßnahmen zu erreichen. Deshalb wollen BMBF und BMWi die jeweiligen Maßnahmen beider Häuser noch enger verzahnen. Unsere Maßnahmen sind eingebettet in der Hightech-Strategie 2025, mit der die Bundesregierung auch den Unternehmergeist stärken möchte. So ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Technologieförderung auch die Stärkung von Startup-Ökosystemen. Hierzu gehört auch die Stärkung des Wagniskapitalmarktes. In diesem Zusammenhang begrüße ich das Programm der Europäischen Kommission und des Europäischen Investitionsfonds (EIF) für einen europaweiten Risikokapitaldachfonds (VentureEU), um Investitionen in innovative Startup- und Scale-up-Unternehmen in ganz Europa zu fördern. Wir unterstützen Überlegungen der Europäischen Kommission zum Aufbau eines European Innovation Council, in welchem die Start-up Förderung eine zentrale Rolle einnehmen soll. Und wir wissen auch: Wir als Bundesregierung müssen hier zügig nachlegen, beispielsweise in dem wir schnellstmöglich den Tech Growth Fund starten.

Ich bin davon überzeugt, dass wir in Deutschland in den nächsten Jahren eine neue Gründerzeit initiieren können.